Bahnhofsumfeld: Neu- und Umgestaltung kann starten

Kronberg (pu) – Nach jahrelanger Phase der Planung, Beratung, Abwägung, Nachjustierung und vorbereitender Beschlüsse hat eine 23-köpfige Parlamentsmehrheit bei vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen am letzten Donnerstag das finale „Go“ zur Schaffung einer barrierefreien „Mobilitäts-Drehscheibe“ als elementaren Teil einer bereits 2018 angestoßenen umfangreichen Um- und Neugestaltung des gesamten Bahnhofareals gegeben. Im Detail handelt es sich um die Vergabe der Teillose 1 (Baugrubenverbau – Herstellung der Öffnung im Hang für die künftige Bike- und Ride-Anlage), Los 2 (Straßenbau), Los 3 (Sichtbeton, Abdichtung und Begrünung Bike- und Ride-Anlage), Los 4 (deren Ausstattung und Mobiliar) und Los 6 (Landschaftsbau – Neupflanzung von Bäumen und Grün). Ursprünglich hätte auch das Los 5 (Stark- und Schwachstrominstallation) mit vergeben werden sollen. Dieses musste nach Aussage von Bürgermeister Christoph König (SPD) jedoch mangels wirtschaftlichem Angebot aufgehoben werden. Hierfür wurde im Nachgang ein Verhandlungsverfahren mit vorangeschaltetem Teilnahmewettbewerb über die EU-Plattform angestoßen. Daher ist eine Vergabeentscheidung erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich, die mit der Beschlussvorlage (Punkt 6) auf den Magistrat übertragen wurde.

Vorhaben

Auf der Basis des Rahmenplans „Bahnhof Kronberg“ wurde das Areal in insgesamt sechs Baufelder unterteilt. Der zur Neugestaltung anstehende Busbahnhof und die geplante Bike- und Ride-Anlage bilden das sogenannte Baufeld III samt umgebender öffentlicher Frei- und Verkehrsflächen. Das Neugestaltungsvorhaben zielt auf eine zeitgemäße wie qualitätvolle Nahverkehrsplattform für Bahn, Bus und Rad mit einer den funktionalen Anforderungen entsprechenden Anzahl an Bushaltestellen, verbesserten Umsteigebeziehungen zwischen Bahn und Bussen, Unterbringungsmöglichkeiten für Fahrräder mit Lademöglichkeiten für Elektroräder sowie die Einrichtung einer angemessenen Anzahl an Kfz-Stellplätzen.

Neben den nutzungsstrukturellen Maßgaben werden darüber hinaus besondere Anforderungen an die Gestaltung gestellt, um insgesamt eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erreichen und um eine repräsentative Funktion für Ankommende in Kronberg zu übernehmen. Der thematische Schwerpunkt der Freiraumgestaltung, das Grün in die Stadt zu holen, leistet hierbei auch einen besonderen Beitrag zur nachhaltigen und klimaangepassten Entwicklung des Bahnhofsquartiers.

Der zur Absicherung des Hangs ohnehin erforderliche Neubau einer Stützwand gegenüber dem Bahnhof soll genutzt werden, um dort die neue Bike- und Ride-Anlage mit 100 Plätzen zu implementieren. Die Befürworter loben das aufgegriffene Leitmotiv des Grüns im Quartier durch die Schaffung von Identität, die Stärkung der Grünstrukturen und die in der Topografie begründete Formensprache und Wichtigkeit der fünften Fassade (Dachlandschaft). Das Konzept zeichne sich durch den besonderen Umgang mit dem Ort, sowohl in gesamtstädtischer Hinsicht als auch in Bezug auf das Bahnhofsquartier, aus. Der geschwungene Verlauf der Fassade und des Gründaches folgten wie selbstverständlich dem Verlauf der Stützmauer in „einem Guss“. Der Entwurf punkte außerdem durch eine vorgelagerte Fassade aus Lochblech, in der sich Kronberger Motive (beispielsweise städtisches Logo/Wappen, Burg etc.) wiederfinden könnten, die den Blick in die technische Ausrüstung der B+R-Anlage kaschiert. Die Zugänglichkeit sei durch einen zentralen Eingang gewährleistet. Hervorzuheben seien weiterhin das geschwungene Gründach, das parallel auch einen entsprechenden Wetterschutz im Bereich der Bushaltestelle bietet, und die sich aus der Gesamtanlage erwachsende und sehr gut integrierte Treppe zwischen ‚oberer‘ und ‚unterer‘ Bahnhofstraße.

Andere sind in Vorleistung gegangen

Von den verbleibenden Baufeldern sind drei bereits entwickelt. Das gilt für die Sanierung des Lokschuppens (Baufeld I), den Bau des Hotels sowie des Kammermusiksaals und des Studien- und Verwaltungszentrums der Kronberg Academy (Baufeld II) und die Wohnbebauung im Bereich der „Schillergärten“ (Baufeld VI). Die Revitalisierung des ehemaligen Empfangsgebäudes (Baufeld IV) des Kronberger Bahnhofs wird derzeit von einem privaten Investor vorangetrieben.

Dies vor Augen war von mehreren Seiten wiederholt angemahnt worden, die Stadt „hinke“ mit ihrem Anteil an der Areal-Neugestaltung extrem hinterher.

Positionen der Parteien

Dieser Tatsache ist sich der Großteil der Stadtverordneten bewusst. Das spiegelte sich auch in den Wortbeiträgen wider. So mahnte der CDU-Stadtverordnete Max-Werner Kahl, „der gegenwärtige Zustand von Kronbergs Knotenpunkt blockiert unsere Ziele!“ Im Übrigen dränge die Zeit infolge steigender Baukosten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Haas sprach von einem „historischen Datum“, weil die Stadt Kronberg für ein „herausragendes städtebauliches Projekt 8,5 Millionen Euro Förderung erhält.“ Damit bezog er sich auf die Übergabe eines Förderbescheids des Landes Hessen in Höhe von 7.463.200 Euro Mitte August durch Ines Fröhlich, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (wir berichteten).

Für die Umsetzung der Bike- und Ride-Anlage hatte der Bund bereits Ende 2024 eine Übernahme der förderfähigen Kosten in Höhe von bis zu 1.002.700 Euro zugesagt. Daraus resultierend sind Land und Bund bereit, den Löwenanteil des mit 13 Millionen Euro geplanten Infrastruktur-Projekts zu übernehmen. Für die Parlamentsmehrheit ein deutliches Signal dafür, dass die Verantwortlichen der Stadt Kronberg mit den Plänen für die „Mobilitäts-Drehscheibe“ am heimischen Bahnhof auf dem richtigen Gleis sind.

In Bezug auf die Kosten hob der SPDler Wolfgang Haas in seinem Redebeitrag heraus, fraglos habe das Projekt seinen Preis, „aber wir schaffen nachhaltige Werte!“ Bedauerlicherweise sei im Bahnhofsareal, „dieser Schmuddelecke“, in seinen über 40 Jahren als Kommunalpolitiker nie etwas gemacht worden. „Es ist allerhöchste Zeit, die Stadt ist jetzt am Zug!“ Warmherzige Worte des Dankes richtete er an die Adresse des Ersten Stadtrats Heiko Wolf (parteilos), der gemeinsam mit seinem Baudezernats-Team in den vergangenen Monaten viel Zeit, Arbeit und vor allem Herzblut in das Projekt investiert hat. Ins gleiche Horn stieß die Fraktionsvorsitzende des Ortsvereins von Bündnis90/Die Grünen, Mechthild Schwetje; „Bikegarage und Busbahnhof sind entscheidende Bausteine für eine zukunftsfähige Mobilität, die es den Menschen in Kronberg ermöglicht, verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu kombinieren und so komfortabel, auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten und mit möglichst geringem Co2-Fußabdruck ans Ziel zu kommen – die Kombination von Bike, Bus und Bahn ist hier unschlagbar.“ Gerade die Bikegarage sei zudem in der geplanten Form ein „wunderbares städtebauliches Element, das es schafft, den Bahnhof und seine Umgebung räumlich großzügig einzubinden und so aus einer städtebaulich wirklich schwierigen Situation einen attraktiven Raum, ein Entree für unsere Stadt, zu machen.“ In puncto Projektfinanzierung rechnete sie vor: „Wir bekommen 8,5 Millionen Fördergelder. Bleibt ein Eigenanteil von circa 4 Millionen. Bereits 2,7 Millionen müssten wir aber ohnehin, auch wenn wir keine Bikegarage bauen, für die Stützmauer ausgeben. Das heißt schlussendlich: Für eine Summe von circa 1,5 Millionen schaffen wir ein Investment von 13 Millionen Euro.“

Zum Schluss richtete sie das Wort an die Projektgegner, die gebetsmühlenartig argumentieren, ein Verlust der Bäume sei nicht hinnehmbar. Dazu die Grünenpolitikerin: „Ein von der Stadt eingeholtes Gutachten belegt, die Wurzeln der Bäume im Hang sind der Grund für die Instabilität der Stützmauer, das heißt, diese Bäume werden Sie, egal ob mit oder ohne Bike-Garage, nicht erhalten können, dieses Argument trägt nicht!“ Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende des FDP-Ortsverbands, Kristina Fröhlich. Dagegen stellte die Fraktion der Wählergemeinschaft „Kronberg für die Bürger“ (KfB) einen Änderungsantrag, der auf die Streichung der Fahrrad-Garage zielte, damit jedoch scheiterte.

Nächste Schritte

Erster Stadtrat Heiko Wolf (parteilos) zeigte sich unter dem Eindruck der positiven Entscheidung voller Freude und erleichtert. „Mir ist gefühlt ein ganzer Lastwagen an Steinen vom Herzen gefallen!“ Als weitere gute Nachricht konnte er verkünden, dass die Stadt Geld sparen werde, weil das gleiche Bauunternehmen, das aktuell am Waldschwimmbad (Bauarbeiten Photovoltaik-Anlage) tätig sei, demnächst auch am Bahnhof aktiv werde. Des Weiteren stünden in Sachen Bahnhofs-umfeldneu- und -umgestaltung im kommenden Monat folgende Termine auf der Agenda: 14. Oktober Anliegerinformationsveranstaltung, 20. Oktober Start von Bauarbeiten und 31. Oktober offizieller Spatenstich. Dieser Start des zukunftssichernden Infrastrukturprojekts könnte passender nicht sein, denn am Samstag, 1. November, feiert der Beginn des Bahnhofsbetriebs Kronberger Eisenbahn 151. Geburtstag.



X