Junge Biber gehen jetzt auf Wanderschaft

Hessen (kez) – Für viele junge Biber beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt: Nach rund zwei Jahren verlassen sie das Revier ihrer Eltern und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Zuhause. „Die Lehrzeit der jungen Biber bei ihren Eltern ist beendet. Sie verlassen den Bau, um eine eigene Familie zu gründen“, erklärt Mark Harthun, Biberexperte des NABU Hessen. Wer nicht freiwillig gehe, werde von den Eltern zum Aufbruch gedrängt, da Nahrung und Lebensraum im Revier nur für eine Biberfamilie ausreichen.

Auf ihrer Suche nach einem geeigneten Lebensraum legen die Jungtiere meist zwischen drei und 25 Kilometer zurück. Besonders wanderfreudige Biber schaffen sogar Entfernungen von bis zu 100 Kilometern und tauchen dann an Flüssen und Teichen weit entfernt von ihrem Geburtsort auf. Die Wanderschaft ist jedoch nicht ungefährlich: Viele Tiere kommen auf Straßen oder Bahnstrecken ums Leben.

Um neue Biber-Vorkommen besser erfassen zu können, bittet der NABU Hessen darum, Beobachtungen über die Biber-WebApp von NABU-Naturgucker zu melden. Dort können Sichtungen von Bibern und ihren Spuren unkompliziert eingetragen werden. Die gesammelten Daten helfen dabei, die Verbreitung und Entwicklung der Tiere in Hessen besser zu dokumentieren.

Der Biber gilt als wichtiger Landschaftsarchitekt. Mit seinen Dämmen und den von ihm geschaffenen Auenlandschaften trägt er dazu bei, Hochwasser abzumildern und die Wasserqualität zu verbessern. Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So profitieren unter anderem Fische, Amphibien, Libellen sowie Eisvögel und Störche von den neu geschaffenen Feuchtgebieten.

Nachdem der Biber in Hessen über Jahrhunderte als ausgestorben galt, gelang Ende der 1980er Jahre die erfolgreiche Wiederansiedlung. Aus zunächst 18 ausgesetzten Tieren im Spessart ist inzwischen ein Bestand von rund 2.600 Bibern in Hessen geworden – eine der großen Erfolgsgeschichten des heimischen Naturschutzes.



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