Stars, Sternchen, Popcorn, Cocktails, ein roter Teppich und ein gelbes Marsupilami: Das war die 15. Taunale

„Bitte noch ein Stückchen hier herüber!“. Die Fotografen hatte alle Hände voll zu tun, alle Gäste richtig zu positionieren und in Szene zu setzen, Oberbürgermeister Alexander Hetjes (mi.) und Kurdirektor Holger Reuter (re.) waren mittendrin. Fotos: Ingo Baumgartl

Leonel Fernandez und Daniel Minimalia musizierten im Foyer.

Oberursel/Bad Soden/Eschborn/ Bad Homburg (iba) – „Nein, bitte alle mal einen kleinen Schritt nach vorne, etwas weg von der Wand, sonst ist da zu viel Schatten!“ Auch posieren will gelernt sein, die Fotografen und Videografen am roten Teppich hatten gut zu tun, dirigierten die Gäste und die Prominenz von hier nach dort, um sie bestmöglich in Szene zu setzen.

Voller Betrieb im Bad Homburger Kurhaus, im Foyer vor dem Landgraf-Friedrich-Saal erklangen südamerikanische Rhythmen – Perkussionist und Saxophonspieler Leonel Fernandez war wie schon im letzten Jahr dabei, „Neuzugang“ Daniel Minimalia begleitete ihn an der Gitarre – Stimmengewirr, klirrende Gläser, Begrüßungen hier, Küsschen dort. Die „Taunale“, das Taunus-Filmfest, feierte ein kleines Jubiläum: Zum 15. Mal bereits versammelten sich Filmschaffende und Filmfans fast eine Woche lang in Eschborn und Bad Soden, in Oberursel und in Bad Homburg, um Filme zu schauen, Filmemacher zu treffen und Filme zu bewerten und auszuzeichnen. Am vergangenen Mittwoch Abend gab es die große Eröffnungsgala im KongressCenter in Bad Homburg, „Casino Royale“ lautete das Motto, entsprechend viele Herren kamen im Anzug oder gar im Smoking, entsprechend viele Damen im Abendkleid und mit der dazu passenden Handtasche.

Andrang auf dem roten Teppich

An der Wand neben dem Eingang zum Saal knackte und ploppte es, die Popcornmaschine lief im Dauerbetrieb und verteilte den Duft der typischsten aller Kinonaschereien über das gesamte Foyer. Das Orga-Team scannte derweil Eintrittskarten und verteilte die Umhängebänder: „Nein, das sind die normalen Eintrittskarten für heute – Sie haben aber einen Festivalpass, der gilt für die ganze Woche!“ PR-Frau Nily Rahbar hatte am Eingang alle Hände voll zu tun, musste aufpassen, dass jeder Gast auch das korrekte Bändchen umgehängt bekam.

Die beiden Festivalleiter Eva Debrodt und Alexander Mereien sind nachweislich multitaskingfähig – Begrüßung, Händeschütteln, Umarmung, „Guten Tag, Herr Reuter, schön, dass Sie da sind. Kommen Sie gleich mit rüber, da können wir erst mal ein Foto machen.“ Sprach‘s und ging hinüber zu den Fotografen; der Kurdirektor wurde ebenso in Beschlag genommen wie Oberbürgermeister Hetjes, Aufstellung, Lächeln, Blitzlicht. „Entschuldigen Sie bitte, ich muss kurz zu Herrn Digby.“ Da zog Eva Debrodt auch schon wieder weiter, sie musste sich mit ebenjenem Jurypräsidenten Jerry Digby absprechen: Nach dem Hauptfilm sollte nämlich noch ein kurzes Q&A-Panel auf der Bühne im Landgraf-Friedrich-Saal folgen – und da bestand für Digby Anwesenheitspflicht.

Die Gäste schnappten sich eine Popcorntüte, ein Glas mit Sekt und Orangensaft oder gleich ein paar Chips – und hofften darauf, dass sie am Blackjack-Tisch genauso viel Spielglück haben würden wie Dustin Hoffman in „Rain Man“.

Setlur, Nispel, Marsupilami

Dann gingen die Türen zum Saal auf, alle nahmen Platz, Licht aus – Spot an, Debrodt und Mereien gingen, begleitet von James-Bond-Musik, auf die Bühne. Die Jurymitglieder Helga Reichert und Iris Baumüller wurden ebenso begrüßt wie die Ehrengäste Marcus Nispel (Regisseur von „Pathfinder“ oder der „Conan“-Neuverfilmung mit Dwayne Johnson) und Sabrina Setlur (die im Festivalbeitrag „Identitti“ die Göttin Kaali spielt). Danach übernahm Moderator Manuel Francescon – auch er war gekleidet wie das Stand-In von Timothy Dalton.

Es folgten Grußworte und Reden. Staatssekretär und Kulturausschuss-Vorsitzender Christoph Degen ließ es sich ebensowenig nehmen, eine paar Worte an die Anwesenden zu richten wie Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge, Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes oder Dr. Susanne Völker, die Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Dann war es Zeit für den Eröffnungsfilm der Taunale: „Marsupilami“ von und mit Philippe Lacheau feierte in Bad Homburg Deutschlandpremiere. Die „Spirou & Fantasio“-Comicverfilmung, die bereits jetzt rund 50 Millionen Euro eingespielt hat, handelt von einem leopardengemusterten (und CGI-animierten) Beuteltier aus einem nicht näher definierten Urwald in Südamerika, das einen etwa zehn Meter langen Schwanz hat, mit Vorliebe Piranhas verspeist – und von profitgierigen Tierhändlern per Kreuzfahrtschiff nach Europa geschmuggelt werden soll. Jean „Léon“ Reno als töffeliger Bösewicht und allerlei Versteckspiel-Slapstick auf der Kreuzfahrt sorgten für großes Gelächter im Saal.

Ab kurz vor 23 Uhr klang der Galaabend bei Musik von DJ Blouke und kühlen Drinks schließlich aus.

Shaken or stirred?

Am Freitag wurde im elaya Hotel in Oberursel geschüttelt und gerührt, Felix Nourney gehört auch schon ein Stück weit zum Inventar der Taunale. Der Cocktailspezialist präsentierte mit Unterstützung seiner Mutter Julia Cocktailspezialitäten, selbstverständlich mit Bezug zum Kino.

Ob der „Orange Whip“ aus John Landis‘ „Blues Brothers“ oder der „Vesper Martini“ aus (was sonst?!) „Casino Royale“ – es wurde gemixt und abgeschmeckt, Zutaten wurden erörtert und Utensilien erklärt: Boston Shaker oder Tin-in-Tin? Die Zitronenscheibe quer oder längs abschälen? Was ist der bestmögliche Rührlöffel? Und kann man am Schüttelgeräusch hören, wie weit das Eis im Shaker schon aufgelöst ist?

Nourney erklärte, warum es diese oder jene Zutat in einen speziellen Drink geschafft hat, wie man korrekt aus dem Shaker abgießt; und dass ausgerechnet in dem Tom-Cruise-Dramulett „Cocktail“ von 1988 erschreckend wenige Cocktails namentlich genannt werden.

Nach dem offiziellen Teil im Foyer des Hotels (und nachdem alle Teilnehmer des Workshops mit ausreichend Getränken versorgt waren) ging es weiter an die Hotelbar: Dort durften und sollten die Probanten dann das eben Erlernte selbst anwenden und durften sich selbst ihren Lieblingsdrink nachmixen.

Everybody, cut footloose

Am Samstag fand die Taunale im elaya Hotel mit der Preisverleihung in den diversen Kategorien ihr offizielles Ende; inoffiziell wurde anschließend in der „Taunus-Tanz!Schule“ in Oberursel auf ein erfolgreiches Filmfest angestoßen und die Festival-Anspannung aus den Beinen geschüttelt.

Marketing-Mann Jan Winter hatte den Smoking vom Mittwochabend inzwischen wieder im Schrank verstaut und gegen Freizeithemd, Jeans und Sneaker getauscht – James Bond ist schon cool, aber die etwas zu formelle Garderobe stört beim Hüftschwung.

Festival-Assistentin Anastasia Habibi, die auch den Workshop „Musikvideos kreativ umsetzen“ geleitet hatte, hatte nun endgültig Feierabend („Komm, wir gehen tanzen!“), Festival-Co-Chef Mereien hatte Schmacht nach einem getreidehaltigen Energiegetränk („Bitte von ganz hinten, damit‘s schön kühl ist!“), Rahbar, die vermutlich auch 2027 wieder den „PR & Social Media“-Hut aufhaben wird, hatte doppelten Grund zum Feiern („Mein Lieblingsfilm hat gewonnen!“), und Eva Debrondt ist wohl die Sorte Mensch, die schon am 2. Januar ihre Steuererklärung macht („Tja, in 51 Wochen geht‘s schon wieder los.“).

Ein Filmfestival, das über vier Städte hinweg Filmfans und Filmemacher zusammenbrachte, Eschborn (mit dem „Eschborn K“) und Bad Soden (mit dem „Casablanca“) sind dieses Jahr als Spielstätten neu hinzugekommen. Eine Orga, die von A bis Z aus Ehrenamtlern besteht, die das Ganze nicht aus Geldgier oder Geltungsbedürfnis machen, sondern aus Spaß an der Freud‘ beziehungsweise aus der Liebe zum Medium Film. Ungewöhnliche Spielstätten, wie die Christuskirche Oberursel. Ein breit gefächertes Programm, welches zeigte, dass neben „normalen“ Spielfilmen ganz viel Platz für Kreativität ist und dass man sich nicht auf ein Genre versteifen muss, wenn man eine Geschichte erzählen will – man kann selbige auch in einem Kurzfilm oder als Dokumentation erzählen.

Und ein bunt gemischtes Publikum, das alle Genres und alle Gäste aus vielen verschiedenen Ländern willkommen hieß – und, wenn nötig, sich die eigenen Cocktails gleich selbst mixte. Den August 2027 sollten sich die Filmfans in und um Bad Homburg herum auf jeden Fall schon einmal im Kalender markieren. Eva Debrondt trommelt wahrscheinlich jetzt schon wieder Jurymitglieder und Filmemacher zusammen.

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