Marie-Paule Olingers „Gesang der Vögel“ und das Casals Forum – „schönstes Gebäude“ im Kreis

Kronberg (pf) – Schöner und treffender als es jetzt die dem Bahnhof zugewandte Rückwand des Studienzentrums der Kronberg Academy schmückt, hätte man das Friedenslied von Pablo Casals „Gesang der Vögel“ malerisch kaum darstellen können. Mit diesem katalanischen Volkslied als Zugabe hatte der große Cellist, Humanist, unermüdliche Kämpfer für Freiheit und Menschenwürde und Namensgeber des Casals Forums seine Konzerte stets beendet, auch das in New York 1971, als er mit der Friedensmedaille der Vereinten Nationen ausgezeichnet wurde.

Schon im Januar hatte die Kronberger Künstlerin Marie-Paule Olinger die Idee, für diese schmucklose Gebäudewand etwas zu malen. Sie fand sie unpassend als Pendant zum schönen Casals Forum. „Da müsste man mal was machen, dachte ich mir damals,“ erzählt sie. „Ich liebe Musik und habe schon viele Musikinstrumente gemalt, auf einer Bühne in Hamburg einmal öffentlich eine ganze Serie von Cellos, während Anastasia Kobekina, die ehemalige Studentin der Kronberg Academy, dazu Cello spielte. Ich male mit schnellem Strich und mit Musik fließen meine Zeichnungen nur so.“

Bei ihrem nächsten Treffen mit ihrer Freundin Gabriela Denicke, die der Kronberg Academy seit einem Vierteljahrhundert verbunden und Mitglied im Vorstand ist, sprach sie das Thema an. „Pablo Casals ist doch eine Leitfigur für euch – ich würde da gerne etwas auf die Wand malen, ich denke an den ,Gesang der Vögel‘, was er so oft als Zugabe gespielt hat und was man auch immer wieder bei euch hört“, sagte sie damals zu mir, erinnert sich diese. „Das Gemälde wollte sie umsonst machen, wir sollten nur die Farbe bereitstellen.“

Gabriela Denicke wandte sich an Dr. Ralf Murjahn, Mitglied im Kuratorium der Kronberg Academy und Chef des Familienunternehmens DAW, des größten privaten Herstellers von Baufarben und Wärmedämmung in Europa. „Unsere Farben von Caparol sind perfekt geeignet auch für Kunst an der Wand“, erklärte er sich sofort bereit, die richtige Farbe kostenlos zu liefern und fügte hinzu: „Ich freue mich sehr, mit der Farbenspende das Projekt zu unterstützen.“

Und so entstand im Laufe des Sommers und Herbstes das Wandgemälde „Gesang der Vögel“ als Hommage an Pablo Casals, gemalt von Marie-Paule Olinger, powered bei Caparol, wie auf einem Schild unterhalb des Gemäldes vermerkt ist. Es zeigt ein Cello, aus dem sich Vögel in den Himmel erheben. Denn mit einem Cello und dem ersten Cello Festival in Kronberg begann im Jahr 1993 die Erfolgsgeschichte der Kronberg Academy.

Ein prächtiges Bild vom großen Saal des Casals Forums schmückt auch das Jahrbuch des Hochtaunuskreises für das kommende Jahr 2026, das am vergangenen Donnerstag in der Rotunde im Landratsamt Bad Homburg, dem Ludwig-Erhard-Forum, erstmals öffentlich vorgestellt wurde. „Das Casals Forum in Kronberg – eine gelungene Synthese aus Architektur, Akustik, Design und Kunst“ ist auch Titel des ersten Buchbeitrags, dem viele weitere Beiträge auch zu interessanten Kronberger Themen folgen.

„Kunst – Architektur – Design“

„Kunst – Architektur – Design“ lautet das Schwerpunktthema des Jahrbuchs Hochtaunus 2026 mit seinen insgesamt 31 Beiträgen aus Geschichte und Kultur des Taunus. Denn Frankfurt, die Rhein-Main-Region und der Hochtaunuskreis sind im kommenden Jahr „World Design Capital“, eine internationale Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird. 2024 wurden die Städte San Diego in den USA und Tijuana im benachbarten Mexiko Design-Welthauptstädte, nicht zuletzt wegen ihrer vorbildlichen designorientierten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Die Jahrbuch-Präsentation begann mit einer halbstündigen Podiumsdiskussion, moderiert von Ulrich Müller-Braun. Ansprechpartnerin für das Thema Kunst war Dr. Ingrid Ehrhard, Kuratorin der Stiftung Kronberger Malerkolonie und Autorin des Jahrbuchkapitels „Einfluss und Wettstreit: Willhelm Trübner und Eugenie Bandell, Erwerbung von vier Werken eines Impressionisten und seiner Schülerin durch das Museum Kronberger Malerkolonie“. Fachfrau zum Thema Architektur war die Diplom-Ingenieurin und Architektin Julia Lang, Geschäftsführerin der Lang Architektur GmbH in Bad Homburg, die vor allem eine Reihe von Schulbauten im Hochtaunuskreis errichtet hat. Als Fachmann zum Thema Design war Kay-Hermann Hörster eingeladen, seit 18 Jahren tätig im Kultur- und Regionalmanagement und seit vier Jahren Projektleiter der „Route der Industriekultur Rhein-Main“. Er schrieb den zweiten Buchbeitrag mit dem Titel „Hüte, Häuser, HiFi – Designgeschichte im Hochtaunuskreis“.

Musikalische Gestaltung

Den musikalischen Rahmen gestalteten eindrucksvoll die Geigerinnen Carlotta-Marie Kunz, Sarah Kunze und Eva Hackert, drei Schülerinnen des Emanuel-Feuermann-Konservatoriums, der Streicherschule unter dem Dach der Kronberg Academy. Sie sind Schülerinnen von Geigendozentin Annette Ziegler, die gemeinsam mit Cello-Dozent Erik Richter die künstlerische Leitung des Konservatoriums innehat. Sie arrangierte auch die Musikstücke, die gespielt wurden, eigentlich für ein Streicher-Quartett, aber die vierte junge Geigerin konnte Donnerstagabend nicht dabei sein. Dass die drei verbliebenen dennoch ihren Auftritt mit Bravour absolvierten, was ihnen viel Beifall eintrug, ist ein Beweis für das hohe Niveau, auf dem dort der Nachwuchs unterrichtet wird.

Die letzte Frage von Moderator Ulrich Müller-Braun nach der informativen Diskussion über Kunst, Architektur und Design ging an Architektin Julia Lang, welches ihrer Meinung nach das schönste Gebäude im Hochtaunuskreis sei. Das Homburger Schloss, lautete ihre Antwort. Doch das wollte Landrat Ulrich Krebs so nicht stehen lassen. Das schönste Gebäude der jüngsten Zeit sei seiner Ansicht nach das Casals Forum, griff er noch einmal zum Mikrophon. Und da werden ihm sicherlich viele Menschen zustimmen, nicht nur aus Kronberg.

Das Jahrbuch Hochtaunuskreis 2026, im Waldemar Kramer Verlag Wiesbaden im 34. Jahrgang erschienen, 320 Seiten stark und besonders reichhaltig und großzügig bebildert, kostet 15 Euro und ist überall im Buchhandel erhältlich oder direkt beim Bürger-Info-Service im Landratsamt. Das Atelier von Marie-Paule Olinger „Werkstatt 13“ befindet sich in der Frankfurter Straße 13 in Kronberg. Im Internet ist sie mit dem eindrucksvollen YouTube-Film über ihre Cello Malerei zum Spiel von Anastasia Kobekina unter www.mpolinger.de zu finden.

Mit ihrem Gemälde an der Rückwand des Studienzentrums der Kronberg Academy erinnert die Kronberger Künstlerin Marie-Paule Olinger an den weltberühmten Cellisten Pablo Casals und das durch ihn zum Friedenslied gewordene katalanische Volkslied „Gesang der Vögel“.Foto: privat

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