Der Heimatverein hat wieder eine Zukunft

Das Projekt Verjüngung des Heimatvereins Mammolshain läuft an: (v.l.) Thilo Maier, Marton Reul, Sebastian Starosciak mit Partnerin Nastja (und Sohnemann), Julia Berger, Christian Müller und Martin Igges, neuer Vorsitzender auf Zeit Foto: Schramm

Mammolshain (as) – Das schlimmste Szenario ist nicht eingetreten. Der Heimatverein Mammolshain wird weiter bestehen. Nach den Zeitungsartikeln in der Taunus Zeitung und der Königsteiner Woche, die die gesamte Dramatik des seit Spätherbst ohne Vorstand dastehenden Vereins überdeutlich gemacht hatten, ist ein Ruck durch den Ort gegangen. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche, der letzten Chance zur Rettung des 1990 gegründeten Vereins, präsentierten sich sechs Interessenten mit ihren ersten Ideen zur Weiterführung des Vereins mit seiner in der Dorfstube ausgestellten historischen Sammlung zur Ortsgeschichte. Allesamt jüngere und junge Leute, zum Teil Neubürger, die die dringend erforderliche Verjüngung in der Mitgliederschaft in der Tat bewerkstelligen könnten.

Noch einmal hatte der zurückgetretene Vorsitzende Bernd Hartmann zu der Versammlung ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Und wie sehr das Schicksal des Vereins interessierte, zeigte sich schon daran, dass alle Stühle rund um den quadratischen Versammlungstisch komplett besetzt waren. 22 Mammolshainer erschienen, 13 Mitglieder und neun Gäste, darunter auch fünf der sechs frischen Interessenten an der Mitarbeit im Vorstand. „So viele waren wir noch nie“, freute sich Martin Igges – der erst kürzlich zum Schriftführer des Vereins gewählte Vereinsringchef, der die Versammlungsleitung bald von Bernd Hartmann übernommen hatte.

Eigentlich hatte Igges befürchtet, dass er sich an diesem Abend zum Vorsitzenden würde wählen lassen, um gemeinsam mit Kassenwart Thilo Maier – dem einzigen Verbliebenen des Altvorstandes – den Verein abzuwickeln. Beim einzigen offiziellen Tagesordnungspunkt des Abends, der Wahl des Vorsitzenden, kam es auch zu Teil eins dieses Plans. Igges kandidierte auf Vorschlag von Wahlleiter Jörg Pöschl zum Vorsitzenden und wurde einstimmig von den wahlberechtigten Mitgliedern gewählt, womit der Heimatverein – der nur durch den 1. Vorsitzenden zusammen mit einem weiteren Vorstandsmitglied vertreten werden darf – wieder handlungsfähig ist.

Der unangenehmere Teil des Plans, den Verein auflösen zu müssen, bleibt Igges und Maier erspart – dank der Motivation der Mammolshainer, den Verein weiter tragen zu wollen. So zum Beispiel Martin Reul, mit 29 Jahren der Jüngste des Sextetts. „Der Verein hat mega viel Potenzial, mit dem Thema Geschichte kann man viel machen“, sagte der gebürtige Mammolshainer, der sich als Erster den Mitgliedern vorstellte. Er ist übrigens der Einzige der Neuen, der im Ort aufgewachsen ist. Julia Berger, die aus Frankfurt kommt und seit 2021 in Königsteiner Stadtteil lebt, gab zu Bedenken, dass es in jedem Örtchen einen Heimatverein gebe. „Das darf nicht passieren, dass der Verein geschlossen wird“, so ihre Meinung, deswegen möchte sie bei den kommenden Treffen dabei sein und „schauen, wie ich helfen kann“.

Eine neue Heimat gefunden

Schon fünf Jahre länger im Ort lebt Sebastian Starosciak, ist bereits im Feuerwehrverein engagiert und möchte mit seiner Partnerin Nastja ebenfalls unterstützen. Über die Feuerwehr habe er sehr schnell Anschluss im Ort gefunden, sein Idee ist, den Heimatverein „integrativ aufzubauen“ und mit anderen Vereinen „Schnittstellen“ zu finden. Seine Frau sprach gar davon, sich nach dem Umzug aus Bad Vilbel in Mammolshain „verliebt“ zu haben. Sie habe in kurzer Zeit hier eine neue Heimat gefunden. „Hier ist Leben und das wollen wir erhalten.“

Aus der bayerischen Metropole München ist Christian Müller mit seiner Frau Marcela vor fünf Jahren nach Mammolshain gezogen. Auch er habe sich sehr schnell „sehr wohl gefühlt“, sei gerne bei Veranstaltungen dabei, auch bei jenen des Heimatvereins. „Es ist schön, mehr vom Ort kennenzulernen. Die Vergangenheit ist wichtig für den Zusammenhalt.“

Alles Worte, die den Mitgliedern Respekt und Bewunderung abverlangten, immer wieder gab es Applaus. Die Hoffnung besteht, dass die frischen Ideen, gepaart mit der Heimatkenntnis der Altmitglieder wie Bernd Hartmann und der bisherigen zweiten Vorsitzenden Ingrid Reimer, die in der Übergangsphase mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen, den Heimatverein in eine sichere Zukunft führen werden. Nach einer ersten gemeinsamen Erkundung der Dorfstube noch am Abend geht es in die ersten Besprechungen. Man will sich Zeit nehmen, die Aufgaben neu zu verteilen, ehe die Vorstandsposten ein weiteres Mal neu gewählt werden. Um dann für hoffentlich einen langen Zeitraum stabil besetzt zu sein ...



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