BfS wollen nicht in die Nähe zur AfD

Sulzbach (MS). Die „Bürger für Sulzbach“ (BfS) fühlen sich durch die Berichterstattung des Sulzbacher Anzeigers zu Unrecht in die Nähe der AfD gerückt. In der jüngsten Ausgabe hatten wir in einem Bericht über die Kreistagswahl geschrieben, dass die AfD „offenbar einen großen Teil der BfS-Stimmen für sich gewinnen konnte“.

BfS-Vorsitzender Joachim Schoenmakers legt großen Wert darauf, dass die Sulzbacher Wählergruppierung nicht mit der AfD verglichen wird. Das ist verständlich, konzentrieren sich die „Bürger für Sulzbach“ doch ausschließlich auf lokale Themen. Hinzu kommt, dass die Mitglieder der BfS nachweislich aus allen politischen Richtungen kommen.

Dennoch ist es mit großer Wahrscheinlichkeit so, dass die BfS-Wählerinnen und Wähler bei der Kreistagswahl ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. 11,11 Prozent der Sulzbacher hatten am 15. März bei der Kreiswahl für die AfD gestimmt. Da die Zahl der abgegebenen Stimmzettel bei der Kreis- und der Gemeindewahl nahezu identisch war, müssen die 335 AfD-Wähler im Zuge der Gemeindewahl eine der anderen Parteien gewählt haben.

Von der CDU kamen sie wahrscheinlich nicht, denn anders als in den meisten anderen Städten im Main-Taunus-Kreis, hat die CDU in Sulzbach bei der Kreiswahl mehr Stimmen bekommen als bei der Gemeindewahl. Alle anderen Parteien hatten bei der Kreiswahl zwar weniger Stimmen als in Sulzbach. Insgesamt summierten sich die Unterschiede aber nur auf rund 5,3 Prozentpunkte, so dass sich damit das AfD-Ergebnis auf Kreisebene nicht erklären lässt. Hinzu kommt, dass bei der Kreistagswahl „Die Linke“ noch 4,5 Prozent in Sulzbach holte, die auch von den anderen Parteien kamen, vermutlich aus dem linksliberalen Lager von SPD und Grünen und zum Teil von den Freien Wähler.

Somit bleibt nur noch die Möglichkeit, dass die Wählerinnen und Wähler der BfS auf Kreis-Ebene für das Ergebnis der AfD gesorgt haben. Am wahrscheinlichsten ist die Interpretation, dass sich die 375 BfS-Listen-Wähler bei der Kreiswahl zu einem kleineren Teil für die CDU und zu einem größeren Teil für die AfD entschieden haben.

Weitere Hinweise dafür ergeben sich auch aus der Betrachtung der höheren Wahlbeteiligung im Vergleich zu anderen Städten im Main-Taunus-Kreis und aus den Einzelergebnissen in den Sulzbacher Wahlbezirken, wo es fast überall eine Korrelation zwischen den Ergebnissen der BfS auf Gemeinde- und der AfD auf Kreis-Ebene gibt.

Alles nur Interpretationen

Wichtig ist, dass es sich bei all diesen Betrachtungen um begründete Interpretationen der Zahlen handelt, nicht um einen Beweis. Denn dazu wären Nachwahl-Befragungen in den Wahllokalen notwendig gewesen.

Auch lässt das wahrscheinliche Verhalten der Wählerinnen und Wähler keine Rückschlüsse auf die Inhalte der „Bürger für Sulzbach“ zu, die selbstverständlich nicht dafür verantwortlich sind, wie ihre Anhänger bei der Kreistagswahl entschieden haben.



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