Oberhöchstadt (ivy) – Mit viel Schwung, Elan und der passenden musikalischen Untermalung begrüßte Anneliese Hecking gemeinsam mit H. G. Kaufmann die zahlreich erschienenen Gäste zur diesjährigen Ausgabe des „Knodderbergs“. Zum fünften Mal fand die beliebte und bereits Kult gewordene Benefizveranstaltung im Haus Altkönig statt. Der Festsaal war bis auf den letzten Platz besetzt und es mussten sogar noch weitere Stuhlreihen hinzugefügt werden. Eine Vielzahl an bekannten Persönlichkeiten wollte sich den Oberhöchstädter Maibockanstich nicht entgehen lassen und hatte sich bei eben diesem Maibock und einer großen Auswahl an Speisen und sonstigen Getränken unter die Gäste gemischt. Darunter waren der amtierende Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche, Bürgermeister Christoph König, Erster Stadtrat Heiko Wolf, die ehemalige Innenministerin Nancy Faeser, Maria Winghardt-Arnold von den Tafeln des Hochtaunuskreises sowie Marc-André Buchmann von der Taunus Sparkasse.
Zu Beginn des Programms performte Volker Göbel, ein Aktiver aus Kirdorf, mit seinem ganz eigenen Charme „Wunderschön“ von Unheilig. Weiter ging es mit der A-cappella-Gruppe aus Kirdorf von der Kolping Familie, die gleich mit drei Liedern, darunter „Ober, zack‘n Helles“ ihr musikalisches Können bewies. Dabei nahmen sie auch, ganz im Sinne des „Knodderbergs“, die Gemeinden im Umkreis, wie Oberursel, Kronberg und Oberhöchstadt, etwas aufs Korn. Auch das Publikum wussten sie mit einzubeziehen und sorgten somit für eine gewisse Abwechslung.
Volker Göbel und Michael Arndt führten an diesem Abend gemeinsam durch das Programm. Braumeister Stefan Schmidt hatte, wie üblich, wieder einen Süffigen gebraut, der offensichtlich von allen Seiten gut angenommen wurde. Nachdem Schmidt einiges an Expertise – von „artgerechter Bierhaltung“ bis zur genauen Zutatenzusammensetzung –geteilt hatte, forderte er den Saal mit den Worten „lecker, wir können anstechen“ zur Verköstigung auf. Ganz im Sinne der Tradition vollzog Bürgermeister Christoph König mit einer beeindruckenden Präzision den Fassanstich.
Mit raschen Schritten nahm die Veranstaltung ihren Lauf und es näherte sich der erste Vortrag. Natürlich, wie könnte es auch anders sein, von keinem anderen als H. G. Kaufmann. Realitätsnah und mit einer authentischen Verkörperung betrat dieser unter Orgeltönen als Pfarrer die Bühne. Mit ausgebreiteten Armen, wie in einer Predigt, seinen „Schäfchen“ zugewandt, sprach er zum Publikum. Allerdings sollte es eben doch ein Gottesdienst der besonderen Art sein, denn direkt zu Anfang segnete Kaufmann das Bier. Doch der Pfarrer fand rasch den Übergang zu ernsteren Themen. Das „braune Gedankengut aus dem Osten“ und die AfD bereiten ihm gehörige Sorgen, „wie soll das alles denn noch werden? Hoch die Gläser, Prost die Herren, da hilft doch nur auf Gott vertrauen. Hoch die Gläser, Prost ihr Frauen“.
Auch die SPD blieb von H. G. Kaufmann nicht verschont. Von Lars Klingbeil, der sich an die Macht geputscht habe, dem riesengroßen Graben, der zwischen der Partei und ihrer Wählerschaft klaffe, welche sich momentan an der Wahlurne wohl eher für links oder AfD entscheide, ging es über zu Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU, die „einst den CDU-Karren an die Mauer fuhren“ und dem „Merzias“, der immer wieder von Einsparungen predige, aber selbst gar nicht nach diesem Vorsatz sein eigenes Leben gestalte.
Der Arbeiter zahle brav ewig in seine Rente ein und bekomme am Ende gesagt, dass er aufgrund der leeren Rentenkasse noch weiter arbeiten müsse. „Anstatt mit Milliarden einen Krieg zu finanzieren, könnte man doch die Rentenkasse aufpolieren“, so der Pfarrer H. G. Kaufmann. Schließlich richtete er seinen Blick auf Kronberg und die zuletzt beschlossenen Haushaltskürzungen, insbesondere hinsichtlich der freiwilligen Leistungen. Lautstark machte er seinen Unmut darüber deutlich: Er könne nicht mehr darüber lachen, wie Politik auf dem Rücken der Vereine gemacht werde. An einem Thema, das momentan immer mehr in den Vordergrund rückt, kam Kaufmann selbstredend auch nicht vorbei: die Bürgermeisterwahl. Christoph König hat seinen Hut ein weiteres Mal in den Ring geworfen und die CDU hat mit Katharina Merklein ebenfalls vor kurzem eine neue Kandidatin auserkoren.
„Make cake, not war“, so lautete das Motto von Volker Göbel, der in seinem anschließenden Vortrag als Bäcker auftrat. Besonders Donald Trump und seine riesige „Kaufsucht“ beschäftigten ihn. In Anspielung an seine ausgeprägte Begierde nach Grönland verteilte der Bäcker fleißig sogenannte „Grönländer“ unter den Gästen, sie ähnelten dem Gebäck, was allgemein als Amerikaner bekannt ist. Göbel fuhr im weiteren Verlauf zu „Fettnäpfchen Fritz“, gemeint ist an dieser Stelle Friedrich Merz, fort. Seine verbalen Ausfälle seien wiederholt nicht zu fassen.
„Alle Personen unter 25 Jahre müssen wieder zur Bundeswehr und das trifft hier heute Abend im Saal keinen“, schnitt Volker Göbel die nächste Thematik, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, an. Seiner Auffassung nach seien viele junge Menschen eventuell sogar bereit, Deutschland zu verteidigen, allerdings würden sie sich fragen: Ginge das auch aus dem Homeoffice? Seinen Vortrag schloss der Bäckermeister mit dem Gedicht „Faschisten Döner“ von Clara Loesel, Schriftstellerin und Netzpoetin.
Seit dem Jahr 2022 geht der Erlös des Oberhöchstädter Maibockanstichs an die Tafeln des Hochtaunuskreises. Maria Winghardt-Arnold, Leiterin der Tafel Bad Homburg, berichtete dem Publikum von der Arbeit der Tafel und bedankte sich herzlich für die Spenden des Abends, die unter anderem die Arbeit der Tafeln im Hochtaunuskreis ermöglichen. Marc-André Buchmann von der Taunus Sparkasse, finanzieller Partner der Tafel, sprach ebenfalls seinen Dank für die Spenden aus und betonte, wie sehr er das Ehrenamt und die darin investierte Energie der Aktiven schätze.
Einen emotionalen Lauf nahm der Abend mit dem Auftritt von Ewald und Anna Hoyers. Das Ehepaar hatte seit dem 1. Oktober 2000 den Betrieb im Haus Altkönig in Oberhöchstadt geführt und verabschiedet sich nun zum Ende diesen Jahres in den Ruhestand. Mit stehenden Ovationen nahm das Publikum Anteil und brachte seinen herzlichen Dank zum Ausdruck. H. G. Kaufmann überreichte ein kleines Präsent und auch der Erste Stadtrat Wolf sowie Bürgermeister König bedankten sich bei den Hoyers.
Tatsächlich gibt es mittlerweile auch schon einen kleinen Ausblick auf die Zukunft des Hauses Altkönig. Das Pächterpaar Herr Yildiz und Frau Melinger wurden den Gästen als Nachfolger vorgestellt.
Der Pfarrer (H. G. Kaufmann) versuchte, den Menschen die Kirche als eine tröstende Schulter aufzuzeigen. Fotos: Wreth
Maria Winghardt-Arnold und Marc-André Buchmann bedankten sich bei allen Gästen für ihre Spenden.

