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(S)TÜRMisches

Hessen hat gewählt. Von 4,4 Millionen Wahlberechtigten sind 63 Prozent wählen gegangen und haben sich als gute Demokraten bewiesen. Ein Drittel, also 1,4 Millionen Hessen, hat nicht gewählt, sie haben sich einfach rausgehalten. Dabei hat es an dem Tag noch nicht mal geregnet. Die führenden Parteien haben erwartungsgemäß alle was auf den Deckel bekommen, obwohl Bouffier „so viele Lehrer wie noch nie“ zu bieten hat und die SPD ja „Zukunft jetzt machen“ will (da stimmt doch logisch was nicht). Auch die FDP spricht in Rätseln: „Erfolg ist kein Privileg“ (wie bitte?). Sprüche kloppen kann halt nicht jeder! Die Grünen profitierten vom allgemeinen Grant gegen das Establishment mit Wahlplakaten, die Insekten mit Bürgern gleichsetzten: „Die sind auch das Volk“, will sagen, die grüne Partei ist für Artenschutz. Übrigens sind die abgebildeten Honigbienen gar nicht vom Aussterben bedroht, sondern die Wildbienen, denen die Honigbienen das Überleben schwer machen. Aber da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Der Parteitag im Hambacher Forst, eigentlich RWE-Land, aber von Aktivisten besetzt, artete zu einem Volksfest für Vermummte und Kinder aus und sorgte zusätzlich für Bombenstimmung. Die AfD setzte weiterhin auf den Schutz von Frauen und Kindern. Vor wem noch mal? Ist doch klar, vor den Asylmissbrauchern! Ausländer wäre ein zu hartes Wort. Mehr als 10 Prozent haben in Kronberg und Königstein diese Partei gewählt. Dabei kenne ich keinen einzigen AfD-Wähler oder gibt es einfach keiner zu? Auch in Brasilien wurde gewählt und wieder hat der Rechtspopulismus in der Welt gewonnen. Vor allem gebildete und gut situierte Bürger der 145 Millionen Wahlberechtigten (Bevölkerung 210 Millionen) stimmten für den Ex-Militär Jair Bolsonaro mit seinem Schlachtruf „Brasilien über alles“. Die Einfaltsformel „America First“ verhalf ja auch Donald Trump schon zur Durchsetzung seiner nationalistischen Gesinnung. Abgesehen davon, dass der grinsende Hauptmann Bolsonaro keinen Augenblick zögern würde, mit Waffen gegen die Gewalt in den Favelas, wo auch Frauen und Kinder leben, vorzugehen, hat er jetzt verkündet, dass er den Regenwald roden und dort asphaltierte Straßen bauen will. Klar, in diesem Gebiet schlummern kostbare Mineralvorkommen, auf die gerade die ganze Welt scharf ist, weil die Autoindustrie ja vor allem Kupfer und Lithium für die Batterien der Elektro-Autos benötigt. Überhaupt ficht diesen Präsidenten des fünftgrößten Landes der Welt weder Klima- noch Naturschutz an. Die Wirtschaft und die Landwirtschaft, die die halbe Welt mit Fleisch und Soja beliefert, sollen in Zukunft noch freiere Hand haben. Wenn Sie jetzt denken, ach diese Bananenrepublik ist so weit weg von Kronberg, dann machen Sie sich klar, dass Brasiliens Amazonasgebiet, das fast die Hälfte der Fläche Brasiliens ausmacht, nämlich 5 Millionen Quadratkilometer, auch für unser temperiertes Klima hier verantwortlich ist. Ein Kahlschlag wäre eine ökologische Katastrophe. Haiti hat es vorgemacht und bereits 90 Prozent seines Waldes abgeholzt. Die Pflanzen und Tiere, die einst dort beheimatet waren, sind fast alle ausgestorben. Dagegen ist „Hambi“ (zwei Quadratkilometer!) echt „Bambi“! Ein Parteitag im Amazonas wär’ doch mal was! Bleiben wir kritisch und denken auch beim Genuss des superzarten brasilianischen Entrecote, das von einem Rind stammt, das mit Soja gemästet wurde, über den goldenen Tellerrand hinaus.

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