Dillinger zeigen Flagge für ihre Kerb

Arnold Löw bei der Neubürgertaufe der Dillinger Kerb im vergangenen Jahr. Es hätte auch 2020 so schön sein können, doch in diesem Jahr wird am Dillinger Brunnen nicht getauft. 

Von Bernd Ehmler

Friedrichsdorf. Die Dillinger Kerb – eine Institution. Leider kann sie in diesem Jahr coronabedingt nicht gefeiert werden. Die Fans der Kirchweih sind betrübt. Statt des Kerbebaumstellens soll am Wochenende die Dillinger Fahne gehisst werden. Ob die dann auf Halbmast steht...wegen der Traurigkeit über den Ausfall der Traditionsveranstaltung?

Die Vorfreude auf die Dillinger Kerb war immer sehr groß. Kein Wunder, haben doch zunächst an die 28 Kerbeburschen an der Kreuzung Taunusstraße/Dillinger Straße in bester Stimmung den Kerbebaum innerhalb weniger Minuten kerzengerade aufgestellt. Anschließend wurde die Vorkerb gefeiert und dabei der „Dillinger Nagelkönig“ ermittelt. An die 60 Personen nahmen meist an diesem Event teil. Die „Kerbebienen“ haben die Gäste der Vorkerb bewirtet.

Eine Woche später fand die Dillinger Kerb auf der Festmeile in der Dillinger Straße statt. Livemusik gab es, und nicht zu vergessen das „Krummgasskegeln“ und den „Dillinger Fünfkampf“. Sonntags traf sich alles zum Frühschoppen und der Neubürgertaufe am Dillinger Brunnen.

Seit 1976 gibt es die Dillinger Kerb. Damals bestand das erste Dillinger Kerbekommitee aus elf Leuten und neben dem Comedian Mike Krüger war auch das ZDF dabei. Zum Dillinger Kerbekommitee gehörten unter anderem Arnold Löw und Karl-Heinz Halbig, die heute, nach 44 Jahren, die Kerb wegen der Corona-Pandemie ausfallen lassen müssen. „Es ist schade, aber was sollen wir machen“, bedauert Arnold Löw, „Alle Veranstaltungen und Kerben sind derzeit abgesagt. Wir nehmen es so, wie es ist.“

Die Herren haben sich kürzlich am Dillinger Brunnen getroffen und außer Löw und Halbig haben sich auch Frank Kunz von den „Dillinger Freunden“ sowie Kerbebursche Marc Halbig eingefunden. Während Löw die Situation so hinnahm, wie sie nun mal ist, kam die Idee auf, am Tag des eigentlichen Kerbebaumaufstellens die Dillinger Fahne zu hissen. „Ja, das machen wir“, hieß es einstimmig, „Und vielleicht hängen wir noch einen Bembel dazu.“

So wird am Samstag, 18. Juli, um 16 Uhr die Fahne in der Dillinger Straße gehisst. Das haben die vier Mannen am Dillinger Brunnen kurzerhand beschlossen. „Anschließend ist ja unser Dillinger Brunnentreff“, freut sich Löw, „Da werden beim Äppelwoi immer die Neuigkeiten ausgetauscht.“

Trotz allem hofft der „Oberbürgermeister von Dillingen“ Arnold Löw, dass die Kerb im nächsten Jahr wieder zelebriert werden kann. Den Titel „Oberbürgermeister“ lehnte er sofort ab: „Ich bin hier nichts“, sagte er. Doch die anderen am Dillinger Brunnen sehen das anders. Löw ist bei der Kerb sehr aktiv und nahm bisher die Neubürgertaufe vor. „Zumindest bist du hier der Hausmeister“, hieß es, wobei unter Gelächter gleich der Zwischenruf kam: „Das heißt heute ‚Facility Manager‘.“ Löw winkte schmunzelnd ab. Er hofft jedoch, und da schlossen sich die Anderen an, dass im nächsten Jahr die Dillinger Kerb wieder gefeiert werden kann: „Ich gehe davon aus, dass dies dann gut 3000 Dillinger freuen wird.“

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