Volles Haus bei Zonta-Benefizlesung

Benefiz-Lesung zum Thema „Machtgebiete“ – Bettina Stark-Watzinger, Bürgermeister Dr. Frank Blasch, Fiona Ruff und Bettina Weiguny (v.l.)Foto: Zonta Club Bad Soden-Kronberg

Diskussionsrunde über Gleichstellung und Sexismus in Politik und Wirtschaft 

Bad Soden (bs) – Die Buchautorin und derzeitige Präsidentin des Zonta-Clubs Bad Soden-Kronberg, Bettina Weiguny, hat am vergangenen Mittwoch im ausverkauften Badehaus in Bad Soden ihr neues Buch vorgestellt: „Machtgebiete – was Managerinnen erleben und wie sie gegenhalten“ (Campus Verlag). Es geht darin neben strukturellen Hürden auch um blöde Sprüche und Übergriffigkeit bis zu unfairen männlichen Allianzen. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und einer neu aufkommenden Maskulinität müssen wir darauf achten, dass sich das, was wir erreicht haben an Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung, nicht wieder zurückdreht“, warnte die Autorin während ihrer Lesung.

„Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Seit 14 Jahren herrscht in Deutschland Stillstand, was die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen angeht. Wir fallen zurück im europäischen Vergleich.“ Weiguny und ihre beiden Co-Autorinnen haben 50 Top-Managerinnen zu ihren Erfahrungen befragt, welche Fehler gemacht werden und was sich ändern müsste, damit Frauen nicht nur nach oben kommen, sondern dort auch bleiben und sich entfalten können. „Nicht die Frauen müssen sich ändern, das System muss sich ändern.“

Diesen Aspekt hatte auch Bildungsministerin a.D. Bettina Stark-Watzinger in einem Impuls-Vortrag hervorgehoben. „Wenn es um Repräsentanz von Frauen geht, habe ich oft den Satz gehört: „Jetzt habe ich einer Frau diese Position gegeben, aber sie hat dann das Handtuch geschmissen.“ Als ob wir Frauen diese Position nicht selbst verdient hätten, sie gehört niemandem. Ein paar Frauen in sichtbare Spitzenpositionen zu setzen, wirkt modern, gibt aber oft nur den Anstrich von Fortschritt. Symbolpolitik ist kein Ersatz für Systemänderung.

Fiona Ruff von der auf weibliche Führungskräfte spezialisierten Personalberatung HuntingHer wiederum erläuterte in der Podiumsdiskussion im Anschluss, was die Tücken bei der Suche nach Spitzenfrauen sind. „Wir finden für alle Stellen die passenden Frauen, aber die Suche ist etwas komplizierter und aufwendiger. Die Mühe machen sich viele nicht. Da heißt es dann schnell: Wir haben ja gesucht, aber keine Frau gefunden.“ Ruff ist eine der im Buch interviewten Managerinnen und ebenfalls Mitglied des hiesigen Zonta-Clubs.

Vor der Buchvorstellung hatte der Bürgermeister der Stadt Bad Soden, Frank Blasch, in einem Grußwort betont, wie wichtig die Gleichstellung auch aus volkswirtschaftlichen Aspekten ist und wie sehr er es begrüße, dass in dem Buch auch gerade auf diesen Bezug ausführlich eingegangen wird: „Die immer noch fehlende Chancengleichheit für Frauen im Beruf hat neben einer moralisch-ethischen auch eine ökonomische Perspektive: Wenn Menschen aus strukturellen Gründen nicht in den Positionen tätig sind, für die sie am besten geeignet sind, ist diese Fehlallokation mit volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Der Abbau von Diskriminierungen im Berufsleben ist auch aus diesem Blickwinkel heraus bedeutend.“ Alle Einnahmen des Abends gehen an den Amelia Earhart-Award für herausragende Studentinnen der Raumfahrttechnik.



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