Mit Wagemut und Vollgas in die Steilkurven

Höchste Konzentration und die richtige Balance ist beim Fahren durch die Steilkurven der Skatebowl gefragt. Wie überall gilt auch hier: Übung macht den Meister. Foto: sth

Hochtaunus (sth). Müssen es wirklich immer Strand und Meer, Berge und Schluchten sein? Ferien zu Hause können mindestens ebenso spannend und aufregend, erholsam und entspannend oder beeindruckend und bildend sein wie weite Reisen in ferne Länder. Wer diese Erfahrung nicht schon längst gemacht hat, wird vielleicht von Corona dazu genötigt, die nähere Umgebung zu entdecken – und wird überrascht sein, was die Heimat alles zu bieten hat. In einer kleinen Serie wollen wir beleuchten, was „Mein schönster Ferientag“ sein könnte. Im vierten Teil geht es über die Kreisgrenzen hinaus – zum Skaterpark nach Karben.

Kinder, die sich stundenlang austoben und ihrer Energie freien Lauf lassen, Eltern, die das Geschehen zurückgelehnt vom Rande aus beobachten, hier und da mal helfend eingreifen: Die Kriterien für einen gelungenen Familienausflug sind bei Familie Kötter aus Rosbach an diesem sommerlich warmen Samstagnachmittag voll und ganz erfüllt. „Es freut uns, wenn die Kinder ihren Spaß haben“, erzählt Papa Thorsten Kötter. Er und seine Frau sind sich einig, mit dem Skatepark in Karben das richtige Ausflugsziel gefunden zu haben.

Dabei sind sie mit ihren beiden Söhnen, acht und zehn Jahre alt, bereits zum zweiten Mal am Ort. Mit ihrem BMX befinden sich die Jungen noch in der Übungsphase, das neue Hobby gibt es noch nicht allzu lange. Da freut’s den Papa umso mehr, wenn sich der Sohnemann in der Bowl mit voller Geschwindigkeit in die Steilkurve traut. Kein Wunder, war der Familienvater doch einst selbst in den Halfpipes und auf Rampen unterwegs.

Die Skateanlage in Karben, gelegen direkt an den Regionalparkrouten „Rundroute“ und „Niddaroute“, lädt sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene und Profis zum Skaten und Biken ein. „Gerade für Beginner ist es hier top“, unterstreicht Thorsten Kötter. Im Jahr 2016 wurde die Anlage um einen Skatepool mit zweigeteilter Bowl erweitert. Für die anwesenden Freizeitsportler ist dieser das Highlight des Skateparks. 490 Quadratmeter ist der Pool groß, er bietet Plattformhöhen zwischen 1,25 und 1,67 Metern. Für die Kötter-Jungs eine willkommene Herausforderung, die Mut erfordert, sie aber rasch Fortschritte verzeichnen lässt. Die beiden schätzen es, dass die Anlage an diesem Nachmittag nicht überfüllt ist und sie so in Ruhe an ihren Fähigkeiten feilen können. „Das Springen ist am coolsten“, erzählen sie.

Über Wände und Stangen

Neben der Bowl wird die Anlage ergänzt durch eine Funbox, die sich zum Herantasten an größere Hindernisse eignet. Zudem gibt es eine Flatrail – eine Geländerstange, die vor allem Skateboarder zum Einüben neuer Tricks einlädt. Geeignet ist die Anlage neben dem Skateboard-Fahren und dem BMX-Fahren auch zum Inline-Skating. Der zehnjährige Tim aus Karben hat sich schon auf verschiedenen Gerätschaften ausprobiert. Mit seinen Freunden komme er mehrmals in der Woche zum Skatepark. Sie verabreden sich über eine eigene WhatsApp-Gruppe, „da fragt fast jeden Tag jemand nach einem Treffen“. Gut gefallen Tim die bunten Graffiti in der Bowl. Zum einen optisch, zum anderen würde sie auch als Markierung dienen und bei der Orientierung helfen.

Benötigt der Schüler mal eine Verschnaufpause, setzt er sich mit seinem mitgebrachten Proviant auf eine der oberhalb der Bowl angebrachten Bänke. Mehrere Sitzgelegenheiten laden zum Durchatmen oder auch einfach nur zum Zugucken ein. Wem zwischendurch nach sportlicher Abwechslung ist, der wird auf der gegenüberliegenden Seite des vor dem Skatepark verlaufenden Fußwegs fündig. Ebenfalls seit 2016 befindet sich dort ein 100 Quadratmeter großer Parkour, in dem vier Walls und Mauern sowie ein 28 Quadratmeter großes Stangengerüst errichtet sind. Diese sind gut geeignet, um die eigene Kraft und Geschicklichkeit zu trainieren. Kinder können hier bestens an ihren Kletterfähigkeiten arbeiten.

Geht die Puste nach dem Biken in der Bowl oder den Klimmzügen am Stangengerüst dann irgendwann doch einmal aus, lockt das angrenzende Niddaufer. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern hat die Stadt Karben die Nidda in den Jahren 2018 und 2019 renaturiert. Wenige Schritte vom Skatepark entfernt, schlängelt sie sich nun idyllisch inmitten von hohem Gras, bunten Blumen und kleinen, aufgeschütteten Erdhügeln. Nach dem Sportprogramm die ideale Gelegenheit für einen entspannten Spaziergang.

Wie lange dieser auch ausfallen mag – als Ziel bieten sich die Wiesenterrassen an der Günter-Reutzel-Sportanlage an. Vom Skatepark aus liegen diese nur wenige hundert Meter in südlicher Richtung entfernt. Anstelle der ungenutzten Tennisplätze des Karbener Sportvereins wurde hier ein Freizeitbereich direkt an der Nidda geschaffen. Liegeplateaus aus Holz laden zur Erholung ein, ebenso gibt es einen neuen Boule-Platz. Zudem eignet sich das Niddaufer an dieser Stelle hervorragend für ein Familienpicknick oder zum Baden.

Neigt sich ein langer Ausflugstag schließlich langsam dem Ende entgegen, können die Erlebnisse im Skatepark, der ausgiebige Spaziergang oder der Badespaß in der Nidda im Biergarten des Restaurants „Fleißiges Liezchen“ Revue passiert werden lassen. Das Restaurant liegt direkt hinter den Wiesenterrassen und bietet deutsche Küche mit einem modernen Dreh. Während die Eltern ein alkoholisches Erfrischungsgetränk genießen, gibt’s für die Kleinen Cola oder Limo. Mit dem Blick auf die Nidda und einem malerischen Sonnenuntergang das perfekte Ende eines langen Ferientages voller Aktivitäten.

Die Skateanlage und der Parkour-Platz sind zu finden in der Robert-Bosch-Straße 4 in Karben. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anlage zu erreichen mit der S-Bahnlinie S6 oder mit der Buslinie X27. Vom Bahnhof Groß-Karben sind es knapp 15 Minuten zu Fuß zum Skategelände. Vom großen Parkplatz an der Bahnhofstraße führt der Weg hin zur Robert-Bosch-Straße, deren Verlauf man in Richtung Nidda folgt. Wer mit dem Auto kommt, kann auf besagtem Parkplatz in der Bahnhofstraße 196 oder auf dem ebenfalls auf Bahnhofshöhe gelegenen Park-and-Ride-Parkplatz an der Abzweigung Bahnhofstraße/Brunnenstraße parken.

Der Skatepark darf mit dem Skateboard, einem BMX-Fahrrad und auf Inline-Skates genutzt werden. Die Benutzung ist für Sportler ab acht Jahren freigegeben, sie erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Regen ist die Benutzung untersagt. Ungeeignete Geräte wie Straßenfahrräder und Scooter sind verboten. Die Nutzungshinweise der Anlage schreiben eine Schutzausrüstung bestehend aus Helm, Knie- und Ellbogenschonern vor. Die Rollflächen und Skateelemente dürfen nicht als Aufenthaltsbereich genutzt werden, von Gegenständen sind sie freizuhalten. Es gelten folgende Nutzungszeiten: Montag bis Samstag von 6.30 bis 21.30 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Dieselben Nutzungszeiten gelten für die benachbarte Parkour-Anlage. Auch diese ist speziell für Sporttreibende ab acht Jahren ausgelegt.

Das Niddaufer mitsamt dem renaturierten Abschnitt grenzt direkt an das Freizeitgelände an. Vom Skatepark aus führt der Fuß- und Fahrradweg nach rechts und nach wenigen hundert Metern zu einer Brücke, die die Nidda quert und zur Günter-Reutzel-Sportanlage führt. Nach wenigen Schritten gelangt man zu den Wiesenterassen und der Boule-Bahn. Auch das Baden bietet sich an dieser Stelle an. Die Nutzung ist kostenfrei. Das benachbarte Restaurant „Fleißiges Liezchen“ im Günter-Reutzel-Weg 6 hat dienstags bis samstags von 17 bis 0 Uhr und sonntags von 12 bis 23 Uhr geöffnet. Das Restaurant-Team bittet um eine Online-Reservierung. Um den derzeitigen Reinigungsvorschriften gerecht zu werden, arbeitet das Restaurant-Team derzeit mit einem Zwei-Schicht-Reservierungssystem.

Reservierungen können von 17 bis 19.15 Uhr und von 19.30 bis open end vorgenommen werden. Sonntagmittags gilt dieses System nicht. Weitere Infos im Internet unter www.fleissiges-liezchen.de.

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