Königstein (nd) – Am vergangenen Samstag sind Hunderte von Rock- und Metalfans nach Königstein gepilgert – zu ihrer Kultstelle. Auf der Burgruine fand Tag wieder das beliebte Festival „Rock auf der Burg“ statt. Bei herrlichem Wetter spielten 13 Bands auf zwei Bühnen. Ein Festtag für Musikbegeisterte. Organisiert wird die Veranstaltung von der Rock-AG Königstein in Zusammenarbeit mit der Stadt. Zahlreiche Unterstützer und Sponsoren fördern das Festival zusätzlich.
Harte Klänge, friedliche Besucher
Musikalisch wurden auf der Burgruine härtere Klänge denn je angeschlagen. Vor allem das Genre Metalcore, in all seinen Varianten, erfreute die Besucher in diesem Jahr. Allerdings sind gerade die Anhänger des Rocks und Metals für ihre Friedfertigkeit bekannt. „Es ist alles unauffällig“, bestätigte am frühen Abend auch die Polizei Königstein, die regelmäßig patrouillierte. Manch ein Gast vergaß jedoch, ausreichend Antialkoholisches zu trinken. Zum Glück war für solche Fälle das Deutsche Rote Kreuz vor Ort. Wie schon in den vergangenen Jahren sorgte die Firma IH-Security für die Sicherheit der Feiernden.
Thruxtone eröffnen Festival
Traditionell durften die Gewinner des „Battle of the Bands“ das Festival auf der Hauptbühne eröffnen. Das war in diesem Jahr die Oldschool-Rock-Band Thruxtone. Sie werden in diesem Jahr auch auf dem „Le Murs Fest“ am 22. August im Bürgerzentrum Eschborn spielen. Auf Thruxtone folgten die Heavy-Metal-Band Blacktoothed und die Electronic Rockband Plume. Die Stimmung auf der Festwiese war ausgelassen und heiter. Auch die Musiker genossen die besondere Atmosphäre der Burgruine. „Es war richtig geil“, so Plumes-Sänger Pacey. „Wahnsinn wie viele Leute hier sind“, bestätigte Hendrik Rathgeber, Sänger bei Blacktoothed. Er berichtete, dass bald ihr neues Album „Feral Bloom“ erscheinen wird. Es wird musikalisch noch härter als die bisherigen Alben und dreht sich um das Thema mentale Gesundheit.
Awareness-Team und Safe Space
Bereits zum zweiten Mal gab es auf der Burg ein Awareness-Team. Dabei geht es um Achtsamkeit, damit wirklich jeder die Konzerte genießen kann. Der Rock-AG ist es sehr wichtig, dass niemand diskriminiert oder belästigt wird. Wer sich unsicher fühlt oder eine unangenehme Begegnung hatte, kann sich an das geschulte Team wenden. „Wir haben super Leute dabei; es war mir ein persönliches Anliegen, dass wir ein solches Team haben“, erklärte Marco Russo, 1. Vorsitzender des Vereins. Das kommt nicht nur bei den Besuchern gut an, sondern auch bei den Bands. „Wir fühlen uns hier total gut aufgehoben und dass es ein Awareness-Team gibt, finden wir sehr gut und wichtig“, so Fabrizio Casali, Schlagzeuger der Deathcore-Band Leyka. Die Bandmitglieder sehen ihre Konzerte als Safe Space, also einen Ort inklusiver Umgebung, der frei von Diskriminierung ist. Ihre Songs drehen sich um Kritik am Sozialstaat, Umweltschutz und mentale Gesundheit.
„Mein coolster Auftritt bisher“
Die gegenseitige Akzeptanz führt dazu, dass die Festivalgänger sorglos feiern können, und so waren auch die Besucher begeistert. Die Musik-Fans Sebastian Gallus, Christine Zerbes und ihr Kumpel Yannick waren zum ersten Mal bei „Rock auf der Burg“. „Es ist sehr gut und die Location ist unglaublich schön“, erzählte Zerbes. Alle drei lobten die niedrigen Preise für Speisen und Getränke, sowie deren Auswahl. Während Yannick vor allem die Auftritte von Bluthund und Blacktoothed gefielen, erfreute sich Sebastian Gallus besonders am Konzert der Solokünstlerin Jaisa. „Das war total toll“, so Gallus. Die Sängerin Janina Draxinger alias „Jaisa“ hatte auf der Mainova Kellerstage im „Hellen Bogen“ gespielt und zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden. „Es war der Hammer – ich glaube, mein coolster Auftritt bisher“, erklärte Draxinger. Sie lobte sowohl das Publikum als auch den Veranstalter und die Kulisse, die besonders gut zu ihrem Musikstil passe – Symphonic-Goth-Metal mit Core-Elementen. Core zeichnet sich durch seine Härte aus und hat seine Wurzeln in der Punkmusik.
Viele Musiker lobten das Ambiente der Burgruine und den guten Umgang der Veranstalter mit den Künstlern. „Es hat irre Spaß gemacht“, bestätigte Sänger Jakob von der Band Vinta. Die Metalcore-Gruppe hatte einen grandiosen Auftritt auf der Main Stage. Sie wollen zeigen, dass dieser Musikstil auch auf Deutsch funktioniert. Die wichtige Nachricht ihrer Texte ist, dass man zu seinen Gefühlen stehen soll.
Die Stimmung zum Siedepunkt brachten die Bands Setyøursails und Bluthund. „Macht den größten Circle Pit, den dieses Festival je gesehen hat“, rief Jules Mitch, Sängerin von Setyøursails, der Menge zu. Gesagt, getan – vor der Bühne bildete sich ein großer Kreis, in dem alle Konzertgänger in eine Richtung rannten. Es wurde geheadbangt, Pogo getanzt und mitgesungen.
Die größte Überraschung war wohl die Band Bluthund, denn unter „Stromgitarrenwutrap“ konnten sich wahrscheinlich nur wenige etwas vorstellen. Es wurde auf jeden Fall laut, hart und wild. Die vier Musiker, die nicht erkannt werden wollen und deswegen nur maskiert auftreten, hatten wohl den größten Fanansturm nach ihrem Konzert. Dafür nahmen sie sich viel Zeit und zeigten sich nahbar. Noch zwei Stunden nach ihrem Auftritt gaben sie Autogramme und machten Fotos mit ihren Anhängern. „Es war einfach episch“, so Sänger und Rapper Abraxas und Schlagzeuger K (no) Mon€¥. Wer nicht genug von Bluthund bekommen konnte, sollte sich den 10. Oktober vormerken, dann spielen sie im „Bett“ in Frankfurt.
Auch die Bands Alexis in Texas, Thirdwave und Authorist konnten auf ganzer Linie überzeugen.
Headliner aus Italien und Schweden
Als Headliner der Kellerstage brachte die italienische Band Prospective den „Hellen Bogen“ zum Beben. Trotz der beengten Räumlichkeit wurde wild vor der Bühne getanzt. Ihre Texte handeln von der Überwindung negativer Emotionen und gescheiterter Beziehungen.
Der Hauptact auf der Main Stage kam in diesem Jahr aus Schweden. Die vier Musiker der Post-Hardcore-Band Dead by April kommen aus Göteborg – viele beliebte Metalbands stammen aus dieser Stadt. Es sind sogar so viele, dass ein eigener Metalstil danach benannt wurde – der „Gothenburg Sound“.
Die Besucher genossen das letzte Konzert des Tages in vollen Zügen. Dicht gedrängt wurde auf der Festwiese gefeiert. Als die letzten Klänge verstummt waren, gingen die Festivalgäste beseelt nach Hause. Sicher wird sich so manch einer das „Early-Bird-Ticket“ holen, um im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.






