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Park ter Mer: Nachpflanzungssoll „mehr als erfüllt“

Der verstärkte pflanzliche Sichtschutz vor den im Hintergrund zu sehenden Häusern.

Fotos: S. Puck

Kronberg (pu) – Seit der Ersteigerung des 42.000 Quadratmeter großen Areals der sogenannten ehemaligen Villa Abs in der Königsteiner Straße durch die Real Estate GmbH im Oktober 2014 werden die das Grundstück betreffenden Handlungen der Besitzerfamilie Perlick nicht nur mit Argusaugen beobachtet, zusätzlich halten sich hartnäckig wiederholte Vorwürfe unrechtmäßiger Grünpflegemaßnahmen, leichtfertiger Fällgenehmigungen durch die Stadt und drohender Bauvorhaben.

Transparenz

Von Anfang an bemühten sich die neuen Eigentümer um größtmögliche Transparenz, öffneten das Eingangstor zum Ortstermin des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt im Mai 2015, der Gelegenheit bot sowohl für einen ausführlichen Blick auf das Privatgelände als auch die Klärung unter den Nägeln brennender Fragen. Notwendige Maßnahmen werden stets öffentlich gemacht, erst in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung berichtete Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) über die Genehmigung der unumgänglichen Fällung von 21 Bäumen, für die 22 Ersatzpflanzungen innerhalb des Grundstückes vorgenommen werden müssen, weil im nordwestlichen Bereich des Areals massive Gefahr für Gas-, Strom- und Wasserleitungen drohte (wir berichteten). Für Anfragen der Presse zwecks Berichtstattung hat man ein offenes Ohr, dennoch ist die Anwesenheit der Presse bei einem anstehenden Abnahmetermin – ein reiner Verwaltungsvorgang – alles andere als üblich.

„Uns war es wichtig transparent zu machen, dass es sich hier mitnichten um wilde Abholzungen handelt, sondern um die Umsetzung eines Konzeptes, dass die Wiederherstellung des Parkcharakters zum Ziel hat“, begründete Bürgermeister Klaus Temmen die durch die Stadt erfolgte Einladung. Mit Darlegung und Einblick in die tatsächliche Situation wolle man ferner den Vorwürfen entgegentreten, die Stadt erteile leichtfertig Fällgenehmigungen.

Der für die Abnahme zuständige Sachbearbeiter, Grünflächenexperte Bertram Schäfer, Garteningenieur und stellvertretender Leiter des Umweltreferats, konnte beim Spaziergang durch den Park ter Mer, dem seines Wissens nach größten privaten Parks in der Burgstadt, peu à peu die Liste mit den geforderten Nachpflanzungen abhaken.

Innerhalb der letzten zwei Jahre wurden nach Information des Grundstücksverwalters Wolfgang Denhardt, der das Areal seit 1984 betreut und es folglich wie seine Westentasche kennt, 58 Bäume gefällt und vier weitere drastisch eingekürzt, um sie als Habitatbäume für Vögel zu erhalten. Nach den Worten Schäfers waren gemäß der Baumschutzsatzung aktuell 84 Ersatzpflanzungen gefordert, mit bisher 69 nachgesetzten Bäumen und 261 Sträuchern sei das Soll schon „mehr als erfüllt“.

Temmen, Schäfer und die ebenfalls anwesende Leiterin des Referates Stadtentwicklung und Umwelt Dr. Ute Knippenberger lobten im Zuge der Begehung die „ausgesprochen offene und konstruktiv verlaufene“ Zusammenarbeit mit den Eigentümern. So wurde beispielsweise bekannt, dass Lehnert einen digitalisierten Landschaftsplan des Geländes erstellt hat, den er sämtlichen beteiligten Behörden und somit auch der Stadt zur Verfügung gestellt hat.

Nachdem sich nach Aussage von Michael Perlicks Tochter Catalina, dem Gesellschafters der Real Estate GmbH, Hans-Jürgen Grün und Denhardt die Pflegearbeiten im Park in den letzten 20 Jahren vor dem Besitzerwechsel lediglich im marginalen Rahmen bewegten, sind bei der sensiblen Wiederherstellung der Strukturen Eigentümer, Stadt, Untere Naturschutz- und Denkmalbehörde beteiligt. Sowohl der Park als auch die ehemalige Villa Abs sind denkmalgeschützt.

Und Schritt für Schritt geht es unübersehbar voran. Auf der großen Wiese, die zum Schutz der Fledermäuse lediglich extensiv zwei Mal im Jahr gemäht wird, sind Buschwindröschen und Schlüsselblumen zurückgekehrt, Sichtschutzstreifen wachsen, während hingegen Feldholzinseln reduziert werden. Handlungsbedarf besteht darüber hinaus im unteren Teil des Geländes, weil den dort stehenden Kiefern und Kirschen durch den angestiegenen Grundwasserspiegel die erforderlichen Lebensbedingungen fehlen. An deren Stelle sollen unter anderem die von Zitronenfalter geliebten Faulbäume und Bienenweiden rücken.

Mit Hochdruck wird aktuell des Weiteren an der Villa gearbeitet, da Catalina Perlick dort im Juni ihre Hochzeit zu feiern beabsichtigt. Zurzeit wird die im Laufe der Zeit abgesenkte Terrasse durch Neuverlegung der indischen Steine wieder in Form gebracht, die Fensterrahmen aufwändig restauriert und die Pergola instandgesetzt, bevor in drei Wochen die Fassade neu angelegt werden soll, damit das Haus in schönstem Glanz erstrahlt.

Im Zuge der Begehung gingen die Ansprechpartner auch kurz auf die nach wie vor von Kritikern befürchteten und bereits prognostizierten Baupläne ein und versicherten einmal mehr, die derzeitigen Gerüchte entbehrten jeder Grundlage. Wie Dr. Knippenberger in Erinnerung rief, könnte man sich seitens der Stadt, und deshalb hatten sich auch die Arbeitsgruppen zur Erstellung des Stadtentwicklungskonzepts mit dem Thema befasst, lediglich eine Arrondierung der Bebauung an der Königsteiner Straße vorstellen.

Auch der damalige Baudezernent Odszuck hatte wiederholt auf den Anfang der 1990er- Jahre gültigen Bebauungsplan darauf verwiesen, dass aktuell lediglich am Rande des Parks kleinere Baufenster existieren. Bei etwaigen Bauwünschen, die über das Festgelegte hinausgehen, müsste demzufolge der Bebauungsplan geändert werden, bekanntlich ein langwieriges Prozedere.

So richtete Baudezernent Odszuck auf einem großen Ausdruck des seit Anfang der 1990er Jahre gültigen Bebauungsplans die Aufmerksamkeit darauf, dass aktuell lediglich am Rande des Parks kleinere Baufenster existieren. Eine von vielen befürchtete und bereits progostizierte großflächige Bebauung sei unter diesen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht machbar. Sowohl der Park als auch die ehemalige Villa Abs außerdem denkmalgeschützt.

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