Beim Regen gute Laune, im Schnee gute Laune,im Cabrio gute Laune, am Mikro gute Laune ...

Noten lesen, umblättern, Blasmusik spielen und laufen gleichzeitig: Der Fischbacher Umzug verlangte einem in Sachen Multitasking einiges ab.

Fischbach (iba) – Petrus hatte sich dieses Jahr eine Auszeit genommen. Konnten die verkleideten Närrinnen und Narrhalesen 2025 noch trockenen Fußes durch die Fischbacher Straßen ziehen, lag dieses Jahr der Fokus auf Regenschirmen, gutem Schuhwerk und wetterfester Kleidung. Ein paar Tage vorher hatte es noch ordentlich geschneit, der Schnee lag größtenteils noch am Straßenrand, beziehungsweise auf den Bordsteinen; nun nieselte es in unregelmäßigen Abständen den eher grauen Himmel herunter. Die Fischbacher ließen sich von dem trüben Wetter die Feierlaune aber nicht vermiesen, bei vielen Kostümen galt das Motto „Ein guter Look geht über Funktionalität!“.

Premiere im Cabrio

Der neue Zugmarschall Alexander Kalig hatte aber zumindest beim Start noch Glück, während er auf der Lehne des Cabrios sitzend den offiziellen Startschuss gab (und nur kurz mit dem Mikrofon haderte), blieb es zunächst trocken – zumindest in Sachen Timing spielte das Wetter mit. Es war die Premiere für Kalig, Marcel Schmitt hatte 2025 seine letzte „Ehrenrunde“ gedreht und das Zepter nun offiziell übergeben.

Racer, Minions, Krebse und Gallier

Dass Ruppertshain nun offensichtlich über ein stadtteileigenes Racing-Team eines bekannten Brauseherstellers verfügt, war wohl selbst den eingefleischten Ruppschern neu, die Herren- und Damenmannschaften des SV Fischbach hatten sich passend zu den Vereinsfarben als Grus Minions aus „Ich: Einfach unverbesserlich“ verkleidet, ein ganzes Dorf voll unbeugsamer Gallier zog ebenfalls mit um die Häuser (Troubadix durfte sogar ungefesselt und ungeknebelt mitlaufen!) und die „Sodener Karneval Gesellschaft 1948 e.V.“ hatte ganze Monatsrationen abgepacktes Popcorn dabei, für welches sich ausreichend dankbare Abnehmer fanden.

Über sieben Brücken musst Du gehen, unter der ander Staufenhalle steh‘n...

Mehrere Faktoren sorgten dafür, dass die Bushaltestelle am Bürgerhaus zu dem Sammelpunkt schlechthin wurde: Zum Ersten konnte man in Laufnähe türkische Fladenbrotvariationen käuflich erwerben und gesättigt weiter feiern, zum Zweiten standen die mobilen Hartplastik-Aborte direkt um die Ecke, zum Dritten waren unter der Brücke auch die empfindlichsten Kostüme gegen den hartnäckigen Regen geschützt und zum Vierten ging es – wie bei fast jeder Fastnachtsveranstaltung – um das Sehen und (beinahe noch wichtiger!) Gesehenwerden. Wer in München etwas auf sich hält, geht in das berühmt-berüchtigte „P1“ – wer in Fischbach etwas auf sich hält, steht beim Fastnachtsumzug unter der Brücke!

Nasse Finger und rote Bäckchen

Wer in die Gesichter der Kleinsten guckte, sah schnell, dass dem Fastnachts-Nachwuchs das Wetter im Grunde überhaupt nichts ausmachte: Kein Gemecker und Gemotze, kein „Mir ist ka-haaaalt!“, keine quengelnden „Ich will nach Hause“-Kinder, die an dem Ärmel der Eltern ziehen – viel zu groß war die Freude über den ellenlangen Umzug und über die unters Volk geworfenen Süßigkeiten. Wenn selbige dann und wann in einer Pfütze landen sollten, tat das der Sammelwut der Junioren keinen Abbruch, raus aus der Pfütze, rein in die Tüte, Hände abputzen, weiter machen!

Überstunden für Malteser,Polizisten und Reinigungskräfte

Ohne diejenigen, die auch in den stressigsten und hitzigsten Situationen einen kühlen Kopf behalten, sind solche Veranstaltungen undenkbar, ein besonderer Dank galt und gilt denen, die nicht die Hauptattraktion waren – aber trotzdem mittendrin waren.

Seien es die Polizisten in schwarz („Freunde, jetzt bitte mal alle runter hier, der Weg muss freibleiben!“), die Malteser in rot („Gib mir mal ein Pflaster, der Junge hier hat sich an der Coladose geschnitten.“) oder die Straßenreinigung in orange, die die Nachhut des Umzugs bildete und dafür sorgte, dass die Straßen so schnell wie möglich wieder sauber und befahrbar waren.

Auch wenn sich die drei letztgenannten Gruppen nicht unbedingt auf den Umzug 2027 freuen – sie werden wieder dabei sein und wieder Überstunden schieben. Für die Fastnacht, für Fischbach und für alle Fischbacher Feierwütigen.

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