Falkenstein (as) – Das Open-Air-Kinowochenende auf Burg Falkenstein darf sich bei seiner dritten Auflage bereits als Event mit einer gewissen Tradition fühlen. Jeweils am Ende des letzten Ferienwochenendes verwandelt der Heimatverein Falkenstein die Ruine zu einer Freiluftbühne für alle: Für Kulturfreunde, für Cineasten, für Familien mit Kindern zu einem großen Treffpunkt, für viele ist es das erste Wiedersehen nach der Urlaubszeit.
Wie beliebt die Veranstaltung gerade an diesem Ort ist, darüber stimmten viele Falkensteiner und einige Gäste von außerhalb wieder eindrucksvoll mit den Füßen ab. An den beiden Kinoabenden am Freitag und Samstag war die Burg bis zur erlaubten Kapazitätsgrenze gefüllt. Orgachef Christian Heidbrink führte genau Buch. Nur das Konzert am Donnerstag hätte noch ein paar Gäste mehr verdient gehabt, denn die Rockabilly-Musik der Kelkheimer Band „Frankfurt Special“ war nach Aussagen aller Anwesenden spitze und animierte nicht wenige auf der Wiese, wo einen Tag später die Leinwand stehen sollte, zum spontanen Tanz.
„Ich kenne hier fast jeden“, freute sich Philipp Thiemayer, Vorstandsmitglied des Heimatvereins am Freitagabend beim Blick über die dicht besetzten Wiesen und Hänge innerhalb des Burgareals, das sich fast wie ein Amphitheater hin zur Leinwand nutzen lässt. Die schöne Burg werde so endlich wieder genutzt, meinte Thiemayer – und sein Dank ging auch an die Stadt, die die Burgmauern von allzu wild wucherndem Grün befreit hatte und der Feuerwehr, die bei Waldbrandgefahr der Stufe 4 vorsorglich einen Löschschlauch vom Hydranten am Fuß des Burgbergs hinauf verlegt hatte. Auf der Burg selbst herrschte mit Ausnahme der Stehtische Rauchverbot. Der Heimatverein hatte zudem die Wasserleitung in Form eines Schlauchs hinauf aus Alt-Falkenstein wieder hergestellt, den es zu Zeiten der Kellerfeste des MGV gab und der irgendwann von den Bäumen heruntergerissen wurde.
Viele hatten Sitzgelegenheiten und Decken mit hoch zur Burg geschleppt, versorgten sich mit Mitgebrachtem oder nutzten die Getränke- und Speiseangebote des Heimatvereins und verkürzten sich die Wartezeit mit Gesprächen und mit Blicken auf die zu dieser Stunde in der Abendsonne noch goldgelb leuchtende Skyline Frankfurts, bis der Film mit einbrechender Dunkelheit um 21.30 Uhr beginnen konnte.
Die Filmauswahl, die der Heimatverein getroffen hatte, erfüllte den Anspruch, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Und wie im vergangenen Jahr mit Bär Paddington ging es erneut tierisch zu, mit dem Pinguin Juan Salvador, dem eigentlichen Hauptdarsteller des Freitagfilms „Der Pinguin meines Lebens. Die wahre Geschichte einer unwahrscheinlichen Freundschaft“.
Der Heimatverein machte damit den letzten Ferientag zu einem Kindertag, auch wenn es sich nicht wirklich um einen Kinderfilm handelte. Tamara Wolf hatte mit einigen Helferinnen ein interaktives Spiel mit fünf Aufgaben ganz im Zeichen des Pinguins entwickelt und „mit Hilfe der KI“ ein tolles Begleitheft erstellt. So mussten die Kinder mit Schwimmflossen einen Parcours „abwatscheln“, beim Zielwerfen einen Pinguin ins offene Maul füttern und auf der gesamten Burg versteckte Buchstaben finden, um letztlich das Lösungswort herauszubekommen. Da fast bis zum Schluss das „L“ fehlte, hätte auch noch „Frankenstein“ herauskommen können – doch das findet ja bekanntlich auf einer anderen Burg im Stadtgebiet statt. Für alle Teilnehmer gab es am Ende einen schönen Button mit dem Pinguin, der auf Burg Falkenstein unterwegs ist. Den Hauptpreis, einen Spielzeug-Pinguin, der den ganzen Abend am Kassentisch gesessen hatte, bekam aber Vincent, der an diesem Tag seinen sechsten Geburtstag feierte. Woraufhin Evi Dorn, die Vorsitzende des Heimatvereins, noch ein „Zum Geburtstag viel Glück“ für das Publikum anstimmte, das dann singend die Glückwünsche überbrachte.
Und dann war die Zeit gekommen für die wahre Geschichte des Pinguins, den sein Retter Tom Michell an einem Strand in Punta del Este in Uruguay ölverschmiert gefunden und dem er den Namen Juan Salvador gegeben hatte – um mit dieser Identität in die Rolle des Seelenretters zu schlüpfen. Der vom Leben desillusionierte Michell nahm den Vogel, der ihm nicht mehr von der Seite weichen wollte, mit in das Jungen-Internat in Argentinien, in dem er zu dieser Zeit im Jahr 1976 gerade als Englischlehrer angeheuert hatte und hielt ihn dort zunächst heimlich auf seinem Balkon. Doch als vor dem Hintergrund der Putschs der Militärjunta gegen die Demokratie die sozialen Differenzen im Klassenraum immer feindseliger ausgetragen wurden, Bedienstete des Internats wegen ihrer politischen Gesinnung von der neuen Regierung auf offener Straße entführt wurden, wagte Michell den Versuch, den Pinguin auch im Klassenraum im Unterricht einzusetzen – und erreichte damit die Seelen seiner Schüler und verbesserte damit ganz nebenbei deren bis dahin miserable Noten. Denn Pinguine, auch das wurde im Film deutlich, sind gute Zuhörer. Ein wunderbarer Film mit einem – für alle, die ihn noch sehen wollen – guten, aber auch traurigen Ende.
Am letzten Tag gab es dann noch ein Stück deutsche Geschichte im Open-Air-Kino zu sehen, allerdings die in den Kontext des Mauerfalls gesetzte fiktive Geschichte „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ von Filmemacher Wolfgang Becker nach der Romanvorlage von Maxim Leo.
Gezeigt wurden die Filme in diesem Jahr erstmals vom Team Sky Cinema Taunus, nachdem sich der Kinoverein Kelkheim aufgelöst hatte. Die Technik-Anlage hat das ehemalige Mitglied Milena Häusler, die auch in den Kinos Kelkheim und Kronberg mitarbeitet, gemeinsam mit Ehemann Oliver übernommen. 16 Veranstaltungen machen die Fischbacher, die als Kino gemeldet sind, in diesem Jahr, vor allem im Taunus, zum Beispiel in Oberursel und auch auf der Eppsteiner Burg. Die Anfahrt sei aber an keinem Ort so schwierig gewesen wie in Falkenstein, für die steile Auffahrt habe man sich von Freunden extra einen Pick-up leihen müssen. Dass auf der Ruine die Bedingungen etwas härter sein können, das merkten sie – wie alle Besucher auch – am Freitagabend, als bei einem kühl auffrischenden Wind im Verlauf des Films die zitternde Leinwand zeitweise festgehalten werden musste.
Aber so etwas gehört bei einem Open Air auch irgendwie dazu. „Wir wollen es weiter ausbauen, es macht uns einen Riesenspaß, Kino ist auch unser Hobby“, erzählten Milena und Oliver Häusler. Vielleicht kommen sie auch mit dem Heimatverein Falkenstein wieder ins Geschäft. Am Wochenende wurde schon mal laut über ein Winter-Open-Air mit dem Film „Die Feuerzangenbowle“ und einem Weihnachtsmarkt nachgedacht – aber sicher noch nicht in diesem Jahr. Der Verein hat ja auch noch zwei Jahre Zeit, ehe er 150 Jahre alt wird und – neben all seinen bestehenden Aktivitäten – bestimmt wieder etwas Besonderes auf die Beine stellen wird.





