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Jeder Quadratmeter Naturgrün zählt im Kampf gegen Artenschwund

Das von Stadt und Bürgern gemeinsam umgesetzte Bürgerprojekt „Naturnaher Spielraum am Amselweg“ ein Jahr nach dessen Einweihung Fotos: S. Puck

Kronberg (pu) – Jüngst fand in der Burgstadt unter der gemeinsamen Federführung der Stadt Kronberg und des Vereins Naturgarten ein in Form eines Tagesseminars durchgeführter Regionaltag statt, in dessen Verlauf rund um das naturnahe öffentliche Grün – das heißt die Gestaltung von Straßenbegleitgrün, Spielflächen und Plätzen mit echten, heimischen Wildpflanzen – informiert und diskutiert wurde.

Der Veranstaltungsort Kronberg für diese bundesweite Aktion bot sich geradezu an, immerhin unternimmt der Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt schon seit acht Jahren konsequent Schritte in die naturnahe Grüngestaltung. So startete das Umweltreferat 2009 mit Bürger-Unterstützung mit der Anlage des Naturgartens bei den Stadtwerken in der Westerbachstraße. Dort, wo früher lediglich eine monotone Rasenfläche existierte, summt und brummt es von früh bis spät, weil Bienen, Hummeln und andere Insekten die Blütenpracht von einheimischen Pflanzen wie Essigrosen, Ackerglockenblumen, Wiesensalbei und Bocksbart vorfinden. Mittlerweile gibt es auf 300 Quadratmetern über 100 verschiedene Pflanzenarten in unterschiedlichen Beeten.

Naturnaher Spielraum

Getragen von der Motivation durch diesen verheißungsvollen Auftakt reifte der Gedanke, das Konzept der naturnahen öffentlichen Begrünung auf das gesamte Neubaugebiet „Am Henker II“ auszuweiten. Vor zwei Jahren erfolgte gemeinsam mit den Neubewohnern des Baugebietes die Planung des naturnahen Spielraums Amselweg, im letzten Sommer dann deren gemeinsame Umsetzung (wir berichteten). Als Glücksfall erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit der Diplom- Ingenieurin Dorothee Dernbach, einer ausgewiesenen Expertin für sensiblen ökologischen Umgang mit Natur-Erlebnis-Räumen, auf deren Erfahrungen das Projekt-Team bauen konnte und die von Anfang an keinen Zweifel daran ließ, den natürlichen Entdeckungstrieb und Abenteuerlust der Kinder fördern zu wollen. Das Ganze basierte auf der Philosophie von Alexander Mitscherlich (1963): „Der junge Mensch braucht seinesgleichen, nämlich Tiere, überhaupt Elementares, Wasser, Dreck, Matsch, Gebüsche, Spielraum. Man kann ihn auch ohne das alles aufwachsen lassen, mit Teppichen, Stofftieren oder auf asphaltierten Straßen und Höfen. Er überlebt es, doch soll man sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt, zum Beispiel ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort und einer Initiative“.

Nach den positiven Erfahrungen mit dem städtischen Projekt mit Bürgerbeteiligung „Spielraum Victoriapark“ ein weiteres von Erfolg gekröntes Sonder-Projekt mit Einbindung der Familien, die später das Gelände auch nutzen. Nun, ein Jahr nach der Einweihung, blüht es unübersehbar üppig und kunterbunt auf diesen Flächen.

Ebenfalls noch im letzten Jahr wurde damit begonnen, das Wohnumfeld im neuen Baugebiet auf den öffentlichen Flächen attraktiv und lebendig zu begrünen, durch Bepflanzung aller Baumscheiben unter den Bäumen mit Wildblumen und Zwiebeln sowie eingesäte Wildblumenwiesen. Die Beete auf dem Goldammerplatz bestückte man mit einer langblühenden Wildblumenpflanzung und Wildsträuchern, rundete durch Ansaaten ab. Ein großes Beet im Amselweg bepflanzte man mit einer einheimischen Staudenmischpflanzung.

Beispielhaft

Die 50 Regionaltag-Teilnehmer nutzten nach einem themenbezogenen Vortrags-Vormittag die Gelegenheit, sich sowohl die Beine zu vertreten, als auch die Kronberger Beispiele persönlich in Augenschein zu nehmen, um sich selbst ein Bild zu machen, wie sich heimische Blumenwiesen und Wildblumensäume als Alternative zu einjährigen, nichtheimischen Blühmischungen planen, anlegen und pflegen lassen. Während der Besichtigung konnten sie sogar einen Schwalbenschwanz und einen Distelfink im Spielraum Amselweg beobachten. Im Bereich des Naturgartens identifizierte Referent Martin Klatt (Artenschutzreferent beim NABU-Baden-Württemberg) innerhalb von 15 Minuten nicht weniger als 15 verschiedene Wildbienenarten.

Sowohl die am Regionaltag teilnehmenden Experten als auch der städtische Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt stehen für die Initiative, das Thema, dass naturnahe bepflanzte Flächen aktiver Naturschutz sind, weil dort Lebensräume für viele Tiere geschaffen werden, die in ausgeräumten Agrarlandschaften oder in mit Exoten bepflanzten Anlagen heimatlos geworden sind, voranzubringen und zunehmend ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Einheimische Pflanzen sind robust und an das hiesige Klima bestens angepasst. Sie brauchen, richtig ausgewählt, kaum Pflege und keinen Winterschutz. In Zeiten der UN-Dekade zur Erhaltung der Biodiversität sind das wichtige und wegweisende Schritte in eine nachhaltige und lebendige Zukunft.

„Es wäre wünschenswert und ein wertvoller Umweltbeitrag“, so Yvonne Richter, die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, „wenn diese Trendwende im öffentlichen Grün auch von privaten Gartenbesitzern übernommen würde“.

„Mittlerweile weiß man, jeder Quadratmeter Naturgrün zählt, weil der Artenschwund dermaßen rasant voranschreitet!“

Anhand der bisher umgesetzten Beispiele mit heimischen Wildpflanzen sei eindeutig belegbar, nachhaltig, ökologisch sinnvoll und pflegeleicht sei nicht nur eine kostengünstige Variante, vielmehr zählten heimische Blumenwiesen und Wildblumensäume zum wertvollsten Gut, weil viele tausend Tierarten davon leben.

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