Wirtschaft, Nachwuchs und Ausblick: VKS lud zum Neujahrsempfang

Rainer Brestel, Vorsitzender der VKS ließ das Jahr Revue passieren, gab Ausblicke auf die Herausforderungen für 2026, um im Anschluss mit Bürgermeister Albrecht Kündiger und Patrik März, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Horn GmbH, in einen intensiven und konstruktiven Austausch zu treten. Foto: Judith Ulbricht

Münster (ju) – Gedämpfte Gespräche, Händeschütteln und ein reger Austausch bestimmten am Sonntagvormittag die Atmosphäre beim Neujahrsempfang der Vereinigung Kelkheimer Selbständiger (VKS) in Münster. In den Räumen der Projektgesellschaft Horn kamen Unternehmerinnen und Unternehmer aus Kelkheim zusammen, um auf das neue Jahr zu blicken, Kontakte zu pflegen und aktuelle Themen zu diskutieren. Zwischen vielen bekannten Gesichtern aus Handel, Handwerk und Dienstleistung fiel dabei auch ein ungewöhnlich junger Gast auf.

VKS-Vorsitzender Rainer Brestel begrüßte Mats Kreutel von der Schülerfirma Veludi der Eichendorffschule Münster persönlich. Die Schülerfirma hat ein Spiel entwickelt, das wirtschaftliche Zusammenhänge und Standortfaktoren vermittelt. „Es ist gut und wichtig, Schule und Firmen im Rahmen der Berufs- und Wirtschaftsorientierung zusammenzubringen“, sagte Brestel. Kreutel nutzte den Empfang, um mit möglichen Unterstützern und Interessenten ins Gespräch zu kommen. „Die Schülerfirmen der EDS waren bis jetzt immer sehr erfolgreich und diese Idee wird sich auf jeden Fall durchsetzen “, ist sich der VKS-Vorsitzende über das Engagement des Nachwuchses sicher.

Empfang als Plattform für Austausch

Die Neujahrsempfänge der VKS haben sich in den vergangenen Jahren als feste Größe etabliert. Sie dienen dem Austausch innerhalb der Unternehmerschaft, übernehmen aber auch eine Rolle, die früher teilweise bei der Stadt lag. Aus finanziellen Gründen hatte die Kommune entsprechende Treffen vor einigen Jahren gestrichen. Entsprechend waren beim diesjährigen Empfang vor allem Unternehmer vertreten, aber auch politische Vertreter aller Kelkheimer Parteien. Nur die überörtliche Politik ließ sich entschuldigen. Brestel verwies in diesem Zusammenhang auf terminliche Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen.

Unterm Strich zeigte sich der VKS-Vorsitzende dennoch zufrieden. „Die Gespräche waren sehr konstruktiv“, sagte er. Ein besonderes Lob richtete er an den Gastgeber, die Projektgesellschaft Horn. Geschäftsführer Patrick März stellte das Unternehmen vor, das im Main-Taunus-Kreis seit Jahren in der Bauwirtschaft tätig ist. Zu den aktuellen Projekten gehört unter anderem das Neubauvorhaben auf dem ehemaligen Polar-Mohr-Gelände in Hofheim.

Dass es ein schwieriges Jahr werden wird, hatte Brestel schon auf dem Neujahrsempfang 2025 nicht nur geahnt, sondern vorausgesagt. „Nach dem, was wir tagtäglich in den Nachrichten sehen, können wir froh sein, in einem Land zu leben, in dem die Menschenrechte gewahrt werden und die Rechtsstaatlichkeit noch einen Wert hat“, resümierte Brestel mit Blick auf die Vorkommnisse in den USA, die schon in 2025 ihren verheerenden Lauf nahmen. Doch auch in Deutschland liefe vieles nicht so, wie es sein sollte: Die Zahl der Insolvenzen ist weiter hoch, die Arbeitslosenquote steigt moderat, Unternehmen stellen kaum noch ein, sondern versuchen ihre Mitarbeiter zu halten, Banken tun sich schwer bei der Kreditvergabe. „Vom Bürokratieabbau und weniger Regulierung kommt noch nicht viel an“, zieht Brestel ein Fazit. Er plädiert dafür, in Bildung, vor allen Dingen politische Bildung, zu investieren und gemeinsam mit Politik und Unternehmen die Ziele auf regionaler Ebene anzugehen, um Aufschwung zu generieren.

Gewerbemesse kehrt zurück

Mit Blick auf das laufende Jahr kündigte Brestel mehrere Termine an. Nach längerer Pause soll am 18. Oktober wieder eine Gewerbemesse in der Stadthalle stattfinden. Eingeladen sind neben den rund 170 Mitgliedsbetrieben auch weitere Unternehmen aus Kelkheim und der Region. „Wir wollen damit wieder eine Plattform schaffen, auf der sich Betriebe präsentieren können“, erklärte Brestel. Besonders interessant sei die Messe für Unternehmen ohne eigenes Ladengeschäft, die auf diesem Weg Sichtbarkeit gewinnen könnten. Die VKS knüpft damit an frühere Veranstaltungen wie das „Kelkheimer Schaufenster“ an.

Ebenfalls fest eingeplant ist der Frühlingsball, den die VKS gemeinsam mit dem Tanz-Sport-Club Fischbach am 25. April in der Stadthalle ausrichtet. Auch in diesem Jahr ist wieder eine Tombola für einen guten Zweck vorgesehen. Brestel wies jedoch darauf hin, dass die Miet- und Reinigungskosten für die Stadthalle deutlich gestiegen seien. „Das ist für die Organisation keine einfache Situation“, sagte er. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass das Organisationsteam diese Herausforderung ebenso bewältigen werde wie die anstehenden Umbauarbeiten.

Stadtfest und Einzelhandel

Sehr zufrieden äußerte sich Brestel über das Stadtfest 2025, das gemeinsam mit der Stadt und Organisator Sascha Weiß mit neuem Konzept umgesetzt wurde. Für die Gewerbetreibenden sei dabei vor allem der verkaufsoffene Sonntag von großer Bedeutung. „Wir halten mindestens einen solchen Aktionstag im Jahr für notwendig“, betonte Brestel. Um diesen zu ermöglichen, seien im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Politik und Verwaltung geführt worden.

Bürgermeister Albrecht Kündiger unterstrich beim Empfang die Bedeutung des lokalen Gewerbes für die Stadt. „Der Einzelhandel ist ein wichtiger Faktor für die Attraktivität Kelkheims“, sagte er. Er rief die Bürger dazu auf, ihre Einkäufe möglichst vor Ort zu erledigen. Ein bewährtes Instrument sei dabei die Kelkheimer Gutscheincard, die weiterhin stark nachgefragt werde. „Sie wird nach wie vor gerne verschenkt“, ergänzte Brestel. Die Mitgliederzahl der VKS liegt weiterhin stabil bei rund 170 Betrieben.

Parkraum und Energie als zentrale Themen

Ein weiteres Thema war die Situation im Gewerbegebiet Münster, insbesondere die Parksituation. Brestel forderte ausreichend und sichere Parkmöglichkeiten für Beschäftigte und Kunden. Bürgermeister Kündiger kündigte an, dass die Stadt ihre geplanten Maßnahmen hierzu zeitnah vorstellen wolle. Ein Austausch mit den ansässigen Unternehmen hat bereits stattgefunden.

Auch die Energieversorgung beschäftigt die VKS weiterhin. Gemeinsam mit der Stadt lädt der Verband am 4. Februar zu einem Vortrag der LandesEnergieAgentur Hessen zum Thema „Energieeffizienz in Unternehmen“ in den Gartensaal des Rathauses ein. „Wir sind weiterhin der Auffassung, dass sich energetische Sanierungen langfristig lohnen“, sagte Brestel. Eine spürbare Reduzierung der Energiekosten sei bislang jedoch nicht zu erkennen.

Blick nach vorn

Grundsätzlich sieht Brestel die Unternehmen vor vielfältigen Herausforderungen. Neben anhaltender Bürokratie und hoher Regulierung nannte er steigende Energiekosten sowie den Fachkräftemangel. Gleichzeitig sieht er Chancen in der digitalen Transformation und im Einsatz Künstlicher Intelligenz. Um junge Menschen für Ausbildung und Beruf zu gewinnen, bleibe die städtische Ausbildungsmesse JUBiZU im September eine wichtige Anlaufstelle. Für Unternehmen, die wenig Zeit und Kapazität haben, hält die VKS wieder einen eigenen Stand vor, an dem sich interessierte Firmen einen Slot für zwei Stunden reservieren können. „Jedem sollte daran gelegen sein, sein Unternehmen zu präsentieren und Nachwuchs zu generieren. Nur so können wir die Zukunft und das Überleben unserer Gewerbetreibenden vor Ort sicherstellen“, so Brestel.

Die VKS wolle sich auch künftig aktiv in kommunale Themen einbringen. „Wir reagieren, wenn wir feststellen, dass etwas schiefläuft“, sagte Brestel und verwies auf aktuelle Diskussionen, die die Unternehmerschaft betreffen.

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