Kronberg (mw) – Schon über 30 Anliegerhaushalte zähle die neugegründete „Interessengemeinschaft Guaitapark“ nach Information ihres Sprechers Prof. Dr. Harald Jossé, die sich mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt hat. Jossé begründet diesen Schritt, „weil die neue Besitzerin der Liegenschaft, die Real Estate GmbH, vergangenen Donnerstag begonnen hätte, „mit schwerem Gerät auf dem Grundstück Rodungsarbeiten vorzunehmen und Bäume zur Fällung zu markieren.“ Bei dem Gelände handelt es sich um die für 4,7 Millionen Euro von der Real Estate bei einer Zwangsversteigerung erworbene sogenannte „Abs-Villa“ in der Königsteiner Straße 22-24. „Die Interessengemeinschaft möchte verhindern und Einfluss nehmen auf eine diskutierte massive Bebauung des Guaita-Parks, sowie erhebliche bauliche Verdichtung der umliegenden Wohnstraßen“, erklärt sie in ihrer Pressemitteilung. Generell wende sie sich „gegen jegliche wesentlichen
Abweichungen vom Bebauungsplan Guaita-Park, um eine nachhaltige Schädigung von Flora und Fauna zu verhindern“. Gerätschaften für Pflegearbeiten sähen anders aus, mutmaßt die Interessengemeinschaft und übt scharfe Kritik an der Real Estate GmbH und der Stadt Kronberg. „Am vergangenen Donnerstag ließ der neue Eigentümer, die Real Estate GmbH, bereits mit schwerem Gerät wie Traktor und Bagger, Rodungsarbeiten auf dem Grundstück vornehmen.“ Die Interessengemeinschaft schreibt sich selbst auf die Fahnen, „durch anwaltschaftlichen Einspruch den „weiteren Einsatz mit schweren Gerät“ zunächst gestoppt zu haben. Sie behauptet: „Offensichtlich will man vor einem Besichtigungstermin mit den Umweltschutzbehörden und dem Denkmalschutz am 15. Dezember Fakten schaffen und missliebige Sträucher und Bäume beseitigen.“
Die Interessengemeinschaft spricht außerdem
von Plänen „für eine massive Bebauung des im gültigen Bebauungsplan als ,Private Grünfläche – Parkanlage‘ ausgewiesenen Geländes“. Deshalb sähen sie sich alarmiert. Die Planskizze um die es sich hier handelt, stammt vom Vorbesitzer der Abs-Villa und sieht eine Vielzahl von neuen Villen rund um das denkmalgeschützte Haupthaus vor. Der Interessengemeinschaft lägen Informationen vor, nach denen ein im Sommer 2013 mit dem Ersten Stadtrat Odszuck und der Leiterin des Referates Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt Kronberg, Dr. Ute Knippenberger besprochen und von diesen grundsätzlich akzeptiert worden seien.
Pflegearbeiten statt Rodungen
Hans-Jürgen Grün, Geschäftsführer der Real Estate GmbH, widerspricht den Ausführungen der Interessengemeinschaft aus Anwohnern der Guaitastraße. „Wir haben überhaupt nicht vor, uns irgendwelchen Visionen des Vorbesitzers anzuschließen“, so Grün. Im Übrigen kenne man die auch gar nicht. „Und wir fällen keine Bäume. Das einzige, was wir zur Zeit machen, sind Pflegearbeiten, und die sind mit der Stadt Kronberg abgestimmt.“ Noch seien sie als Eigentümer nicht ins Grundbuch eingetragen, aber Sorgfaltspflicht für das Gelände hätten sie natürlich schon. Es gehe darum, die völlig zugewachsenen Wege vom Gestrüpp zu befreien, denn das riesige Areal sei im Außenbereich über viele Jahre vernachlässigt worden. So habe ein Baum über dem hausinternen Schwimmbad gelegen und schon Schaden angerichtet. Es ginge auch um Licht und Luft rund um das Haupthaus. „Unser Anliegen wird zunächst einmal sein, das denkmalgeschützte Haupthaus wieder herrschaftlich herzurichten“, sagte er. Ansonsten sei man noch in dem Stadium, gar nicht entschieden zu haben, was man mit dem Gelände wolle. Es sei auch denkbar, dass Michael Perlick, Gesellschafter der Real Estate GmbH selbst dort einziehe, erklärte er. „Auf jeden Fall ist ja nun einmal Fakt, dass es für das Gelände einen rechtsgültigen Bebauungsplan gibt, das mussten alle Beteiligten akzeptieren und auch wir sind nicht blauäugig in die Versteigerung hineingegangen.“
„Haltlose Gerüchte“
Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) empfindet die Pressemitteilung der Interessengemeinschaft als „Angstschürerei“. Es seien alles „haltlose Gerüchte“, die da in die Welt gesetzt würden. Zu Zeiten des Vorbesitzers als auch heute seien Pflegemaßnahmen der Stadt Kronberg von der dafür zuständigen seriösen Firma auf dem parkähnlichen Gelände angekündigt worden. Es gäbe auch nach Inaugenscheinnahme des Geländes keine Hinweise auf rechtswidriges Verhalten.
Das Gespräch über die baulichen Ideen des Vorbesitzers habe in der Tat im Sommer 2013 auf eben seinen Wunsch stattgefunden. „Wir haben seine planerischen Vorstellungen zur Kenntnis genommen und ihm gesagt, dass seine Planungen unserer Einschätzung nach keine Chance auf Erfolg hätten.“
Im Zuge einer gesunden Stadtentwicklung wirbt der Erste Stadtrat jedoch in Zukunft um eine „ergebnisoffene Diskussion“ für alle Flächen, die zur Verfügung stehen, Schlosspark und Victoria-Park ausgenommen. Der anstehende Prozess der Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzept suche gerade den ergebnisoffenen Dialog mit dem Bürger, so Odszuck. Es ginge darum, alle möglichen Innenstadtentwicklungspotenziale zu untersuchen. Mit Blick auf die prognostizierten Statistiken über massive Rückgänge der Einwohnerzahlen müsse jedenfalls auch Kronberg mehr tun, um in Zukunft seine Einwohnerzahlen möglichst konstant zu halten. Sonst laufe die Stadt Gefahr, eines Tages in der Misere zu stecken, die Infrastruktur der Stadt über weniger Personen aufrecht erhalten zu müssen.
Jürgen Odszuck teilt mit, dass sich die Real Estate nun noch vor Weihnachten zu einem ersten Gespräch mit der Stadt angekündigt habe.