„Ein Genie macht Urlaub“ – Salönchen zum Abschluss der Mendelssohn Tage der Musik

Gemeinsam erweckten sie die Salonkultur des 19. Jahrhunderts zu neuem Leben: Madeleine Giese (Lesung), Jesse Flowers (Gitarre), Ildikó Szabó (Cello) und Yeree Suh (Gesang)

Bad Soden (Sc) – Wie reiste man eigentlich zu Zeiten von Felix Mendelssohn Bartholdy? Wen diese Frage interessierte und wer zudem noch ein Liebhaber schöner Lieder und luftiger „Reisemusik“ ist, der war am vergangenen Samstag im „Anno 1928“ genau richtig! Mehr als einhundert Gäste hatten den Weg in diese schöne Location gefunden, um zum Finale der Mendelssohn Tage der Musik mit dem „Salönchen“ noch einmal ein ganz besonderes Veranstaltungsformat zu erleben.

Zu erfahren gab es allerhand Interessantes und auch Erheiterndes aus der Zeit, als der Bad Sodener „Local Hero“ Felix Mendelssohn Bartholdy in Frankfurt am Main lebte, arbeitete und sich verliebte, in Soden mit seiner Familie „kurte“ und als musikalischer „Star“ seiner Zeit halb Europa für Konzerte bereiste.

Das Konzept und die Auswahl der Texte und der Musik für das „Salönchen“ entstammten der Idee – wie konnte es anders sein – von Sabine Schaan. Als künstlerische Leiterin der Mendelssohn Tage der Musik zeichnete sie bereits in den vergangenen Jahren für verschiedene erfolgreiche „Salons“ verantwortlich, und auch diesmal ist ihr ein fantastisches Werk gelungen. In Anlehnung an die beliebte Salonkultur im Hause Mendelssohn kombinierte sie auf Grundlage des Buches „Ein Genie macht Urlaub – Frankfurt, der Vordertaunus und Felix Mendelssohn Bartholdy“ von Jürgen Diehl liebevoll ausgewählte Reiseberichte mit sehnsuchtsvollen Gitarren- und Celloklängen sowie dem klangvollen Vortrag begleitender Lieder zum Thema Natur und Reisen.

Diese Kombination war es, die die Gäste am Samstagabend in ihren Bann zog, begeisterte und wahrlich „dahinschmelzen“ ließ – ein perfektes Mendelssohnsches Urlaubsfeeling war garantiert. Als Sprecherin hatte Madeleine Giese auf der Bühne des „Anno 1928“ Platz genommen. Mit ihrer angenehmen Stimme erweckte sie die Protagonisten der Geschichten rund um Felix Mendelssohn Bartholdy zum Leben. Ob Briefe an die Schwestern und die Mutter über das Leben in Frankfurt, seine Liebe zu seiner späteren Ehefrau Cécile Jeanrenaud oder seine Reiseschilderungen – Madeleine Giese nahm die Gäste mit auf eine heitere Reise in eine Zeit, als man noch mit Pferdekutschen reiste und die Fahrt von London nach Frankfurt schon mal mehrere Tage dauern konnte.

Begleitet wurden ihre heiteren Erzählungen von Jesse Flowers an der Gitarre und Ildikó Szabó am Cello. Die beiden ergänzten sich ganz hervorragend, und es gelang ihnen mit Stücken von u.a. Heitor Villa-Lobos (Hochzeitsmarsch), Isaac Albeniz‘ Asturias, Fanny Hensels „Italien“ oder Piazollas „Invierno Porteno“, den Saal mit Klängen zu füllen, die nicht nur die Sehnsucht nach schönen Plätzen im sonnigen Süden nährten, sondern auch einen Einblick in die Musik und die Salonkultur der damaligen Epoche gaben. Wundervoll ergänzt wurden die Musikstücke von den ausgewählten Liedern, die ganz wunderbar von Yeree Suh dargeboten wurden. Ob heitere Betrachtungen der Natur oder liebevolle Liedzeilen – die Sängerin fand immer die richtige Stimmung, um die Lieder in das musikalische Gesamtkonzept einzubetten und die Gäste mit ihrer verzaubernden Stimme zu begeistern.

War bereits jede Darbietung für sich genommen – ganz gleich, ob Lesung, Instrumentalstück oder Lied – herausragend, so war das Zusammenspiel aller drei Elemente eine ganz besondere Erfahrung, die in dieser Kombination nicht häufig zu finden ist. Wer eine „Salon“-Veranstaltung einmal erleben durfte, kann nachempfinden, was der Welt mit der Salonkultur verloren gegangen ist. Damit sich die Gäste im „Anno 1928“ auch wirklich an einen Salon erinnert fühlen konnten, hatten die Stadt Bad Soden und die Bad Sodener Musikstiftung Dr. Jürgen Frei in der Pause zu einem guten Glas Wein und zu Canapés eingeladen. Eine willkommene Gelegenheit, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und nicht nur über die Musik, sondern auch über „Gott und die Welt“ zu diskutieren – genau wie es zu den großen Zeiten der Salons üblich war. Die Salonkultur des 19. Jahrhunderts war auch eine wichtige kulturelle und gesellschaftliche Erscheinung, die sich durch den freien Austausch von Ideen in privaten Räumen auszeichnete. Sie gab also nicht nur aufstrebenden Künstlern und Musikern die Möglichkeit, sich zu präsentieren, sondern sie waren auch ein Ort des Austausches und der Diskussion.

Zum Ende der Veranstaltung war es die Aufgabe von Bürgermeister Dr. Frank Blasch, die diesjährigen Mendelssohn Tage der Musik als beendet zu erklären – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sich Bad Soden auch im kommenden Jahr auf eine Neuauflage mit viel Herzblut und frischen Ideen freuen kann.

Es bleibt die leise Hoffnung, dass auch das „Salönchen“ – als kleiner Bruder des Salons – im nächsten Jahr eine Neuauflage erleben wird!

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