Kelkheim (kez/ju) – Seit November gibt es an der Richter-Schule ein neues Bildungsangebot, auf das viele Familien lange gewartet haben: Erstmals findet dort Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU) in Tigrinya statt. Dieses Angebot ermöglicht Kindern, ihre Muttersprache nicht nur im Alltag zu sprechen, sondern sie auch systematisch zu erlernen – mit Alphabet, Grammatik und Schriftbild.
Die Einrichtung des Kurses war alles andere als selbstverständlich. Tigrinya gehört nicht zum offiziellen Sprachenangebot des Landes Hessen, daher gab es weder Rahmenstrukturen noch staatlich bereitgestellte Lehrkräfte. Die Initiatorinnen und Initiatoren vom Ausländerbeirat mussten selbst auf die Suche gehen, Material zusammentragen und den Unterricht organisatorisch von Grund auf aufbauen.
Mittlerweile ist das gelungen: Drei engagierte Lehrkräfte übernehmen den neuen Kurs. Yosief und Teklit, beide ausgebildete Lehrer aus Eritrea, sowie Million Tess, ein motivierter Quereinsteiger mit sicherer Sprachkompetenz.
Der Ausländerbeirat begrüßt das Projekt ausdrücklich. Viele Kinder wachsen zweisprachig auf, können Tigrinya aber häufig nicht lesen oder schreiben. Ohne systematische Förderung droht der Zugang zur eigenen Herkunftssprache mit den Jahren schwächer zu werden. Der neue HSU-Unterricht schafft daher einen geschützten und motivierenden Lernraum, in dem die Kinder spielerisch Lesen und Schreiben lernen und zugleich mehr über die Kultur ihrer Familien erfahren.
Dass der Bedarf groß ist, zeigt auch der Blick auf andere Schulen. An der Grundschule Sindlinger Wiesen läuft bereits erfolgreich ein Türkisch-HSU, unterstützt durch das türkische Konsulat. Für Arabisch besteht ebenfalls hoher Bedarf: Rund 30 Kinder stehen schon auf einer Interessentenliste. Obwohl Arabisch im Landesprogramm vorgesehen ist, fehlen landesweit Kapazitäten – bisher gibt es nur zwei Standorte, in Frankfurt und Offenbach.
Deshalb wird weiterhin nach Menschen gesucht, die Arabisch sicher sprechen und sich vorstellen können, als Lehrkraft einzusteigen. Pädagogische Vorerfahrung ist willkommen, aber nicht zwingend erforderlich – wichtig sind vor allem Zuverlässigkeit und Freude an der Arbeit mit Kindern.
Kontakt für Interessierte:
Salome Korschinowski, Tel. 0157-30987473
