Tag der offenen Tür: Sankt Angela-Schule

Königstein (kw). Das war ein ungewöhnlicher Samstagvormittag in der Gerichtstraße in Königstein: Zahlreiche Familien strömten mit ihren Kindern zur Sankt Angela-Schule. Auf dem Schulgelände herrschte reges Treiben: Infostände, Besuchergruppen, dazwischen Schülerinnen aller Jahrgangsstufen – die Mädchenschule öffnete ihre Türen und zeigte sich von ihrer lebendigsten Seite.

Lehrkräfte und Schülerinnen waren im Einsatz, um interessierten Eltern und deren Töchtern die staatlich anerkannte Privatschule näherzubringen. Das Ziel: einen authentischen Eindruck vom Schulalltag, der Atmosphäre und dem pädagogischen Konzept vermitteln.

Rund 300 Familien hatten sich angemeldet. Die Eltern sollen an einem solchen Tag ein Gefühl für die Schule bekommen, die Lehrerinnen und Lehrer kennenlernen und vor allem: Die Mädchen müssen entscheiden, ob sie sich an der Schule wohlfühlen. Am Ende des Auswahlverfahrens werden voraussichtlich etwa 150 neue Fünftklässlerinnen aufgenommen.

Dieser Tag beginnt traditionell mit einem Impuls in der Kirche des Ursulinenklosters. Die katholische Schule steht zu ihren Wurzeln, ist aber längst zugänglich für Kinder aller Konfessionen. „Wir begegnen gesellschaftlichen Veränderungen mit Offenheit“, sagte Julia Döller, Realschulleiterin der St. Angela-Schule. Dennoch erwartet die Schule ein klares Bekenntnis zum christlichen Wertefundament. Ethikunterricht gibt es nicht – stattdessen katholischen oder evangelischen Religionsunterricht, der von jeder Schülerin besucht wird.

Schülerinnen der E-Phase (Jahrgangsstufe 10 und 11) führten ihre potenziellen neuen Mitschülerinnen über das Schulgelände, durch die modernen naturwissenschaftlichen Fachräume und begleiteten sie zum Schnupperunterricht in Englisch und Französisch. Letzteres kann an der SAS sogar als erste Fremdsprache gewählt werden – für viele Viertklässlerinnen Neuland. Im „Atelier français“ entdeckten sie aber spielerisch, dass ihnen Begriffe wie Crêpe, Baguette oder Croissant längst vertraut sind.

Auch die AGs präsentierten sich kreativ: Die Garten-AG verkaufte selbstgemachte Marmelade, im Biologieraum durften die „Haustiere“ der Schule – Stabheuschrecken, Wüstenrennmäuse und Fische – bestaunt werden. Gleich nebenan zeigte die Imker-AG, wie ein Bienenjahr an der SAS aussieht und bot Honig und Kerzen unter dem Label „Uschi-Gold“ an. Der Erlös fließt in Bildungs- und Umweltprojekte in Sambia, wo Bienenkästen Bäume vor Abholzung schützen und den Menschen wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. „Wir wollen vermitteln, dass es nicht überall so privilegiert zugeht wie bei uns“, erklärte Imker und ehemaliger Kollege Klaus Herrmann. „Im Grunde leben wir in Deutschland wie im Paradies.“

Während die Schülerinnen ihre Schule vorstellten, zeigten die Lehrkräfte den Eltern besondere Orte wie die schuleigene Bibliothek, die Musikräume oder den Makerspace – ein kreatives Zentrum für MINT-Projekte. Hier nutzt die Schülerfirma den Lasercutter für ihre Produkte und die STEM-Racing-Teams fertigen ihre Rennwagen mit dem 3D-Drucker. Man merkt: Die katholische Mädchenschule geht mit der Zeit, ist technikaffin und alle sind mit Herzblut dabei.

In Gesprächen mit den Eltern standen auch praktische Fragen im Fokus: Wie sieht es mit Unterrichtsentfall aus? Gibt es eine Nachmittagsbetreuung? Die Antworten fielen überzeugend aus: Für Schülerinnen der Sekundarstufe I besteht Unterrichtsgarantie am Schulvormittag und die pädagogische Mittagsbetreuung steht den Schülerinnen bis 16 Uhr zur Verfügung.

Das Gymnasium ist seit drei Jahren ein reines G9-Modell. Die meisten Kinder starten mit Englisch, doch auch Französisch wird – unterstützt durch drei Partnerschulen im französischsprachigen Raum – intensiv gefördert. Als weitere Fremdsprachen stehen zudem Latein und Spanisch zur Wahl. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den MINT-Fächern. „Es ist beeindruckend, wie vielseitig Kinder hier gefördert werden“, sagte ein Vater im Gespräch.

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal in Königstein ist der Realschulzweig der SAS. Hier wurde das Konzept S.T.A.R.C.K. ab Jahrgangsstufe 7 etabliert: unter anderem mit Lese-Förderstunden, Präsentationstraining, Zehn-Finger-Schreiben auf dem PC und der Gründung einer Schülerfirma in Klasse 9. Dass für viele Realschülerinnen nach ihrem Schulabschluss auch das Abitur möglich ist, beweisen die Zahlen: Über 90 Prozent der Realschulabsolventinnen der SAS qualifizieren sich für die Fachoberschule oder die gymnasiale Oberstufe.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Leseförderung: Die schöne Schulbibliothek unter dem Dach von Haus C bietet nicht nur Fach- und Fremdsprachenliteratur, sondern auch eine große Auswahl aktueller Jugendbücher. Laptops stehen für digitales Arbeiten bereit, die Bibliothek ist täglich bis 15 Uhr geöffnet und bietet einen Rückzugsort zum Lesen. Jüngere Schülerinnen lassen sich gerne von Bibliothekarin und Literaturpädagogin Gabriele Fachinger vorlesen – sie ist das Herz der Bibliothek. „Es ist das A und O, dass Kindern vorgelesen wird“, betonte sie. Ihr Engagement trägt Früchte: Der schuleigene Leseclub gewann unter anderem im letzten Jahr mit seinem Podcast den „Bücheralarm-Award“ der Leipziger Buchmesse. Am Tag der offenen Tür präsentierte er auf kreative Weise seine aktuellen Favoriten: „Alea Aquarius“, „Schön wie die Acht“ und „12 Stockwerke. Mein unglaubliches Zuhause am Ende der Welt“.

Während aus dem Treppenhaus die Klänge der Bläserklasse nach oben stiegen, zog die nächste Besuchergruppe weiter – neugierig, was es noch zu entdecken gab. An jeder Ecke war etwas los, kaum alles an einem Tag zu erfassen. Doch viele der kleinen Gäste wollen wiederkommen – dann für sechs bis neun Schuljahre. „Cool fand ich, dass es ein eigenes Schwimmbad gibt und Flynn – total süß und gut erzogen“, sagte Rika, eine der Viertklässlerinnen. Sie meinte damit den speziell ausgebildeten Labrador von Schulsozialarbeiterin Lea Schlesinger, die im Team mit der psychosozialen Beraterin Sina Gerritzmann den Schülerinnen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die Sankt Angela-Schule zeigte an diesem Tag eindrucksvoll, wie sie auf aktuelle Herausforderungen im Bildungswesen reagiert: mit einer gelungenen Verbindung aus gelebter Tradition und innovativer Pädagogik.

Elternführung mit Besuch am Stand der Garten AG.Foto: Rosenbaum

Viertklässlerinnen bestaunen eine Stabheuschrecke. Foto: Rosenbaum

Weitere Artikelbilder



X