Unterkünfte für Geigenstudenten gesucht

Ein besonderes Konzert als Dankeschön gab der Cellist Benedict Kloeckner am letzten Aprilsonntag für Gastfamilien unter dem Dach der Receptur.

Foto: A. Malkmus/Kronberg Academy

Kronberg (pf) – Andrea Poerschke freut sich auf die Geigen Meisterkurse & Konzerte der Kronberg Academy, die vom 16. bis 23. Juni wieder 160 junge Geigerinnen und Geiger aus aller Herren Länder, dieses Jahr aus 39 Nationen, nach Kronberg bringen werden. Nicht nur wegen der musikalischen Höhepunkte, die während dieser Tage geboten werden, sondern insbesondere auch wegen des jungen Geigers oder der jungen Geigerin, die dann bei ihr wohnen wird. Wer es sein wird, weiß sie noch nicht.

Bereits zum dritten Mal stellt sich die Oberhöchstädterin als Gastgeberin zur Verfügung und wird in einem der ehemaligen Kinderzimmer ihrer beiden inzwischen in anderen Städten studierenden erwachsenen Söhne einen jungen Musikgast beherbergen. „Das ist eine Bereicherung und macht Spaß“, meint sie. „Die jungen Musiker sind so sensibel und voller Empathie“, so ihre Erfahrungen. „Und Kronberg wird dann acht Tage lang wieder quirlig und lebendig sein, das tut der Stadt gut.“

Zweimal waren es junge Cellisten, die bei ihr wohnten. Der erste war sehr scheu, erzählt sie. Der zweite, ein 17-jähriger Student aus Weißrussland namens Mikhail, genannt Misha, kam mit einer Tasche voller Gastgeschenke bei ihr an. Morgens machte er sich selbst das Frühstück und räumte anschließend ordentlich die Küche wieder auf, ehe er mit seinem Cello auf dem Rücken mit dem Stadtbus hinüber nach Kronberg fuhr. „Er ist gerne mit unserem Hund spazieren gegangen und einmal hat er uns sogar einen Kuchen gebacken“, berichtet sie lächelnd. Ein ganz besonderes Erlebnis aber war, als Misha der ganzen Familie Poerschke, die auf dem Sofa im Wohnzimmer Platz nehmen musste, mit einer von Johann Sebastian Bachs Suiten für Violoncello solo ein richtiges Konzert gab.

„Es ist erstaunlich, was diese jungen Musiker bereits für eine soziale Kompetenz haben. Ganz selbstständig reisen sie in die USA, nach Tokio und Paris, das ist wirklich beeindruckend“, findet sie. „Und man erfährt viel Dankbarkeit“. Denn im vergangenen Jahr zu Weihnachten bekam sie von Mishas Mutter Irina eine Mail mit dem Wortlaut: „Thank you very much! Misha often remembers your home. Merry Christmas!“ Christina von Tippelskirch, die im Team der Kronberg Academy für die Gastfamilien und die Unterbringung der Studentinnen und Studenten zuständig ist, sucht für die Zeit der Geigen Meisterkurse & Konzerte Mitte Juni noch weitere weltoffene und gastfreundliche Kronbergerinnen und Kronberger. Noch längst nicht hat sie für alle der ambitionierten jungen Musikstudenten ein Bett gefunden, wo sie nach lehrreichen Unterrichtsstunden und anregenden abendlichen Konzerten ihr müdes Haupt hinlegen können.

Andrea Poerschke kann allen Familien, deren Kinder das Haus zum Studium verlassen haben, nur wärmstens empfehlen, in den jetzt monatelang leerstehenden Kinderzimmern für acht Tage einen Gast bei sich aufzunehmen. Viele Gastfamilien haben wie sie sehr positive Erfahrungen gemacht. Aus manchen Gästen sind persönliche Freunde geworden und es sind Beziehungen entstanden, die oft schon viele Jahre bestehen. „Und man übernimmt keine Verantwortung für die Jugendlichen: Sie und ihre Eltern unterschreiben eine entsprechende Erklärung“, erläutert sie. Gastfamilien dürfen zudem alle Meisterkurse kostenlos besuchen. Manchmal, wie kürzlich beim Kammermusikworkshop „Mit Musik – Miteinander“, gibt es für sie als Dankschön sogar ein besonderes Konzert.

Und was die Gastfreundschaft betrifft, so ist sie eine der ältesten Tugenden der Menschheit. In allen Religionen und Kulturen galt der Gast als heilig und ein Vergehen gegen die Gastfreundschaft zog göttliche Rache nach sich. Schon Platon hatte in seinen „Gesetzen“, den „Nomoi“, um die Mitte des vierten Jahrhunderts vor Christus das Gastrecht als höchste ethische Pflicht verankert. Und in dem Brief an die Hebräer im Neuen Testament der Bibel steht geschrieben: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“

Wer sich jetzt angesprochen fühlt und sich in die Schar der Gastgeber einreihen möchte: Christina von Tippelskirch und das Team der Kronberg Academy freuen sich über jeden Anruf unter der Telefonnummer 06173-78 33 78.

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