Schnaadem-Hymne erklingt bei Prunksitzung und der Kuckuck hat’s geseh’n

„Bella Napoli“ mit dem Männerballett – ein Höhepunkt für die LachmuskelnFotos: Diehl

Schneidhain (nd) – „Du bist der geilste Ort der Welt, bist unser Leben und alles was zählt. Hier in der Halle sind wir nie allein. In Schnaadem, da bin ich daheim“ – die Schnaademhymne erklang am vergangenen Samstag in der Schneidhainer Heinrich-Dorn-Halle. Zahlreiche Närrinnen und Narren hatten sich dort zur großen Kostümsitzung versammelt, die vom Heimat- und Brauchtumsverein (HBV) ausgerichtet wurde. Seit seiner Gründung im Jahr 2017 hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, kulturelle Ereignisse, die eng mit dem Brauchtum verwachsen sind, zu bewahren – beim HBV ist immer was los.

Bella Napoli mit Männerballett

Natürlich darf bei einer Faschingssitzung ein ausgewogenes Tanzprogramm nicht fehlen. Los ging es mit den Lollipops, denn der erste Auftritt des Abends gehört immer den jüngsten Karnevalisten des Vereins. Die Mädels im Alter von sechs bis acht Jahren hatten eine tolle Choreografie einstudiert, die nicht nur ihre Eltern begeisterte. Die Bambinis zeigten ebenfalls eine grandiose Darbietung. Sie hatten Fächer, die im Dunkeln leuchteten, in ihr Programm integriert. Einen eher traditionellen, aber genauso schönen Tanz präsentierten die Sweet Angels. „Mir macht das Tanzen sehr viel Spaß, alle im Verein sind sehr nett“, erzählte Valentina Cappello, Mitglied der Sweet Angels.

Bei den Tanzgruppen des HBV gibt es Platz für Bühnenakrobaten jeden Alters. Alle ab einem Alter von 18 Jahren finden ihren Platz bei den Schnaadem City Girls und den Kuckucksweibern. Ihre fulminanten Vorführungen gegen Ende der Sitzung heiterten die Stimmung noch weiter auf. Der absolute Höhepunkt für die Lachmuskeln war jedoch das Spektakel, welches das Männerballett lieferte. Traditionell schritten sie zu AC/DCs „Hells Bells“, verhüllt in Richtung Bühne, damit die Zuschauer die eigentlichen Verkleidungen noch nicht erkennen konnten. Um das aktuelle Motto des Männerballetts wird nämlich immer ein großes Geheimnis gemacht. In diesem Jahr stand alles im Zeichen von „Dolce Vita“. Mit Pizza-Kartons und Italien-Flaggen gaben die Männer zu Hits wie „Azzurro“ und „Bella Napoli“ auf der Bühne alles. Das Publikum ließ es sich nicht nehmen, lauthals mitzusingen und seinerseits zu tanzen.

Der Kuckuck sieht alles

Das Protokoll wurde auch in diesem Jahr von Marco Montana und Dr. Michael Pfeil verlesen, den beiden langjährigen Moderatoren der Sitzung. Sie nahmen alles, was rund um „Kuckuckshausen“ passierte, aufs Korn. Der erste Punkt auf der Agenda war der Tanz in den Mai in Falkenstein. Das Fest wurde von den Protokollanten hochgelobt, sorgte jedoch für Erstaunen. „Wir konnten es nicht glauben, trauten nicht mal unseren eigenen Augen“, resümierte Michael Pfeil. So war im vergangenen Jahr keine Falkensteinerin Weinkönigin geworden, sondern mit Julia I. eine waschechte Schneidhainerin. Sie ist die Tochter von Oliver Ernst, Zweiter Vorsitzender des HBV. Doch auch die Schnaademer Kerb im Juni fand Erwähnung im Protokoll. Es waren viele Jugendliche gekommen, die statt auf dem Kerbeplatz lieber auf den Bürgersteigen im Dorf feierten und jede Menge Unrat, auch in den Vorgärten der Anwohner, hinterließen. Die Jugendlichen seien auch in diesem Jahr herzlich zur Kerb eingeladen. „Feiert mit uns – net davor – das wäre toll“, baten die Protokollanten.

Die Wiesbadener Straße ist ebenfalls ein gängiges Thema beim Protokoll, ist sie doch als beliebte Rennstrecke bekannt. Das führt unter den Anwohnern zu einigem Unmut. Es ging so weit, dass des Nachts heimlich ein Schild mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h aufgestellt wurde. Dies sei wochenlang niemandem aufgefallen. Als es dann doch bemerkt wurde, musste das Schild weichen. Der „Übeltäter“ ist bis heute unbekannt. „Ein Blitzer, Tempo 30 oder gar nix – irgendwas wird schon gescheh’n und unsern Kuckuck hat’s gesehen“, kommentierten die Protokollanten.

Gedenken an Ordensspender

Normalerweise wäre an diesem Abend auch der Ordensspender auf die Bühne gerufen worden, doch diesmal sollte alles anders sein. Der Spender der diesjährigen Kampagne ist die Astro-Automaten GmbH. Deren Geschäftsführer Christoph Schwarzer, der gleichzeitig auch der Investor der Gaststätte „Zur Linde“ war, war im Januar, für alle unerwartet und plötzlich, verstorben. Schwarzer war Schneidhain und dem HBV eng verbunden. „Wir wollen uns bedanken, unser Mitgefühl aussprechen, nicht pietätlos sein, aber auch die Stimmung nicht zerstören“, erklärte Michael Pfeil. Es folgte ein leises und gedämpftes: „Schnaadem, Christoph Schwarzer, Ordensspender – Helau“, begleitet von lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations.

Abwechslungsreiche Reden

Ein ausgewogenes Programm mit vielen Redebeiträgen, aufgelockert durch die Tanzdarbietungen, machte den Abend kurzweilig. Wie schon in den vergangenen Jahren waren Ela van der Heijden und Nicole Hülsmann alias „Duo Gnadenlos“ mit von der Partie. Als Zeitreisende wunderten sie sich unter anderem über das Gendern.

Als ältere Damen traten Jens Werner, Kassenwart des HBV, und Moritz Grafe, aktueller Kerbevadder und Sohn der Ersten Vorsitzenden des HBV, auf die Bühne. Sie beklagten sich, dass sie im Metallalter angekommen seien. „Gold in de Zähne, Blei in de Knoche und Silbereisen uff de Ohre“, lamentierten sie.

Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko war in diesem Jahr mit einer eigenen kleinen Büttenrede dabei. Sie lobte den HBV und vor allem dessen Vorsitzende Christine Grafe-Vidakovich und den Zweiten Vorsitzenden Oliver Ernst. „Ein Duo, das weiß, wie es geht – weil man in Schneidhain zusammensteht“, so die Rathauschefin und Wahl-Schnaademerin.

Kein Fasching ohne Elvis

Es gibt keine Schnaademer Fassenacht ohne Elvis-Imitator Gerald Dinis. Der Entertainer ist ein absoluter Garant für gute Stimmung im Saal. „Heute ist meine letzte Station in dieser Fastnachtsrunde, und ich habe Euch richtig, richtig vermisst“, begrüßte Elvis das Publikum, ehe er mit seinen Hits die Stimmung zum Brodeln brachte.

Mit Ralf von Cleef zeigte auch ein Mitglied des Ortsbeirates sein musikalisches Talent. Er spielte neue und althergebrachte Hits auf der Gitarre. „Country Roads“, „Wär ich ein Möbelstück“ und viele weitere Partyknaller sorgten für ausgelassene Stimmung bei den Zuschauern. Spätestens bei „Oben gute Laune, unten gute Laune“ tanzten alle mit – die Bürgermeisterin machte es auf der Bühne sogar vor. Für den reibungslosen Ablauf von Sound- und Lichttechnik sorgten den kompletten Abend über Oliver Ernst, Adrian Klinger und Jens Werner.

Aliens gewinnen Kostümwettbewerb

Die Besucher hatten sich ebenfalls viel Mühe bei ihren Verkleidungen gegeben. Den ersten Platz beim traditionellen Kostümwettbewerb holte sich eine futuristische Gruppe von Aliens. Auf dem zweiten Platz folgten Peggy Bundy und auf dem dritten Platz Tutanchamun und Kleopatra. Sie mischten sich unter Mönche, Sultans und Krümelmonster.

Für Speisen und Getränke war auch bestens gesorgt. Käsevariationen und Gewürzgurken schmeckten besonders gut zu kühlem Bier und frischen Weinen.

Dieses Mal startete die Sitzung in Schneidhain schon um 18.11 Uhr, damit danach noch ordentlich gefeiert werden konnte. Und so wurde noch lange gesungen, getanzt und gelacht und wer weiß – vielleicht hat der Kuckuck doch nicht alles geseh’n.

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