„Das schwedische Modell ist besser“

Schwalbach (mh). Am vergangenen Freitag hat der Bundestag eine neue Wehrpflicht beschlossen. Vielfach wurde im Vorfeld kritisiert, dass nur über, aber nicht mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen darüber geredet wird. Die Schwalbacher Zeitung hat das gemacht und einige Schülerinnen und Schüler der Albert-Einstein-Schule nach ihren Meinungen gefragt.

Vorgesehen ist, dass alle Männer ab Jahrgang 2008 an einer verpflichtenden Musterung und einem Eignungsfragebogen teilnehmen müssen. Für Frauen sieht die Reform hingegen keine Pflicht zur Musterung vor. Reichen freiwillige Meldungen nicht aus, um die geplante Größe der Bundeswehr zu erreichen, kann der Bundestag eine verpflichtende Einberufung beschließen. Als Anreize sind eine Vergütung von rund 2.600 Euro brutto pro Monat, Zuschüsse zum Führerschein sowie alternative Einsatzmöglichkeiten im Zivildienst geplant.

Daniel Bolduan steht einer Wiedereinführung der Wehrpflicht grundsätzlich positiv gegenüber. „Ich unterstütze eine neue Wehrpflicht, weil sie das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen stärken kann. So könnten sich mehr Jugendliche aktiv für unser Land engagieren.“ Er betont zudem, dass eine allgemeine Dienstpflicht den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen und wichtige Bereiche wie Katastrophenschutz, Pflege oder soziale Arbeit entlasten könnte.

Anneke Eisermann sieht eine verpflichtende Vorbereitung auf Krieg dagegen kritisch. Es fühle sich falsch an, Menschen zum Kämpfen oder Töten auszubilden. Gleichzeitig erkenne sie an, dass es in Europa einen realen Krieg gibt und Staatssicherheit gewährleistet werden müsse. Der öffentliche Diskurs überfordere sie, weshalb ihre Haltung unsicher sei. Dennoch spricht sie sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus und plädiert für ein Modell wie in Schweden: Freiwilligkeit zuerst, Verpflichtung nur dann, wenn die Teilnahme nicht ausreicht.

Frida Fisseni äußert ebenfalls deutliche Vorbehalte. Sie könne sich nicht vorstellen, sich mustern zu lassen, und empfinde die Vorstellung, auf andere Menschen schießen zu müssen, als „völlig abstoßend“. Zwar verstehe sie das Bedürfnis nach Sicherheit angesichts aktueller Bedrohungen, doch halte sie es nicht für gerecht, dass erneut die jüngere Generation die Hauptlast tragen solle. Zudem befürchtet sie, dass eine Wehrpflicht Jugendliche direkt nach dem Abitur in ihrem beruflichen Werdegang einschränkt.

Die Meinungen der Jugendlichen insgesamt fallen unterschiedlich aus. Viele Jugendliche beklagen, in politischen Entscheidungen kaum berücksichtigt zu werden. Häufig wird ein soziales Pflichtjahr bevorzugt, das verschiedene Bereiche – militärisch, sozial oder ökologisch – einschließt. Sorgen bestehen vor allem hinsichtlich psychischer Belastungen und möglicher Nachteile für Ausbildung oder Studium. In Schwalbach gab es am vergangenen Freitag zwar keine Proteste. In Frankfurt gingen aber laut Polizei rund 600 Schülerinnen und Schüler auf die Straße. Sie zogen vom Willy-Brandt-Platz über die Friedrich-Ebert-Anlage Richtung Bockenheimer Warte.

Frida Fisseni.mh/Foto: privat



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