Mammolshain (iba) – In der Musikgeschichte wurden ja schon vielerlei Pflanzen besungen: Die Comedian Harmonists huldigten ihrem kleinen grünen Kaktus, Nana Mouskouri besang die Schönheit weißer Rosen aus Athen, und jeder, der etwas auf sich hält, sollte wissen, was für eine Art Baum da „Am Brunnen vor dem Tore“ steht.
Aber von einem solchen Baum hatte wohl noch niemand gehört, nicht in Mammolshain, nicht irgendwo sonst auf der Welt: Am Samstag hatte Rainer Weisbecker beim Apfelweinanstich – passenderweise – sein Lied über den Apfelweinbaum (im hiesigen Idiom: „Äbbelwoibaam“) im musikalischen Gepäck. „Das war eigentlich ein Zufall: Bei einem meiner Freunde ist der Äppler offenbar so sehr im Gehirn verankert, da gibt es schlicht keinen Apfelbaum, sondern nur den Apfelweinbaum. Daraus habe ich dann ein Lied gemacht.“
Apfelsecco, Apfelsäfte, Apfelweineund Äpfelweinbäume
Gegen 12.30 Uhr wurden die Tore der OGV-Halle geöffnet, selbige füllte sich dann recht schnell – jeder wollte einen der begehrten Sitzplätze ergattern. Der Andrang war tatsächlich so groß, dass die Organisatoren in weiser Voraussicht daran gedacht hatten, auch auf der Empore Tische und Bänke aufzubauen. Um 13 Uhr ging die Veranstaltung mit dem ersten Fassanstich auch offiziell los, sogleich bildete sich eine Schlange am Tresen, alle wollten ein Gläschen kosten. Allerdings gab es nicht nur Apfelwein, für verantwortungsbewusste Autofahrer gab es naturtrüben Apfelsaft, für die etwas Extravaganten einen prickelnden Apfelsecco.
Wer Hunger mitgebracht hatte, kam ebenfalls nicht zu kurz, Schlachtplatte und Grünkohl oder (für die Fleischlosen) ein vegetarisches Kartoffelspinatgratin stellten sicher, dass niemand auf leeren Magen trinken musste.
Um 14 Uhr war Rainer Weisbecker das erste von insgesamt zwei Malen dran. Der Mann aus Niederrad, der sich schon seit den frühen 70ern als Liedermacher verdingt, als Teenager tatsächlich an der Akkordeon-Weltmeisterschaft in Luzern teilnahm und auch schon im Fernsehen beim Hessischen Rundfunk zu sehen war, sang nun also vom erwähnten Apfelweinbaum – und animierte die Anwesenden zum Mitmachen und Mitsingen. Spätestens nach der zweiten Strophe stiegen viele der Anwesenden beim Refrain mit ein, sangen überschwänglich von der Spezies Baum, die sie selbst fünf Minuten vorher noch gar nicht kannten und fingen wie selbstverständlich an zu schunkeln – man merkt, dass die Fastnachtssaison begonnen hat.