„die hannemanns“ packen mit Theaterstück heißes Eisen in der gesellschaftlichen Debatte an

Kronberg (hmz) – Der Amateurtheaterverein „die hannemanns“ ist seit Jahrzehnten Garant für anspruchsvolle Unterhaltung und die Aktiven verfügen über ein ansehnliches Repertoire: Es weist heitere Stücke wie auch Nachdenkliches auf. Gespielt werden abendfüllende Inszenierungen, Kurzstücke, Sketche und Lesungen mit jeweils mehreren Aufführungen auf den größeren und kleineren Bühnen der Umgebung. Diesmal haben sie sich mit dem Satire-Stück „Der Kaktus“ von Juli Zeh an ein Stück gewagt, das jahrelang nur den Profitheatern vorbehalten war und erst kürzlich auch für kleine Bühnen freigegeben worden ist. Um was geht es?: Jochen Dürrmann, ambitioniertes Mitglied in der Spezialeinheit GSG 9, ist ein echter Coup geglückt. Vor einem Frankfurter Blumenladen hat er einen international gesuchten Terrorverdächtigen festgesetzt und mit Hilfe des jungen Streifenpolizisten Cem auf‘s Revier gebracht, wo er verhört werden soll. Dass es sich bei dem mutmaßlichen Al-Kaida-Kämpfer um einen großen Kaktus handelt, beschäftigt weder Cem noch Dürrmann, auch nicht die Polizeianwärterin Susi, die bald hinzustößt. Zu groß ist die Euphorie über den Fahndungserfolg, zu verworren sind die Zuständigkeiten, zu ablenkend lästige Fragen wie die nach den Grenzen des Rechtsstaates. Aus der Figur des Gefährders heraus, der, wie bei Kakteen üblich, hartnäckig schweigt, entwickelt sich eine gesellschaftspolitisch relevante Frage… „Der Kaktus“ von Juli Zeh hat nichts an Brisanz verloren.

Die Satire über (Staats-)Gewalt passt in die Enge des Off-Theaters und analog ins aktuelle Zeitgeschehen. Damit ist sie ideal für „die hannemanns“ und deren Besetzung. Weil Theaterspielen nicht vorspielen, sondern zusammenspielen bedeutet, haben sich die Spielerinnen und Spieler „wochenlang auf ihre Rollen vorbereitet, sie leben sie inzwischen auf der Bühne“. Das sagt Lore Wynn, die zusammen mit ihrem Mann David Regie führt. Beide sind ehemalige Mitglieder des „Frankfurt English Speaking Theatre“ (F.E.S.T.) und lebten lange in München, wo sie das Stück zum ersten Mal gesehen haben. Nach ihrer Rückkehr - auch zu den „hannemanns“ - stand für sie zugleich auch fest, dieses Stück auf die Bühne bringen zu wollen. Es hat ein wenig gedauert. „Es ist Kommunikation, Spiegel und Gegenüber, Wirklichkeitsnähe und Distanz“, so Lore Wynn. Das Theater hat ein sehr eigenes Verhältnis zur Wirklichkeit und der Abbildung realer Begebenheiten. Aus der Referenz zur Wirklichkeit einerseits und der Möglichkeit, zu dieser eine Distanz aufbauen zu können andererseits, wird eine Spannung erzeugt, die in ihrer Unmittelbarkeit nur im Theater erlebbar ist. Die Autorin von „Der Kaktus“, Juli Zeh, ist Juristin und Schriftstellerin und die Handlung des Stückes ist nicht frei erfunden.

„die hannemanns“ möchten mit ihren Auftritten auch für den Verein werben, denn „dass Theater auch im Job eine produktive Seite haben kann, ist längst erwiesen“. Es bildet die Persönlichkeit, wie jedes Theater, ob im Theater als Kunstform oder eben im Theater „Jo“.

Ursprünglich waren sie die Theatergruppe des Kronberger „Kappenclubs“. Dann machten sich einige schauspielbegeisterte Freundinnen und Freunde im Jahr 1964 selbständig und gründeten einen eigenen Verein. „Heute sind wir ein fester Bestandteil des Kronberger Kulturlebens und mittlerweile auch weit über Hessens Grenzen hinaus bekannt“, betont Daniela Freudenberg, die zweite Vorsitzende des Vereins.

„Theaterarbeit bildet den Geist und die Persönlichkeit. Sie motiviert zu immer neuen Ideen. Theater eröffnet der Fantasie ungeahnte Möglichkeiten, die in Sprache, Form, Bild und Bewegung Gestalt annehmen, um auf dem kleinen Raum der Bühne die große Welt abzubilden“, so die Eindrücke, die Lore Wynn gesammelt hat, und hierbei im Namen der 35 Aktiven spricht, zu denen alle gehören, die vor, auf und hinter der Bühne für den reibungslosen Ablauf sorgen. Für die Technik ist der 33-jährige Patrick Oberdörfer zuständig, der sich ein „hohes Maß an Selbstbewusstsein angeeignet“ habe. „solche positiven Entwicklungen auch bei Schülerinnen und Schülern durch das Theaterspiel zu fördern, sehen wir als eine unserer Aufgaben. Aus diesem Grund spielen wir in Schulen“, erklärt Daniela Freudenberg.

Auf der Bühne werden Ulf Brossmann, Michael Hoffmann, Samantha Wynn, Enrico Freudenberg, Frank Wolter, Manuel Freudenberg und Johannes Carstens stehen. Termine sind am 13. und 14. Mai jeweils um 19.30 Uhr in der C-Lounge in der Taunushalle, am 21. Mai und 11. Juni jeweils um 19.30 Uhr im Recepturkeller und zuletzt treten sie am 8. und 9. Juli um 19.30 Uhr im Oberurseler Café Portstraße auf.

Zusätzliche Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins. Der Eintritt ist kostenlos, Spenden sind willkommen. Um Voranmeldungen wird gebeten, da die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze begrenzt ist.



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