„Und nach der Show eine kleine Sex-Party“

Friedrichsdorf (fch). Auch „Baby-Boomer“ wie Hans Gerzlich werden älter. Und so stellt der frischgebackene „Best Ager“ beim Blick in den Spiegel plötzlich fest, dass der Zahn der Zeit auch an ihm nagt: „Am Tag als ich die Brille bekommen habe, hatte ich plötzlich Falten.“ Hemd und Hosen spannen und die Fitness lässt nach. Anlass für den Kabarettisten und Comedian in seinem aktuellen Programm „Ich hatte mich jünger in Erinnerung“ der Sache mit dem Älterwerden auf den Grund zu gehen.

Und so bilanzierte er selbstironisch und augen-zwinkernd zum Vergnügen seiner Fans, die Tücken und Freuden seines neuen Lebensabschnitts. Ein Gag jagte den anderen und dem Publikum im Forum Köppern blieb zwischen den Lachern kaum Zeit zum Luftholen. „Willkommen zum Kabarett-Comedy-Abend zum Thema älter werden. Älter werden heißt Veränderung“, stimmte er das Publikum auf das Kommende ein. Seine Zuhörer kamen in den Genuss eines Programms, bei dem Hans Gerzlich mal witzig, mal nachdenklich das alle betreffende Lebensthema erörterte und zurück auf seine Jugend blickte. „Veränderung bedeutet unter anderem, dass wir noch keine „Selfie-Sticks“ hatten. Und so musste der Hässlichste das Foto machen und der Dickste ins Tor. Das war damals noch politisch korrekt.“ Gerzlich sei entsetzt gewesen, als er plötzlich festgestellt habe, dass er im selben Jahr geboren sei wie „alte Leute“. In den Werbepausen seiner Lieblingssendung würden keine verführerischen Aftershaves und rasante Sportwagen mehr angeboten, sondern Granufink, Voltaren und Wärmepflaster.

Außen 50, innen 20, fragte sich der Komödiant „Wann fängt das Leben endlich an?“, da sei aber schon wieder die „persönliche Renteninformation“ ins Haus geschneit. Und der gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und diplomierte Wirtschaftswissenschaftler rechnete aus: Wenn er mit 67 in Rente ginge, könne er davon recht komfortabel leben – für elf Tage! Deshalb hoffe er auf Erhöhung des Flaschenpfands. Zudem habe er Bücher übers Älterwerden wie „Wenn Happy und Birthday getrennte Wege gehen“ gelesen.

Gerzlich nahm die Herausforderungen des Alterns mit einem Augenzwinkern und viel Selbstironie aufs Korn. Er thematisierte das Verdrängen des eigenen Ablebens, dachte laut übers Testament machen und Beerdigungen nach. Schlagfertig, frech und pointiert sezierte er seine Besuche bei verschiedenen Ärzten wie dem Urologen und dem Augenarzt. Die niederschmetternde Diagnose des Hausarztes zu seiner Kurzatmigkeit lautete „Bluthochdruck“. Weshalb er seine Ernährung umstellen und Ausdauersport treiben solle. „Ich habe nie damit gerechnet, dass ich Joggen gehen würde. Und ich habe Recht behalten.“ Also habe ihn sein Weg ins Fitness-Studio geführt. Was er dort erlebt habe, schilderte er seinen Zuhörern anschaulich: „Antibiotika nehme ich mit Schweinefleisch auf. Bei Kratzen im Hals, brate ich mir gleich zwei Kotelett in der Pfanne.“ Im nächsten Moment versprach er: „Nach der Show machen wir noch eine kleine Sex-Party. Ich bin gespannt, wer mich kriegt.“ Zudem wägte er zwischen Lebenserwartung und Rente ab: „Was wir brauchen sind Seniorenklappen. Babyklappen brauchen wir nicht, denn Babys gibt es keine mehr.“ Er sinnierte über verpasste Chancen wie „In meinem Alter hatte Elvis schon 40 Nummer Eins-Hits. Und war bereits zwölf Jahre tot.“ Das Leben sei zu kurz, um den verpassten Chancen nachzutrauern. Zu seinen humorvollen Erkenntnissen gehörten scharfe Beobachtungen wie „Friedrich Merz waren wir doch schon mehrfach los, aber die Mumie kehrt zurück“ und „Angela Merkels Politik war in etwa so gradlinig wie Harald Juhnkes Nachhauseweg in seiner besten Zeit.“

Komödiant Hans Gerzlich betreibt in seinem neuen Programm eine unterhaltsame Nabelschau und blickt dabei mit seinen Fans über den Tellerrand hinaus.Foto: fch



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