Münster (iba) – Es ist aber auch wirklich zum Haareraufen: Da hat sich der Titelheld den ganzen Herbst über durch den Wald gepflügt, sich mit Nüssen, Pilzen und anderen Leckereien den Winterspeck auf die Rippen gepackt, sein Bettchen gemacht, das Kissen aufgeschüttelt – und dann zwickt es! Egal, wie der Bär sich dreht und wendet, ans Einschlafen ist unter diesen Umständen nicht zu denken. Steht vielleicht eine piksende Feder aus der Matratze? Sind Kekskrümel im Bett? Der Protagonist schnauft und schüttelt, aber die Ursache für seine Unruhe findet er nicht. Das benachbarte Eichhörnchen weiß leider auch keinen Rat, der Bär kommt nicht zur Ruhe. In diesem Moment benimmt er sich weniger wie ein Bär im Wald, eher wie eine Prinzessin auf der Erbse. Zunächst sucht er Rat beim Dachs, der nebenan wohnt und ein ausgewiesener Winterschlaf-Experte ist. Von selbigem leiht sich der Bär eine weitere Matratze, vielleicht handelt es sich schlicht um einen Materialfehler?
Aber auch das neue Bettzeug bringt keine Verbesserung, das Zwicken und Zwacken bleibt, so langsam wird der Bär etwas ungehalten. Ob er sich im Murmeltier-Hochhaus einen guten Tipp holen kann? Schließlich halten Murmeltiere bis zu sieben Monate lang Winterschlaf – wenn jemand im Wald eine Expertise zu bequemen Betten hat, dann ja wohl die!
Eine ausgeschlafene Geschichtevom Müdesein
Das Figurentheater Pantaleon gastierte am letzten Freitag im Kulturbahnhof in Kelkheim-Münster, Alexander Baginski spielte alle Figuren und gab allen (s)eine Stimme, zudem musste er darauf achten, dass alle Requisiten an ihrem vorgesehenen Platz sind und das Murmeltierhochhaus keinen Schaden nimmt.
Handgemachte Kleinkunst
Baginski hat Theaterwissenschaften studiert, ist Puppenspieler, Autor und Figurenbauer. „Der Bär ist allerdings nicht von mir, den habe ich aus der Puppenwerkstatt von Vera Kniss. Wohlgemerkt: Keine Massenware, alles Sonderanfertigungen.“ Beim Ein-Mann-Stück in Münster war er Alleinunterhalter und Spezialeffektschmiede in Personalunion, am Anfang des Stückes fielen einzelne Blätter nach und nach auf den Boden der noch leeren Bühne (die Blätter waren hinter dem Vorhang mit Stecknadeln befestigt), am Ende rieselte sogar etwas (Kunst-)Schnee. Baginski tourt mit dem Figurentheater regelmäßig quer durch Deutschland, in Kelkheim brachte er auch etwas zum Lesen mit: Zusammen mit der Grafikdesignerin Anne-Kathrin Marx hat er das Buch zum Stück entworfen. Wenn die kleinen Kelkheimer die Geschichte vom hinausgezögerten Winterschlaf also mehr als einmal erleben wollten, konnten sie diese auch mit nach Hause nehmen.