Kelkheim (kez/Sc) – Am 19. März wurde im Rahmen einer Pressekonferenz die polizeiliche Kriminalstatistik für das Polizeipräsidium Westhessen und die Polizeidirektionen Hochtaunus, Limburg-Weilburg, Main-Taunus, Wiesbaden sowie Rheingau-Taunus vorgestellt.
Neben Polizeipräsidenten Björn Gutzeit erörterten auch die Leiterin der Abteilung Einsatz, Abteilungsdirektorin Stefanie König, sowie der Leiter der Kriminaldirektion, Leitender Kriminaldirektor Jens Wollmann, besondere Deliktsfelder aus dem jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Hierzu machte Björn Gutzeit bei der Eröffnung deutlich: „Unsere Polizeiliche Kriminalstatistik belegt: Die Menschen in unserem Dienstgebiet leben in einem sicheren Umfeld. Damit das so bleibt, setzen wir weiterhin neben unserer konsequenten Ermittlungsarbeit auf starke Polizeipräsenz und wirkungsvolle Prävention.“
Kernaussagen
• Verbesserung der Aufklärungsquote auf 58,1 % (2024: 55,4 %)
• Wiesbaden zweitsicherste Großstadt Hessens
• Gewalt gegen Einsatzkräfte – Zahlen weiterhin auf hohem Niveau – historischer Höchststand bei den Opferzahlen
• Wohnungseinbruchdiebstahl bleibt weiter im Fokus
• Rückgang der Straßenkriminalität mit steigender Aufklärungsquote
• Initiative „Sichere Innenstädte“ zeigt deutlich Wirkung
Fallzahlen (Häufigkeitszahl)
Bei der Häufigkeitszahl handelt es sich um die Summe der bekannt gewordenen Straftaten (Fallzahlen) in Relation zu 100.000 Einwohnern. Die Häufigkeitszahl befindet sich mit 5.037 Straftaten pro 100.000 Einwohner über dem Schnitt der vergangenen Jahre, aber nach wie vor deutlich unter dem hessenweiten Wert (6.002). Der Wert für den Main-Taunus-Kreis liegt bei 5.039 - dies bedeutet einen Anstieg von 14,4% im Gegensatz zu 2024 (4.403).
Kriminalitätsentwicklung
Entgegen dem Landestrend wurden für das Jahr 2025 im Zuständigkeitsbereich des PP Westhessen +6,3 % mehr Straftaten als im Vorjahr erfasst (2025: 56.851). Hessenweit ist ein Rückgang der Straftaten um -2,3 Prozentpunkte zu verzeichnen.
Die Aufklärungsquote (AQ) ist im Vergleich zu 2024 um +2,7 % auf 58,1 % gestiegen und bewegt sich damit leicht unterhalb der des Landes Hessen (AQ: 61,1 %).
Gewalt als gesellschaftliches Phänomen
Auch wenn die Häufigkeitszahlen das hohe Maß an Sicherheit innerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Polizeipräsidiums Westhessen belegen, wurde im vergangenen Jahr eine Zunahme von Gewalt in verschiedenen Bereichen festgestellt. So stiegen die Körperverletzungsdelikte um 1.208 Fälle auf 7.470 Fälle, was einen Anstieg von 19.3 % bedeutet. Diese Zunahme liegt somit über dem Hessenschnitt
(Anstieg um 5,3 %). Die AQ in diesem Bereich bewegt sich mit 90,1 % stetig auf einem sehr hohen Niveau.
Im Deliktsfeld der Gewaltkriminalität, das Straftaten gegen das Leben, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raubdelikte sowie gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte umfasst, ist ein Fallzahlenanstieg auf 2.570 Fälle zu verzeichnen. Diese geht mit einer erheblichen Steigerung in der Aufklärungsquote von +7,6 % auf 81,3 % einher.
Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat einen Höchststand erreicht. Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, aber auch Kolleginnen und Kollegen der Rettungsdienste und Feuerwehr, sehen sich immer häufiger Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, konsequent gegen Täter vorzugehen und zugleich die gesellschaftliche Unterstützung für die Einsatzkräfte deutlich zu machen. Aus diesem Grund wurden im Polizeipräsidium Westhessen u.a. an verschiedenen Schulen die landesweite Veranstaltungsreihe „Cops im Dialog“ initiiert. Hierbei suchen Polizeibeamtinnen und -
beamte den aktiven Austausch mit Schülerinnen und Schülern. So soll der Austausch von jungen Menschen mit der Polizei gefördert und diese für die Thematik „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ sensibilisiert werden.
Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Westhessen wurden 2025 393 Fälle von häuslicher Gewalt mehr angezeigt als im Jahr zuvor. Dies ergibt ein Gesamtfallzahlenaufkommen von 2.320 Fällen. Dennoch belegen aktuelle Studien, dass Gewalterfahrungen in Deutschland im Zusammenhang mit (Ex-)Partnerschaften nur selten angezeigt werden. Das Polizeipräsidium Westhessen engagiert sich neben der Strafverfolgung in diesem Deliktsfeld und der damit einhergehenden Opferbetreuung in diversen präventiven Veranstaltungen wie beispielsweise dem Orange Day in allen Teilen des Präsidiums.
„Straßenkriminalität“ erfasst alle Sexualdelikte, Rohheitsdelikte, Diebstähle und Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum. Dieses Kriminalitätsphänomen verzeichnete 2025 einen signifikanten Fallzahlenrückgang auf 9.965 Fälle (Rückgang um -11,8 %) mit einer gleichzeitigen Steigerung der Aufklärungsquote auf 22,9 %. Dieser Fallzahlenrückgang ist somit weitaus stärker als im gesamthessischen Raum (Rückgang um -3,6 %). Die Straftaten gegen das Leben umfassen die Delikte des Mords, Totschlags sowie die fahrlässige Tötung. Hier setzt sich der Trend sinkender Fallzahlen seit 2020 fort, womit der niedrigste Stand der letzten 10 Jahre erreicht wurde. Somit wurden vier Straftaten weniger und somit 36 Fälle erfasst, von denen 91,7 % aufgeklärt wurden. Es bleibt festzustellen, dass bei Straftaten gegen das Leben überwiegend eine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer besteht.
Auch im Bereich der Jugendkriminalität zeichnet sich der Abwärtstrend des Fallzahlenaufkommens weiter ab. Somit hat das Polizeipräsidium Westhessen mit 5.848 die niedrigste Fallzahl der letzten Jahre.
Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls bleibt weiterhin klar im Fokus kriminalpolizeilicher Arbeit. Diese Notwendigkeit belegen auch die nach den Pandemiejahren wieder steigenden Fallzahlen. 2025 verzeichnete das Polizeipräsidium Westhessen einen Anstieg von +303 Fällen auf eine Gesamtzahl von 1.689. Dieser Anstieg von 21,9 % liegt somit leicht über dem Hessenvergleich von 15,5 %. Von diesen 1.689 festgestellten Einbrüchen blieben mit 727 Fällen knapp die Hälfte im Versuchsstadium.
Im Deliktbereich der Sexualstraftaten ist im Polizeipräsidium Westhessen in 2025 ein Anstieg um +586 auf 1.950 Fälle festzustellen. Dieser Fallanstieg umfasst verschiedene Fallgruppen. Gleichzeitig ergab sich ein Anstieg in der Aufklärungsquote um +5,8 % auf 86,1 %. Bei den Straftaten der sexuellen Nötigung sowie Vergewaltigung bestand bei rund 85 % ein sogenanntes „Kennverhältnis“ zwischen Täter und Opfer. Anders verhält es sich bei der sexuellen Belästigung. Hier ist der prozentuale Anteil an Fällen, bei denen keine Vorbeziehung zum Tatverdächtigen bestand, mit 68 % überrepräsentiert.
Resümee
Bezugnehmend auf die vorgestellten Fallzahlen aus dem Jahr 2025 war das Fazit der Protagonisten deutlich. Stefanie König stellte klar: „Ob im häuslichen Umfeld oder auf der Straße: Wo Gewalt auftritt, sind wir da – klar im Handeln und in unserer Haltung. Wir zeigen Präsenz, um die Sicherheit zu gewährleisten und das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat zu stärken.“ Hierzu ergänzte HeJens Wollmann: „Durch Bündelung unserer Fachkompetenzen in der Ermittlungsarbeit stärken wir die Aufklärung nachhaltig, sind aber auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Hier ist eine effektive Kriminalprävention ausschlaggebend.“