Bad Homburg (hw). „Heute ist das allgemeiner Sprachgebrauch, man spielt auf ‚rotem Sand‘ – aber wissen Sie auch, woher der kommt? Der wurde hier erfunden, Friedrich Becker war unser erster Platzwart. Vorher wurde auf Asche gespielt; dann kam er irgendwann auf die Idee, kaputte und ausgemusterte Blumentöpfe aus Ton ganz fein zu zermahlen. Daher auch die rötliche Farbe, das war dann der Untergrund, den man heute in der ganzen Tenniswelt kennt!“
Hans Bröer ist der Vorstandvorsitzende des Bad Homburger Tennis Clubs, mit solchen Annekdoten könnte er wohl einen ganzen Abend bestreiten – bei dem Pressetermin musste er sich etwas zügeln, damit er in der knapp bemessenen Zeit alle Themen unter bekommen konnte.
Während Bröer aus dem Nähkästchen plauderte und die Jubiläumsfeierlichkeiten des „Tennis Club Bad Homburg v.d. Höhe e.V.“ (so die offizielle Bezeichnung) ankündigte, saß Bürgermeister Alexander Hetjes neben ihm und blätterte in der Vereinschronik, die der Tennis Club extra hat auflegen lassen.
Von den Anfängen des damals noch mit ‚ie‘ geschriebenen „Lawn Tennies“ kann man dort lesen, als Kurgäste 1876 aus England das erste Mal ihre Schläger und Bälle aus der Heimat mitbrachten, um auch in Bad Homburg ihrer Lust am weißen Sport zu frönen.
„Hier gab es den ersten Tennisplatz auf europäischen Festland“, Bröer war schon wieder im Referenten-Modus, „im Kurpark war ja ausreichend Grünfläche, da konnte man die Linien für die Tennisfelder ziehen.“
Anfänglich gab es nur acht bespielbare Plätze in Bad Homburg, 1890 waren es schon derer 25. Der „Challenge Cup“, der ab 1902 ausgespielt wurde, der Bau des ersten Clubhauses 1912 („Eines der Clubhäuser war mal die Tennisbar, die gibt es ja leider nicht mehr“, weiß Bröer zu berichten), die Fast-Auflösung durch die US-Streitkräfte nach Kriegsende 1945, die vorläufige Umfirmierung als „streng unpolitische und nicht auf Gewinn ausgerichtete Organisation“, der Davis-Cup 1970, Federation Cup 1973, Rod Laver und Nici Pilic 1984 bei einer Art Senioren-Turnier, die Hessenmeisterschaften 2012, in 150 Jahren Tennisgeschichte kam in Bad Homburg so einiges an Kuriositäten und Anekdoten zusammen.
Benefizkonzert des Heeresmusikkorps Kassel
Um dieses Jubiläum gerecht zu werden, befindet sich der Tennis Club Ende Mai für fast eine Woche lang im Feiermodus, am Dienstag, 19. Mai, gibt es ab 19.30 Uhr das Benefizkonzert des Heeresmusikkorps Kassel unter der Leitung von Hauptmann Christoph Schiffers.
Das Heeresmusikkorps Kassel ist von fünf Musikeinheiten der Bundeswehr die einzige in Hessen. Die etwa 60 Männer und Frauen des symphonischen Blasorchesters spielen für die Truppe, bei Auslandseinsätzen, bei Gelöbnissen, Appellen – und dem Großen Zapfenstreich. Karten für den 19. Mai gibt es unter anderem in der Tourist-Info im Kurhaus, auf www.frankfurt-ticket.de oder (so es dann noch Restkarten geben sollte) vor Ort an der Abendkasse. Der Eintritt beträgt 20 Euro, der Erlös geht an die „Tour der Hoffnung“, eine Initiative, die krebskranke Kinder und deren Familien unterstützt.
Tour der Hoffnung
Jürgen Merlau sitzt – so oft er eben kann – auf seinem Fahrrad und spult Kilometer für den Guten Zweck ab, er ist einer der treibenden Kräfte hinter der Tour. Zum Pressetermin saß er im Vereinsheim neben Hans Bröer und erklärte, was es mit dieser speziellen Tour auf sich hat:
„Hauptziel ist es, möglichst viele Spenden für krebskranke Kinder zu erradeln, entweder für unmittelbare Hilfe, für die Forschung oder auch für das Drumherum: Es gibt nicht in jedem Ort eine Krebsklinik oder ein Krankenhaus mit einer Onkologie, manche Kinder sind monatelang in Behandlung, vielleicht hunderte Kilometer von zu Hause weg. Mit dem Geld werden teilweise auch Zugfahrkarten oder Hotelübernachtungen für die Eltern finanziert.“ Es gäbe aber auch noch ein weiteres wichtiges Thema, nämlich als Vorbild zu wirken und möglichst viele Menschen, Gemeinden, Firmen und Vereine für das Thema der Tour der Hoffnung zu sensibilisieren – und bestenfalls dafür zu gewinnen. Weitere Informationen zu der Initiative gibt es unter https://www.tour-der-hoffnung.de/.
Die Bundeswehr-Musiker wollen rund zweieinhalb Stunden lang Märsche und Filmmusik spielen, Klassik und Popmusik. Eine Tribüne mit 450 Plätzen wird eigens dafür errichtet. Natürlich hoffen die Musiker und der Tennis Club auf ausverkauftes Haus, zum einen spielt kein Musiker gerne vor halbleeren Rängen, zum anderen soll möglicht viel Geld für die „Tour der Hoffnung“ zusammen kommen.
Jubiläumsfeier im Festzelt
Auch Kurdirektor Holger Reuter, dessen Gesellschaft die Anlage im „größten innerstädtischen Kurpark Europas“ an den Club verpachtet, hob die Bedeutung des Tennis Club Bad Homburg und seiner Historie hervor: „Ohne diese Geschichte, diesen Verein, hätten wir die ,Bad Homburg Open‘ nicht“, sagte er mit Blick auf das prestigeträchtige Turnier, das seit 2021 im Juni die weibliche Weltspitze im Tennis nach Bad Homburg lockt und unter den Spielerinnen auf der Tour mittlerweile als eine Art „Generalprobe“ für Wimbledon gilt. Am Freitag, 18. Mai, wird es eine Jubiläumsfeier im Festzelt geben, Schirmherren sind Ministerpräsident Boris Rhein sowie Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, geladene Gäste und Mitglieder des Vereins werden wohl dafür sorgen, dass es eine erinnerungswürdige Feier wird.
Tag der offenen Tür
Am Samstag, 23. Mai, geht die Woche dann mit einem Tag der offenen Tür zu Ende, ab 10 Uhr gibt es ein Benefiz-Golfturnier im Kurpark „Old Course“, die Erlöse hieraus werden ebenfalls der „Tour der Hoffnung“ zugute kommen.
Ab 11 Uhr geht es dann auf dem Gelände des Tennis Clubs weiter, auf der Terrasse des Clubhauses wird Jazzmusik gespielt, Eberhard Ginger wird mit (s)einem Fallschirmsprung beweisen, dass er auch im fortgeschrittenen Alter noch nicht „eingerostet“ ist, eine Oldtimerausstellung, Show-Matches (und gerüchteweise eine Fußballtorwand nebst Ex-Nationalspieler) sollen einen bunten Familiennachmittag – und die Feierlichkeiten an sich – abrunden und für gute Laune allenthalben sorgen.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt, der Eintritt für Groß und Klein ist frei.


