„Es muss gelingen, junge Leute für das Musikleben zu gewinnen“

Bad Homburg (fch). Mit dem Kulturforum hat die Stadt vor einem Jahr eine neue Veranstaltungsplattform ins Leben gerufen. Ziel ist es, eine bessere Vernetzung der Kulturakteure untereinander sowie einen Austausch zwischen Politik, Kultur und Wirtschaft zu ermöglichen. Das zweite Kulturforum fand zum Thema „Musik“ in der Englischen Kirche statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Andreas Bomba.

Der Musikkritiker und Hörfunkmoderator begrüßte auf dem Podium die Kirchenmusikerin und Dirigentin Susanne Rohn aus der Erlöserkirche Bad Homburg, den Musiker und Musikerzieher Timo Neumann von der VHS-Musikschule Bad Homburg, die Musikwissenschaftlerin und Kulturmanagerin Dr. Julia Cloot vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, den Musikwissenschaftler und Hörfunkdirektor des Hessischen Rundfunks, Dr. Heinz-Dieter Sommer, sowie den Kulturwissenschaftler und Kulturmanager Dr. Matthias Setzer vom Fachbereich Kultur und Bildung der Stadt. Musikalisch umrahmt wurde die Diskussionsrunde von der Musikschulband „Do not cross“. Zum Repertoire von Gitarrist Alex, Schlagzeuger Timo, Bassist Simon und Sängerin Maria gehörten Hits wie „No Roots“ von Popsängerin Alice Merton und „Smells Like Teen Spirit“ von der US-Grungeband Nirvana. Damit war Musik zu hören, die in den Programmen der Mehrheit der Podiumsteilnehmer nicht oder kaum zu finden ist.

So sei es für Städte wichtig „Identifikationspunkte für junge Menschen und deren Musik zu finden und anzubieten. Es muss ihnen gelingen, junge Leute für das aktive Musikleben zu gewinnen“, empfahl Amateur-Cellist Dr. Sommer. Das Angebot in der Region und Kurstadt ist groß. Abhängig ist es von Infrastruktur, Kontakten und Sponsoren. Bad Homburg gehe den Weg, Dinge stark zu machen, die man habe. Dazu gehören die Musikschule, Konzerte in der Erlöserkirche wie das Orgelfestival Fugato, das Bachfest oder das Musikfestival zu Hölderlin. Susanne Rohn betonte, dass sie bei ihren Veranstaltungen Kooperationen mit anderen Gesellschaften in der Stadt eingehe. „Setzen sie auf etwas, das mit ihrer Stadt identifizierbar ist“, bestärkte nicht ganz uneigennützig Dr. Sommer. Kritik übte er am neuen, für große Orchester geeigneten Konzertsaal in Kronberg. Das sei eine nicht notwendige Konkurrenz für das HR-Sinfonieorchester. Dr. Julia Cloot betonte, dass Bad Homburg im Musikbereich mit den drei Pfunden lebendige Musikerszene, kooperative und professionelle Partner und funktionierende Reihen wuchern könne. Dies hörte Dr. Matthias Setzer gern, da das Angebot trotz des niedrigen Kulturetats breitgefächert sei. „Bad Homburg ist eine Kur- und Kulturstadt, was leider von vielen finanziell besser gestellten Bürgern übersehen wird.“ Sie besuchten eher Veranstaltungen in Frankfurt und in der Region. Und dies, obwohl Frankfurt keine Musikstadt wie Köln, Hamburg, Berlin oder Dresden ist.

„Frankfurts Weltruf begründet sich durch seine Museumslandschaft“, pflichtete Dr. Sommer bei. Wer über Strukturen rede, müsse sich verständigen, über welche er rede. „Wo wollen sie mit ihrer Kultur hin?“, fragte Sommer. „Wir sind kein Ober-Zentrum und Frankfurt ist kein Spitzen-Zentrum für Musik. Aber wir spielen im mittleren Bereich ganz oben mit“, sagte Setzer. Er beklagte im Kammerkonzertbereich das Abwerben von Talenten unter anderem durch das HR-Sinfonieorchester. Das wollte Sommer nicht gelten lassen: „In Deutschland gibt es ein Überangebot an jungen, erstklassigen Musikern, aber zu wenig Stellen.“ Zusätzlicher Druck entstehe durch Musiker aus dem Ausland.

Timo Neumann sieht keine Notwendigkeit darin, Superstars in den einzelnen Musikgenres hervorzubringen. Er setzt auf die Breitenausbildung. „Es ist wichtig, aufzubauen und Vorhandenes sichtbar zu machen“, erklärte Neumann, der seit 2017 die Musikschule leitet. Mit dem Jugendsinfonieorchester und dem Jugendorchester des Hochtaunuskreises gebe es zwei exzellente Nachwuchsorchester, sagte Dr. Julia Cloot. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain bewerbe und fördere in Bad Homburg über die Stadt hinaus strahlende Veranstaltungen wie die Skulpturenbiennale „Blickachsen“ oder die Tanzshow im Kurpark, aber auch zum Dachthema 2019 „Erzählung macht Identität“ passende Veranstaltungen.

Beim zweiten Kulturforum geht es um das Thema „Musik“. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Andreas Bomba (l.). Foto: fch

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