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Unsere Leserin Kirsten Baum aus Bad Homburg meint zur U2-Verlängerung:
Als engagierte Bürgerin und Sprecherin einer neu entstehenden Bürgerinitiative habe ich beim Regierungspräsidium Darmstadt eine aufsichtsrechtliche Prüfung zum Projekt „U2-Verlängerung nach Bad Homburg“ beantragt. Grund dafür sind erhebliche Zweifel an der Informationsgrundlage, auf der sowohl der Planfeststellungsbeschluss von 2016 als auch der Bürgerentscheid von 2018 beruhten.
Im Mittelpunkt steht die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) von 2009, die damals als zentraler Beleg für die Wirtschaftlichkeit des Projekts diente. Genau diese NKU wurde in offiziellen Unterlagen, Präsentationen und Informationsveranstaltungen immer wieder mit der Zahl von „3100 neuen Fahrgästen täglich“ beworben – auch kurz vor dem Bürgerentscheid am 28. Oktober 2018. Doch inzwischen zeigt sich: Diese Zahl setzt sich zu einem erheblichen Teil aus Fahrgästen zusammen, die überhaupt nichts mit Bad Homburg zu tun haben, sondern aus dem rein innerstädtischen Frankfurter Verkehr stammen. Das ist nach geltenden Bewertungsregeln unzulässig. Ohne diese falsch zugeordneten Fahrgäste würde die Wirtschaftlichkeit des Projekts massiv sinken. Die NKU lag dadurch rund 38 Prozent zu hoch. Besonders brisant: Selbst das Hessische Wirtschaftsministerium schreibt inzwischen, dass die NKU von 2009 nur eine „Ersteinschätzung“ war – obwohl sie schwarz auf weiß im Planfeststellungsbeschluss steht und 2018 öffentlich als Argument genutzt wurde.
Dass die Stadt nun eine aktuelle NKU (2025) vorlegt, ist zwar notwendig für die Fördermittel – ändert aber nichts daran, dass der damalige Entscheidungsprozess auf falschen oder irreführenden Informationen basierte. Als Bürgerinnen und Bürger haben wir das Recht auf eine korrekte, vollständige und ehrliche Grundlage, bevor ein solch großes, teures und langfristiges Infrastrukturprojekt endgültig entschieden wird.
Es geht nicht darum, Fortschritt zu verhindern. Es geht darum, dass Entscheidungen – insbesondere Bürgerentscheide – fair, transparent und sachlich richtig sein müssen.