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(S)TÜRMisches

Was für ein Sommer! Seit Wochen schönstes Wetter. Vögel, Insekten und sogar Fledermäuse flattern in meinem Garten um die Wette inklusive Abendgesang der Amseln. An meiner Abelie summen fleißig die Bienchen und wunderschön anzusehen ist auch ein Taubenschwänzchen, ein kleiner Falter, der so aussieht wie ein Kolibri. Glücklich und zufrieden war ich auch mit dem Zeitungs-Hinweis, dass in diesem Sommer mehr Jungstörche geboren wurden. Ein Sommer wie im Bilderbuch meiner Kindheit .... Ein deutsches Sommermärchen wie 2006 war leider nicht drin, dazu fehlte in diesem Jahr der Erfolg von Jogis Jungs – schuld war nicht nur (der) Özil! Wir Deutschen haben uns getröstet und konnten uns über spannende Fußballspiele freuen, dramaturgisch aufgepimpt durch neymareske Fallsucht und andere Schwalben, wahnwitzige Frisuren und Tattoos. Frankreich hat den Sieg verdient, aber schade, dass Kroatien verloren hat. Dem kleinen Balkan-Volk hätten wir den Sieg von Herzen gegönnt. Die Verlierer-Prämie von 23,8 Millionen Euro ist vielleicht ein Trost. Die pompösen Showeinlagen im Moskauer Stadion mit viel Plastik und goldenen Helmen, in denen viel gehopst und „Kalinka“ geträllert wurde, mit Ronaldinho als Bongospieler, mag man noch als Geschmacksverirrung durchgehen lassen. Wer aber einen totalen Mangel an Geschmack und Manieren zur Schau stellte, war der russische Präsident und WM-Gastgeber während der Siegerehrung. Bei strömendem Regen wurde ihm als einzigem ein Schirm gereicht. Noch nicht mal der kroatischen Staatspräsidentin neben ihm überließ Putin seinen Schirm. Der französische Staatspräsident Macron und seine kroatische Kollegin Kolinda Grabar-Kitarovic herzten patschnass ihre Spieler und zeigten lachend Größe. Die „Me first“-Geste Putins wird für die Milliarden Zuschauer weltweit unvergesslich bleiben, so sieht ein schlechter Verlierer aus. Der russische Staatspräsident hat der ganzen Welt gezeigt, dass er kein Gentleman ist, sondern seine hochkarätigen Gäste nicht nur symbolisch im Regen stehen ließ. Macron und Grabar-Kitarovic retteten mit ihrer Heiterkeit eine Situation, die einen äußerst peinlichen Nachgeschmack hinterlässt. Schlechten Stil hat auch (wieder mal) Trump bewiesen, der in London die 92-jährige Queen warten ließ – auch er ist kein Gentleman. Die alte Dame zuckte nicht, sie weiß, was Contenance bedeutet. Ebenso wie Angela Merkel, die sich ständige Verbalattacken nicht nur von Trump, sondern aus den eigenen bayrischen Reihen gefallen lassen muss. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass der Sommer schön bleibt und dass der gute Stil siegt. Bundespräsident Steinmeier warnte davor, dass die Grenzen des Sagbaren zu verschwimmen drohten. Die Missachtung und Verächtlichmachung des Partners oder des Gegners führen ganz schnell zu einer Radikalisierung des Handelns. In der virtuellen Welt des Internet ist es schon so weit. Schlechte Manieren und mieser Geschmack, gepaart mit Macht und grenzenlosem Mitteilungsbedürfnis (Twitter gehört abgeschafft!), sind nicht nur abstoßend, sondern führen zu einer Verrohung der Sitten. Dialoge finden nicht mehr statt – man kotzt sich aus!

Das findet jedenfalls

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