Schneidhain (as) – Die Schneidhainer Dorfgemeinschaft trauert um ihren früheren Ortsvorsteher und Protokoller Karl-Ludwig Pfeil, um ein echtes „Urgestein“ des Stadtteils im besten Sinne. „KaLu“, unter diesem Spitznamen war er bekannt und beliebt, starb am 18. April im Bad Homburger Krankenhaus im Beisein seiner Familie, Ehefrau Renate, Sohn Michael und Tochter Claudia, im Alter von 80 Jahren. Dort verbrachte er nur die letzten zehn Tage, wichtig war ihm, so lange wie möglich bei seiner Familie gewesen zu sein. „Er ist überraschend schnell gestorben“, sagte sein Sohn Michael. Noch einen Tag vorher habe er mit ihm über „Gott und die Welt“ gequatscht, vielleicht auch über Themen für das nächste Fastnachts-Protokoll (diese Aufgabe hat er geerbt). Dass der Vater bis zum Schluss ansprechbar war, sei trotz des Verlustes tröstlich, so der Sohn.
Karl-Ludwig Pfeil war schon seit Jahren nicht mehr der Gesündeste, hatte sich in den vergangenen zwei Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, wenn er auch noch beim Schneidhainer Heimatkino oder auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen war. Sprechen wollte er darüber aber nicht so gerne. Wer ihn kannte, wusste aber Bescheid.
Sprechen kann man in einem Nachruf aber über sein Lebenswerk. Am 10. Mai 1945 als „Nachkriegskind der ersten Stunde“ in Seligenstadt geboren, kam er mit seinen Eltern als Kind nach Schneidhain. Er lernte Chemikant bei den damaligen Farbwerken, während der Zeit beim „Bund“ in Sonthofen lernte er seine spätere Frau Renate kennen. Sie heirateten 1968 in Schneidhain, aber erst nach acht Jahren kehrten sie 1972 – nun mit zwei Kindern – in Pfeils Elternhaus im Haintchen zurück. Für die Familie ging er zur Polizei, drückte mit 30 Jahren nochmal die Schulbank, wurde Hauptkommissar. Und er trat der Königsteiner CDU bei im Jahr 1979. Von 1985 bis 2011 gehörte Pfeil dem Ortsbeirat an und führte ihn ab 1993 ganze 18 Jahre lang als Ortsvorsteher. Die Belange Schneidhains verfolgte er immer konsequent, sein Heimatort war ihm wichtiger als politische „Farbenspiele“. Ein Mann mit klarer Haltung, eine ortsbildprägende Persönlichkeit. Als „Stadtältester“ schied er aus dem öffentlichen Amt.
Aber sein bürgerliches Engagement blieb längst nicht nur auf die Politik beschränkt. Er war jahrelang der Protokoller der Schnaademer Fastnacht, der Kuckuck, der alles gesehen hat. Er vertrat die Stadt im Freundeskreis der drei Königsteins, war im Vorstand des Vereinsrings aktiv, nahm Sportabzeichen ab, gab bis ins hohe Alter Stadtteilführungen und war auf nahezu jeder Veranstaltung im Ort aktiv. Fröhlich, humorvoll, gesellig.
Und dennoch blieb noch die Zeit, seiner Frau die Welt zu zeigen, mit dem Wohnwagen ging es durch Italien, er war in Venezuela, per Kreuzfahrtschiff hat er sogar die Antarktis erreicht. Oft ging es auch ins Allgäu, die Heimat von Renate. Seine letzte Ruhestätte wird „KaLu“ Pfeil freilich in seiner Heimat finden. Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung wird am Samstag, 16. Mai, um 11 Uhr auf dem Schneidhainer Friedhof stattfinden. Die Familie lädt hinterher zu Kaffee und Kuchen ins evangelische Pfarrheim ein.
