Positionen im Dialog: Ausstellung „gegenüber“ im Artlantis

Sinnlichkeit in Holz: Die Bildhauerin Beate Debus reduziert ihre Skulpturen auf das Wesentliche, um grundlegende menschliche Haltungen und Gesten spürbar zu machen. Ihre hölzernen Werke thematisieren das Gleichgewicht und die Polarität. Fotos: privat

Bad Homburg (hw). Wenn die raue Haptik von Holzskulpturen auf die klare Formsprache abstrakter Malerei trifft, entsteht ein Spannungsfeld, das den Betrachter zum Perspektivwechsel zwingt: Unter dem Titel „gegenüber“ präsentiert der Kunstverein Bad Homburg Artlantis ab Mai eine eindrucksvolle Ausstellung, die zwei eigenständige künstlerische Handschriften miteinander in Beziehung setzt. In der Galerie Artlantis am Tannenwaldweg 6 treffen Skulpturen von Beate Debus auf Malerei von Gunda Lindner – und eröffnen dabei einen spannungsreichen Dialog über Wahrnehmung, Raum und Bedeutung.

Die Ausstellung ist vom Samstag. 9. Mai bis Sonntag, 31. Mai zu sehen, geöffnet jeweils mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 12 bis 18 Uhr. Bereits am Freitag, 8. Mai, wird um 20 Uhr zur feierlichen Eröffnung eingeladen. Die Laudatio hält der Kunsthistoriker Pascal Heß. Für den musikalischen Rahmen sorgt das Cuarteto Mosaico mit kammermusikalischer Weltmusik.

Im Zentrum von „gegenüber“ steht nicht das Gegenüberstellen im Sinne einer festen Ordnung, sondern das bewusste In-Beziehung-Setzen. Die Ausstellungsräume werden als offenes Gefüge verstanden, das Bewegung, Perspektivwechsel und Dialog ermöglicht. Die Besucher sind eingeladen, sich aktiv durch den Raum zu bewegen, Standpunkte zu verändern und Bedeutungen im Wechselspiel von Nähe und Distanz immer wieder neu zu erschließen. Sehen wird hier als fortlaufender Prozess erfahrbar – als etwas, das sich im Verweilen ebenso entfaltet wie im Weitergehen.

Beate Debus arbeitet als Bildhauerin mit dem Material Holz, das sie als Träger sinnlicher und emotionaler Wahrnehmung erforscht. Ihre Skulpturen verweisen in reduzierter, abstrahierter Form auf menschliche Existenz, Haltungen und Gesten und thematisieren grundlegende Prinzipien wie Schutz, Polarität und Balance – es geht um das, was „andeutungsweise auf den Menschen, auf sein In-der-Welt-sein verweist“ (Prof. Dr. Kai Uwe Schierz). Geboren 1957 in Eisenach, absolvierte sie eine Ausbildung zur Holzbildhauerin und studierte Holzgestaltung bei Prof. Hans Brockhage an der Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg. Sie lebt und arbeitet in Dermbach in der Rhön.

Gunda Lindner fokussiert sich in ihrer ab-strakten Malerei auf eine klare Formsprache. In Skizzen, Papierarbeiten und großformatigen Werken entstehen teils zarte, teils kraftvolle Variationen desselben Themas. Monotypien der Serie ‘le morne‘ stehen für Sprache und Kommunikation selbst. Großflächige abstrakte Bilder der Reihen ‘in den köpfen‘, ‘h o m e‘ und ‘im Wesentlichen‘ erfahren eine stetige Weiterführung. Werke sind voneinander trennbar, als Paar oder im Ensemble zu verstehen.  Gunda Lindner, geboren 1968 in Bad Vilbel, ist Malerin, Absolventin der Meisterklasse von Professor Markus Lüpertz an der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor, lebt und arbeitet in Bad Homburg.

Auch musikalisch steht die Eröffnung im Zeichen des Dialogs: Das Cuarteto Mosaico verbindet Klassik, Weltmusik und Tango zu einem vielschichtigen Klangbild. Mit ihrem aktuellen Programm „Viajar“ („Reise“) widmet sich das Ensemble insbesondere der brasilianischen Musik. Inspiriert unter anderem von Antônio Carlos Jobim und Hermeto Pascoal entsteht eine lebendige Mischung aus folkloristischen, jazzigen und klassischen Elementen – virtuos, detailreich und voller Lebensfreude.

Die Gegenüberstellung der Werke spannt ein Feld auf, in dem sich Sehen als fortlaufender Prozess entfaltet. Bedeutung entsteht im Wechsel von Nähe und Distanz, im Verweilen und Weitergehen. Die Ausstellung lädt dazu ein, Positionen immer wieder neu einzunehmen und im Dialog zwischen Werk, Raum und Perspektivwechsel zu bleiben. Der Raum wird zum aktiven Bestandteil der Ausstellung: Fragen nach Formfindung, Sinnformen und Wahrnehmung treten in den Vordergrund, ohne auf Bewertung zu zielen.

Die Ausstellung „gegenüber“ verspricht damit nicht nur eine Begegnung zweier Künstlerinnen, sondern ein vielschichtiges Erlebnis, bei dem Kunst, Raum und Betrachter in einen offenen Austausch treten.

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