Sicher zur Schule – aber wie?

Schönberg (kb) – An der Altkönigschule warten Eltern, Kinder und Schule seit Jahren auf eine verbesserte Verkehrslage. Grüne und ADFC wollen jetzt Tempo machen – und fordern von der Stadt verbindliche Lösungen.

Seit gut drei Wochen gehen in Kronberg die Kinder wieder zur Schule. Erstklässler mit riesigem Ranzen laufen die Zeilstraße hinunter Richtung Grundschule, Oberstufenschüler eilen zur Altkönigschule,und wiederholen kurz vor dem Unterricht noch schnell komplizierte Formeln. Ein buntes Treiben, das Eltern eigentlich ein gutes Gefühl geben sollte, wenn sie ihre Kinder morgens verabschieden. Wäre da nicht die Verkehrslage rund um die AKS am Schönberger Ortsrand.

Seit Jahren ist die angespannte Situation an Kronbergs größtem Schulstandort ein Thema – ohne dass sich Grundlegendes geändert hätte. „Wir müssen das endlich angehen“, sagt Mechthild Schwetje, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Es liegen viele gute Ideen auf dem Tisch. Was fehlt, ist die Umsetzung.“ Gemeinsam mit der ADFC-Ortsgruppe Kronberg unternehmen die Grünen deshalb einen neuen Anlauf und haben eine Anfrage an den Magistrat gerichtet.

Jeden Morgen strömen rund 1.700 Schüler zur AKS. Für etwa 45 Minuten verwandelt sich die sonst beschauliche Le-Lavandou-Straße in einen urbanen Knotenpunkt: Linienbusse, Elterntaxis, Kinder zu Fuß, auf Rollern und Fahrrädern treffen auf engem Raum aufeinander. Verschärft wird die Lage derzeit durch die seit Monaten gesperrte Zeilstraße, die den Verkehrsdruck zusätzlich erhöht.

„Niemand, der seine Kinder morgens zur AKS bringt oder mit ihnen dorthin radelt, hat dabei ein gutes Gefühl“, sagt Claudia Kipka, Sprecherin der ADFC-Ortsgruppe Kronberg. „Wir wollen nicht warten, bis es zu einem Unfall kommt.“ Besonders kritisch sei die Mischung der Verkehrsformen – Fuß-, Rad-, Bus- und Autoverkehr – im engen Zeitfenster zu Schulbeginn und zum Schulende.

Dabei muss das Rad nicht neu erfunden werden. An der AKS wurde über mehrere Monate ein Schulmobilitätskonzept erarbeitet und im Mai dieses Jahres in Auszügen im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt, ASU, vorgestellt. Es identifiziert geeignete Maßnahmen, um die Wege zur Schule sicherer zu machen – doch offen bleibt, welche davon in die Zuständigkeit der Stadt fallen und bis wann sie umgesetzt werden.

Ein möglicher Baustein ist eine sogenannte Schulstraße: Darunter versteht man die zeitweise Sperrung der Straße direkt vor der Schule für den Autoverkehr – jeweils für rund eine Stunde zu Schulbeginn und eine halbe Stunde zu Schulende, während Kinder zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Rad weiterhin freie Bahn haben. Das hessische Verkehrsministerium hat dazu im April eine eigene Handreichung veröffentlicht, die Kommunen den Weg ebnen soll. Der Anlass ist ernst: Laut Ministerium stieg die Zahl der Schulwegunfälle in Hessen 2025 um rund zehn Prozent. ADFC und Grüne möchten nun vom Magistrat wissen, ob eine solche Schulstraße auch in Schönberg eine Verbesserung bewirken könnte.

Bereits im April 2023 beschloss die Stadtverordnetenversammlung zudem mit breiter Mehrheit einen Verkehrsversuch für eine Pop-up-Fahrradstraße im Bereich der AKS. Grüne und ADFC fragen nun nach: Welche Straßen wurden geprüft? Was wurde mit Polizei und Straßenverkehrsbehörde abgestimmt? Und warum wurde der Versuch bis heute nicht eingerichtet? Die Grünen hätten zuletzt mehrfach Anträge in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, die an der konservativen Mehrheit von CDU, KfB und FDP scheiterten – etwa zum fahrradfreundlichen Umbau der Hainstraße oder zur Umsetzung der StVO-Novelle in Kronberg. Mechthild Schwetje sagt: „Wir rufen die anderen Fraktionen auf, ihre Position zu überdenken und gemeinsam mit Verwaltung und interessierten Bürgerinnen und Bürgern unsere Stadt sicherer für Radfahrerinnen und Radfahrer zu machen.“

Manche Stimmen in Kronberg argumentieren, es liege in der Verantwortung der Eltern, das Problem zu lösen. Schließlich entsteht der morgendliche Verkehr in Schönberg nicht durch Pendler oder Berufsverkehr, sondern vor allem durch den Hol- und Bringdienst der Eltern selbst. Das stimmt – und trifft doch nicht den Kern. „Appelle an Einzelne helfen wenig, solange die Infrastruktur nicht stimmt“, sagt Schwetje. „Was wir brauchen, ist eine verlässliche Lösung und klare Kommunikation – nur so entsteht Vertrauen.“ Und dieses Vertrauen wirke sich unmittelbar auf die Verkehrslage aus, sagt Claudia Kipka: „Wenn Eltern das Gefühl haben, ihre Kinder kommen sicher zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule, dann sind am Ende auch weniger Autos unterwegs.“

Die Anfrage ist für die Grünen erst der Anfang: Sie soll die Fakten auf den Tisch bringen, die es braucht, um anschließend gemeinsam mit der Schule, der ADFC-Ortsgruppe und interessierten Fraktionen die Situation an der AKS zu verbessern – damit Kinder sich auf dem Schulweg auf ihre Freunde freuen und Vokabeln wiederholen können, statt auf die Gefahren des Verkehrs achten zu müssen.



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