titel.png

Startseite >
(S)TÜRMisches

Dass der sogenannte Tante Emma Laden schon lange flächendeckend und nur mit wenigen, geradezu nostalgisch anmutenden Ausnahmen der Vergangenheit angehört, daran haben wir uns alle längst gewöhnt. Der tägliche oder wöchentliche Einkauf im Supermarkt ist Routine, über die wir uns kaum noch Gedanken machen. Oft ist dieser Gang lästig: das gewünschte Produkt ist nicht da, der Markt wurde, aus dem Kunden unerfindlichen Gründen umgeräumt und man irrt genervt durch die Gänge oder man hat mal wieder den Einkaufszettel zuhause liegengelassen.

All das könnte in nicht allzu ferner Zukunft auch der Vergangenheit angehören. Ja, Sie haben richtig gehört.

Seit Mai bietet der Internet-Gigant Amazon, zunächst in Berlin, seine „fresh-Dienste“ an. Fünf Minuten vor Ankunft des Boten benachrichtigt dieser seinen Kunden per SMS über seine baldige Ankunft. Statt brauner Pappkartons schleppt er grüne Amazon-fresh Tüten ins Haus und fresh ist dann der Inhalt tatsächlich. Die mit Hilfe von Eisbeuteln gekühlte Luft strömt einem beim Öffnen der Tüten entgegen, der Inhalt ist knackfrisch.

Klar, die ewig Gestrigen, wie ich einer bin, können einer solchen Entwicklung nichts Positives abgewinnen, geschweige denn, diese selber nutzen. Lieferservice, auch online, das gibt es ja schon eine ganze Weile, und ist für bestimmte Kunden eine höchst praktische Angelegenheit – sofern man nicht Stunden zuhause verharren muss, weil die Lieferzeit unbekannt ist. Und natürlich wird diese Möglichkeit bereits in kürzester Zeit so selbstverständlich sein wie das Handy, sonst hätte wohl Aldi kaum mit einer für Aldi ungewöhnlich glamourösen Schau kürzlich in China einen reinen Online-Shop eröffnet. Experten rechnen damit, dass die Pläne für Deutschland bereits in der Schublade liegen. Und selbstverständlich hat sich auch Amazon nicht aus Lust und Laune auf diesen Markt gestürzt, sondern rechnet mit einem hohen Wachstumspotenzial. Die vier etablierten deutschen Konzerne schreckten mit Ausnahme von REWE im Wesentlichen aus einem Grund vor größeren Investitionen im Online-Geschäft zurück: Sie haben kaum Interesse daran, sich selbst beziehungsweise einen Teil ihrer stationären Märkte abzuschaffen.

Ein Dilemma, was diese Entwicklung aber langfristig nicht aufhalten wird. Die Verödung der Städte wird voranschreiten, noch mehr Lieferautos werden die Straßen verstopfen und ein Stück zwischenmenschliche Kommunikation und sei es auch „nur“ die mit der netten Verkäuferin an der Käsetheke wird der Vergangenheit angehören – geopfert der Optimierung des Alltags. Ich kenne Leute, die schon jetzt alles – von der Kerze über Glühbirnen, Putzmittel, Werkzeug und was man sonst so braucht im Internet bestellen. Für die bedeutet diese Entwicklung eine Bereicherung ihres Lebens! Noch haben wir eine Weile die Möglichkeit der Entscheidung für oder gegen den Online-Kauf von Lebensmitteln. Menschen, die nie online sind, bleibt dieser Markt verschlossen. Aber bis der letzte Supermarkt seine Pforten schließt, ist diese Generation wahrscheinlich ausgestorben.

X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert