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(S)TÜRMisches

„Erbarmen – zu spät – die Hessen kommen“, wer kennt sie nicht, die Hymne der Rodgau Monotones von 1984. So geschehen am Samstagabend: Die hessische Eintracht Frankfurt kam zum DFB-Pokalspiel nach Berlin, sah und siegte – gegen die übermächtigen Bayern, die nach ihrer Niederlage beleidigt hinschmissen und frustriert in die Katakomben des Olympiastadions verschwanden, ohne dem Sieger die Ehre zu erweisen. Alle außer Manuel Neuer, der wohl nicht vergessen hat, was Fairplay bedeutet. Stattdessen warf Bayern-Spieler Sandro Wagner, der schon vorher durch seinen Austritt aus der DFB-Elf unrühmlich auffiel, die Silbermedaille, die ihm der deutsche Bundespräsident Steinmeier persönlich überreicht hatte, in die Fanmeile. Von dort meldete sich ein Anhänger auf Twitter: „Wagner wirft seine Medaille ins Publikum, ich habe sie...ich halte sie in Ehren, was er eben nicht konnte.“ Da zeigte ein Fan mehr Anstand als die jungen Fußballer (fast alle unter 30 und allesamt Spitzenverdiener) auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Das Wichtigste im Leben, was auch Spitzensportler lernen sollten, ist verlieren. Gewinnen kann jeder! So ist es ein Affront, wenn hochbezahlte Fußballer weder dem Gewinner gratulieren, noch die deutsche Nationalhymne mitsingen. Sie stehen da mit versteinerter Miene als müssten sie Schiller oder Goethe rezitieren. Sind halt nur Fußballer? Das klingt gemein, aber die Sportidole sind nun mal Vorbilder für Millionen von jungen Menschen – Stil zählt auch im Sport und ein wenig mehr Respekt gerade für den Gegner würde helfen! Und für ein paar Millionen kann man doch auch mal Haydns wunderschöne Hymne auf die Brüderlichkeit singen. Da heißt es ja auch „brüderlich mit Herz und Hand“ (nicht fußballtechnisch gemeint!). Die Aktion von Nationalspieler Gündogan und Özil, die dem türkischen Präsidenten Erdogan ergebenst ihre signierten T-Shirts überreichten, zeugte ja auch nicht von großem diplomatischem Feingefühl. Sei’s drum. An die Geisteshaltung ihrer Topspieler müssen Löw und andere appellieren. Steinmeier hat es versucht.

Was am Pfingstsonntag zählte, war die pure Siegesfreude aller Fußballfreunde aus Frankfurt und Umgebung. Der Römerberg platzte tags darauf aus allen Nähten. Mit 70.000 Fans, die alle gekommen waren, um ihre Idole zu ehren, hatte wohl keiner gerechnet. Wie herzerfrischend, dass die Demonstration echter Fans so friedlich und fröhlich ablief. Trainer Kovac, der die eine oder andere Träne wegdrückte, und Bürgermeister Feldmann grinsten um die Wette – Ehre wem Ehre gebührt! Der begeisterte Jubel im Herzen Frankfurts, in der neuen Altstadt, in den engen Gassen, bei strahlendem Sonnenschein ließ weder Spieler noch Eintracht-Anhänger kalt. Sehnsüchtig wurde die siegreiche Elf oben auf dem Balkon des Römers erwartet. Schöner und herzlicher konnte man diesen Sieg und Kovacs Abschied nicht feiern. Dunkel wurde es wegen einiger „Stänker“, die mit rauchender und stinkender Pyrotechnik die Sicht auf die Spieler vernebelten – auch ihre eigene! Gott sei Dank entstand keine Panik. Jetzt heißt es erstmal für Frankfurt: Freude, Freude, Freude – und viel Erfolg mit dem neuen Trainer Adi Hütter.

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