Von leichten Rädern und schweren Beinen

Fahrradhelme soweit das Auge reicht. Dabei waren das nur zwei von rund 20 Startblöcken bei der Velotour am Samstag. Im Hintergrund die Taunushöhen, die die meisten der 12.000 Radfahrer erklimmen wollten. Foto: Schlosser

Eschborn (MS). Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, der kann sich kaum vorstellen, wie es aussieht, wenn mehr als 12.000 Radfahrerinnen und Radfahrer gleichzeitig darauf warten, endlich in die Pedale treten zu dürfen. Bundesweit Beachtung findet am 1. Mai der Radklassiker „Eschborn-Frankfurt“. Doch die Velotour ist auf Grund der schieren Masse der Teilnehmer noch spektakulärer.

Vier Stunden vor den Profis – die in diesem Jahr erstmals am Eschenplatz auf die Reise geschickt wurden – machten sich die Hobbyfahrer auf die unterschiedlichen Strecken durch den Taunus, wobei auch die Amateure schon ziemlich professionell an die Startlinie kamen.

„Jedermann“ – wie es vor einigen Jahren noch hieß – machte sich da nicht auf den Weg in den Taunus. Denn kaum eines der 12.000 Fahrräder dürfte weniger als 5.000 Euro gekostet haben, manche der federleichten Sportgeräte hatten eher den Preis eines Kleinwagens. Und auch die dazugehörigen Fahrerinnen und Fahrer sahen nicht gerade aus wie Radsport-Laien. Gerade in den vorderen Startblöcken, wo die Schnellsten zu finden waren, saßen ausschließlich durchtrainierte Körper mit glattrasierten Beinen auf den Satteln. Als Bürgermeister Adnan Shaikh nahe dem Helfmann-Park um 8.45 Uhr die gelbe Startfahne senkte, rauschten sie in atemraubenden Tempo Richtung Schnellstraße davon.

Die meisten anderen musste da noch warten. Etwa im Fünf-Minuten-Takt wurden jeweils 500 bis 1.000 Fahrer auf die Strecke geschickt, angefeuert von wummernden Bässen und von einem Moderator, der auch noch den Sportlerinnen und Sportlern im Startblock P das Gefühl gab, ein paar Meter auf der „Tour de France“ zu fahren. Fast eine Stunde lang musste die Hobbyradler auf der Straße in Richtung Steinbach auf den Startschuss warten und dann erst einmal mehr als einen halben Kilometer bis zur offiziellen Startlinie an der Kreuzung neben der Lidl-Filiale radeln.

Da war der Erste schon wieder zurück Um 9.38 Uhr durchfuhr Nico Gremm den Zielbogen an gleicher Stelle. Mit einem Durchschnitt von 45,44 Stundenkilometer war er über die 40-Kilometer-Strecke gerast. Alexander Steffens – der Schnellste der „Velotour Taunus Classic“ – war nach 85 Kilometern um 10.47 Uhr wieder in Eschborn. 17 Minuten später traf Florian Sauer als Sieger der „Velotour Classic“ über 97 Kilometer ein. Deren Teilnehmer hatten kurz vor Schluss noch eine Runde über den ultrasteilen Mammolshainer Berg gemacht.

Volksfest am Eschenplatz

Auch wenn es in der „After-Race-Area“ rund um den Selgros-Parkplatz wegen der Teilnhemermassen wie immer lange dauerte, bis alle ihre Medaillen, Urkunden, Äpfel und Snacks hatten, waren die Schnellsten rechtzeitig fertig, um dem Start der Profis am Eschenplatz zu erleben.

Rund um den Startbogen in der Hauptstraße herrschte bei bestem Sommerwetter schon lange vorher Volksfest-Athmosphäre. Durch die Eschborner Gassen fuhr die Rad-Elite noch in einer neutralisierten Startphase, ehe dann alle Richtung Taunus so richtig in die Pedalen traten. Zwei Mal ging es über den Feldberg, drei Mal quälten sich die Profis durch Mammolshain und zwei Mal über den Burgweg in Schmitten. Danach radelten die deutlich gezeichneten Radfahrer am Nachmittag ein zweites Mal durch Eschborn, ehe sie kurz darauf das Ziel an der Alten Oper in Frankfurt erreichten.

Dort wurde kräftig gefeiert. Denn mit Georg Zimmermann gewann zum ersten Mal seit 2019 wieder ein Deutscher den Radklassiker. Ungefähr zur gleichen Zeit kamen in Eschborn die letzten Tapferen der Velotour an, die an diesem 1. Mai wie die Profis den Feldberg bezwungen hatten.

Zum ersten Mal gingen die Profis in diesem Jahr am Eschenplatz ins Rennen. Foto: te

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