Königstein (kb) – „Ich möchte Geschichten erzählen und die Leser berühren.“ Mit ihrem Buch „Im Herzen der Katze“ ist Jina Khayyer dies offensichtlich sehr gut gelungen. Der Debütroman der Autorin iranischer Abstammung war im vergangenen Jahr für den deutschen Buchpreis nominiert. Dem Verein Leselust Königstein e.V. ist es gelungen, die Schriftstellerin, Dichterin, Malerin und Journalistin schon zum zweiten Mal in diesem Jahr für eine Lesung in der Stadtbücherei Königstein zu gewinnen.
In Wiesbaden geboren und aufgewachsen, in München Journalismus studiert, lebt Khayyer seit 20 Jahren in Paris. „Ich möchte meine Leser berühren und ihre fünf Sinne ansprechen. Das kann ein Sachbuch nicht. Der Roman ist für mich daher die bevorzugte literarische Form.“ Die Entstehungsgeschichte des Buches? „Ich wollte schon immer einen großen Iran-Roman aus meiner Perspektive schreiben. Der Tod der 22-jährigen kurdischen Iranerin Jina Mahsa Amini vor vier Jahren in Teheran war der Auslöser. Wir tragen sogar den gleichen Vornamen.“ Amini starb an den Verletzungen, die ihr in Haft durch die Polizei zugefügt wurden.
Die Protagonistin in dem Buch heißt auch Jina. „Zufall?“, fragt Christine Saarholz, Vorsitzende des Fördervereins Leselust und Gesprächspartnerin an diesem Abend. „Jina heißt übersetzt ,die, die Leben gibt’. Natürlich habe ich den Namen bewusst gewählt. Das ganze Buch ist eine Liebeserklärung an die Courage der iranischen Frauen und das Land.“
Iran hat die Form einer Katze
In ihrem Roman schreibt Khayyer über drei Generationen von Frauen im Iran und darüber, wie sie rechtlich und gesellschaftlich unterdrückt werden und so wie Andersdenkende tagtäglich Repressionen ausgesetzt sind und trotzdem für ihre Rechte kämpfen. Zugleich berührt die lebhafte und warmherzige Darstellung von Natur, Gastfreundschaft, Lebenslust, Freiheitsliebe und Zusammenhalt. Daher auch der Name des Buches: „Die Silhouette des Iran erinnert an eine sitzende Katze. Außerdem werden starke iranische Frauen auch Katzen genannt.“
Wann sie das letzte Mal im Iran gewesen sei? Bei dieser Frage spüren die Zuschauer die Verletzlichkeit dieser selbstbewussten Person: „Ich war vor über zehn Jahren das letzte Mal im Iran. Ich bin damals in eine Situation geraten, in der ich mir selbst das Versprechen gegeben hatte, niemals in den Iran zurückzukehren, wenn ich lebendig aus dieser Situation herauskomme. An dieses selbst gegebene Versprechen halte ich mich.“
Zur aktuellen Situation im Iran äußert sich Khayyer nur vorsichtig: „Ich bin keine politische Analytikerin. Das Thema ist sehr komplex. Ich sehe nur, dass die Bevölkerung alles Vertrauen verloren hat. Es ist eine Tragödie.“
Woran sie derzeit arbeite, fragt Christine Saarholz zum Abschluss. „Es wird keine Fortsetzung des Buches geben. Aber ein Schriftsteller ist immer am Schreiben. Was daraus wird? Mal sehen …“
Eine Ausstellung von Gedichten und Zeichnungen von Jina Khayyer zeigt der Nassauische Kunstverein in Wiesbaden noch bis Ende Juli.
Jina Khayyer bei ihrer Lesung in der Stadtbibliothek Foto: Best
